Niedersachsen: Kritik an Sonder-Impfaktion für Jugendliche

Stand: 19.07.2021 18:15 Uhr

An der Impfaktion der Landesregierung für Jugendliche ab zwölf Jahren gibt es Kritik. Mitglieder der Ständigen Impfkommission (Stiko) sowie Kinder- und Jugendärzte bemängeln das Vorgehen.

Die Aktion sei "problematisch", sagte Stiko-Mitglied Eva Hummers von der Universitätsmedizin Göttingen dem NDR in Niedersachsen. Die Datenlage zur Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche werde jede Woche von der Ständigen Impfkommission neu bewertet, so die Professorin. Nach aktuellem Stand sei nicht klar, ob der Nutzen tatsächlich das Risiko einer Nebenwirkung, beispielsweise einer Herzmuskelentzündung, übersteige. Für eine Impfung von Minderjährigen zu werben, wie es das Land mit seinen Wochenend-Aktionen mache, sei daher problematisch.

Widerspruch auch von Ärzteverband

Ähnlich bewertet das auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Niedersachsen. Er appelliert an alle Erwachsenen, sich impfen zu lassen und so die Kinder mit zu schützen. Statt den Fokus auf Impfkampagnen für Jugendliche zu legen, solle die Politik besser für pandemiesichere Schulen und Kitas sorgen.

Tausende Jugendliche am Sonntag geimpft

Bei der Aktion des Landes hatten sich am Sonntag Tausende Jugendliche gegen Corona impfen lassen. Insgesamt nahmen 23 Impfzentren teil, unter anderem in Cuxhaven, Wittmund, Braunschweig, Goslar, Hannover und Helmstedt. Das Land hatte dafür 27.000 Dosen des Vakzins von Biontech zu Verfügung gestellt. Es ist der einzige Impfstoff, der bisher für Kinder und Jugendliche in Deutschland zugelassen ist. Voraussetzung war, dass die Eltern einverstanden und bei der Impfung dabei waren.

Große Nachfrage - Impfaktion für Jugendliche geht weiter

Mit der Aktion wollte die Landesregierung Minderjährigen die Chance geben, sich noch vor den am kommenden Donnerstag beginnenden Sommerferien impfen zu lassen. Der Termin für die zweite Impfung ist der 29. August. Wegen der großen Nachfrage will Niedersachsen die Impfaktion in den kommenden Wochen fortsetzen. So wird es in Braunschweig bereits von Mittwoch bis Freitag zusätzlich mehr als 1.000 Termine für Kinder ab zwölf Jahren geben.

Ministerpräsident Weil befürwortet Impfung

Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich für die Impfung der 12- bis 17-Jährigen aus, obwohl die Stiko diese nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko empfiehlt. "Ich mag mir keine Situation ausmalen, wo die Älteren geimpft sind und die Jüngeren nicht", sagte Weil im Sommerinterview mit dem NDR in Niedersachsen. Entscheiden würden letztlich die Eltern. Die Politik wolle aber die Möglichkeit eröffnen, so Weil. Es gebe zudem viele Experten, die auf die Frage, ob sie ihr Kind impfen lassen würden, klipp und klar mit "ja" antworteten. In vielen Ländern würden überwiegend auch die Jugendlichen geimpft.

Impftermine schnell ausgebucht

In Niedersachsen seien die Impftermine für Menschen unter 18 Jahren innerhalb kurzer Zeit ausgebucht gewesen, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Deshalb habe sie sich entschieden, dieses Angebot auch in den kommenden Wochen aufrechtzuerhalten. Die Impfzentren könnten damit weiterhin einen Teil ihrer Impfdosen für die Impfung von Kindern und Jugendlichen reservieren und gezielt Termine anbieten.

Freie Wahl des Impfzentrums

Diese Impf-Termine werden ausschließlich über die Hotline des Landes unter der Telefonnummer (0800) 99 88 665 vergeben. Sie können auch von Personen gebucht werden, die nicht im Einzugsgebiet des jeweiligen Impfzentrums wohnen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.07.2021 | 19:00 Uhr

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