Corona-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca steht in Kartons in einem Kühlschrank. © picture alliance / empics Foto: Yui Mok

Niedersachsen: 140.000 Dosen AstraZeneca bald unbrauchbar

Stand: 20.09.2021 15:03 Uhr

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca war nach Negativschlagzeilen in Deutschland recht unbeliebt. Inzwischen bleibt er massenhaft in niedersächsischen Arztpraxen liegen - und droht zu verfallen.

Die Kassenärztliche Vereinigung schätzt, dass allein in Niedersachsen 140.000 Dosen des Corona-Vakzins demnächst verfallen. Einige Hausärzte versuchen bereits vergeblich, ihren überzähligen Impfstoff an die Bundesregierung zurückzugeben. Manche würde ihn auch gerne an Hilfsorganisationen spenden, damit er etwa in Afrika genutzt werden kann. Das dürfen sie jedoch nicht.

Befürchtung: Kühlkette wurde nicht eingehalten

Als Eigentümerin des Impfstoffs untersagt die Bundesregierung die Weitergabe an Dritte - aus haftungsrechtlichen Gründen, wie es heißt. Und weil sie befürchtet, dass die Kühlkette nicht eingehalten worden sein könnte. Jörg Berling von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen fordert den Bund auf, die Impfstoffe zurückzunehmen. Die Befürchtungen könnten sehr schnell entkräftet werden, sagte er dem NDR in Niedersachsen. Bei der Belieferung der Praxen mit dem Impfstoff sei nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung die Kühlkette lückenlos eingehalten worden.

AstraZeneca: Von Beginn an unter schlechtem Stern

Deutschlandweit verfallen nach Schätzungen der Kassenärztlichen Vereinigung 3,2 Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller bis zum Jahresende in den Arztpraxen. Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca stand bereits kurz nach seiner Einführung in Deutschland unter einem schlechten Stern. Aufgrund einer zunächst mangelhaften Datenlage bei der Gruppe Menschen ab 65 Jahren empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko) das Corona-Vakzin nur für Menschen jüngeren Alters. Dann traten in sehr, sehr seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung mit AstraZeneca auf. Daraufhin wurden die Impfungen in mehreren Ländern mit dem Vakzin kurzzeitig gestoppt. Danach sollten in Deutschland nur noch Menschen ab 60 Jahren damit geimpft werden. Schließlich empfahl die Stiko im Sommer, AstraZeneca nur noch für die Erstimpfung zu verwenden und die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von Moderna oder Biontech durchzuführen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.09.2021 | 13:00 Uhr

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