Stand: 17.01.2020 16:46 Uhr

Mehr Lehrer in Niedersachsen - aber nicht genug

Die Hand einer Lehrerin schreibt mit Kreide etwas an eine Tafel. © dpa - Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Der FDP zufolge fehlen in Niedersachsen mehr als 1.000 Lehrer, um die Rückkehr zum Abi nach 13 Jahren zu bewältigen. (Themenbild)

Als einen "Schritt nach vorne" beschreibt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen. Diese habe im ersten Halbjahr 2019/20 bei 99,6 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor seien es 99,4 Prozent gewesen. Allerdings schneiden etwa Gymnasien deutlich besser ab als Hauptschulen. Und im Sommer steht mit der Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Jahren eine neue Herausforderung vor der Tür, kritisieren die Opposition im Landtag und Lehrerverbände.

Rund 1.100 Lehrerstellen zum Sommer neu besetzt

Die höhere Quote sei auch darauf zurückzuführen, dass im abgelaufenen Kalenderjahr rund 800 Lehrer mehr eingestellt wurden als in den Ruhestand gingen, hieß es weiter aus dem Ministerium. Für das zweite Halbjahr seien bisher rund 1.100 der 1.350 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt. "Wir haben jetzt einen vernünftigen Trend", sagte Tonne.

Für Abi nach 13 Jahren werden Lehrer abgeordnet

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zufolge verdecke der Durchschnittswert die Probleme an unterschiedlichen Schulformen. Die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und Grundschulen sei deutlich besser als an den Hauptschulen. Mit der Wiedereinführung der 13. Klasse an den Gymnasien im Sommer drohe an Haupt-, Real- und Oberschulen zudem eine weitere Verschlechterung. "Uns besorgt die Frage, wie groß die Löcher in den anderen Schulformen werden, wenn die abgeordneten Lehrkräfte zurück an die Gymnasien müssen", sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth.

GEW: Versorgung muss bei 105 Prozent liegen

Pooth zufolge ist in der Praxis - angesichts von Krankheitsfällen und Fortbildungen - erst eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent ausreichend. Während die Gymnasien laut Ministerium zurzeit auf 102,2 Prozent kommen, erreichen die Hauptschulen den Angaben zufolge lediglich 94,3 Prozent. Der Wert gibt an, zu welchem Prozentsatz der vorgesehene Unterricht und zusätzliche Lehrerstunden für Inklusion, Ganztagsschule und Sprachförderung abgedeckt werden können. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen der Erkrankung von Lehrern ist in diesem Wert nicht eingerechnet.

Liberaler Försterling: 1.250 weitere Stellen nötig

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne angesichts der neuen Zahlen Realitätsverweigerung vor. Es fehlten rund 200 Lehrer, um das Minimum an Schule leisten zu können, das Schülern zustehe. Mit der Rückkehr zur 13. Klasse seien von Sommer an 1.250 weitere Stellen notwendig. "Dafür wurde bisher keinerlei Vorsorge getroffen", sagte Försterling. "Es droht ein Schulnotstand."

Philologe Audritz beklagt "alarmierende" Berichte

"Die Berichte aus den Schulen sind nach wie vor alarmierend", sagte auch Horst Audritz, Chef des Philologenverbands Niedersachsen. An Gymnasien gebe es vor allem in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften Probleme. Außerdem gehe es bei den Abordnungen lediglich um Stundenkontingente und nicht um pädagogische Gründe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.01.2020 | 08:00 Uhr

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