Stand: 24.01.2020 16:16 Uhr

Klinik-Ärzte arbeiten zulasten ihrer Gesundheit

Mehr als die Hälfte der Klinik-Ärzte in Niedersachsen arbeitet pro Woche 50 Stunden oder mehr. Das ist ein Ergebnis des Marburger Bund Monitors 2019. Erstmals hat der Ärzteverband bei seiner Umfrage auch Zahlen für Niedersachsen erhoben. Mehr als 1.200 Ärzte aus Niedersachsen hatten an der Umfrage teilgenommen. Besonders erschreckend: Ärzte machen nicht nur überdurchschnittlich viele Überstunden - in jedem vierten Krankenhaus gibt es auch keinen Ausgleich. Die Betroffenen erhalten demnach weder Geld noch Freizeit für die geleistete Mehrarbeit. Das beklagt der niedersächsische Vorsitzende des Marburger Bundes, Martin Wollenberg.

VIDEO: Purer Stress: Arbeiten auf der Intensivstation (4 Min)

Marburger Bund: Arbeiten am Limit

Für fast drei Viertel der Klinik-Ärzte in Niedersachsen gehe die Arbeit zulasten der eigenen Gesundheit, bemängelt der Marburger Bund. Laut Wollenberg klagen die betroffenen Ärzte unter anderem über schlechten Schlaf. Arbeiten am Limit - so nennt es der Marburger Bund. Für den Landesvorsitzenden Wollenberg liegt das vor allem an der Unterbesetzung in den Krankenhäusern. Etwa 700 Ärzte fehlten in den Kliniken, so die Schätzungen. Außerdem sei der Aufwand für Organisation und Büroarbeit immens, so Wollenberg: Die Hälfte der befragten Ärzte in Niedersachsen gab an, neben der Behandlung von Patienten täglich noch mehr als drei Stunden mit Dokumentation und Verwaltung zuzubringen. Bundesweit ist nur rund ein Viertel der Ärzte so lange damit beschäftigt.

Patientenversorgung leidet unter Verwaltungsaufgaben

Mann in einem weißen Kittel notiert etwas auf einem Blatt Papier © Fotolia Foto: Rido
Drei Stunden Papierkram am Tag - die Zeit fehlt Ärzten am Ende für die Patientenversorgung.

Dennoch ist auch bundesweit die Bürokratie ein tägliches Ärgernis. Die Zeit, die Ärzte mit Datenerfassungen, Dokumentation oder OP-Vor-Anmeldungen verbringen, fehlt am Ende für die Behandlung von Patienten. Diese Verwaltungstätigkeiten könnten besser von Schreibkräften oder Stationssekretariaten erledigt werden, so der Marburger Bund. In den Kliniken, wo es diese Unterstützung verlässlich gebe, bleibe den Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben in der Patientenversorgung, resümiert der Ärzteverband. Auch eine bessere IT-Ausstattung der Kliniken würde das medizinische Personal entlasten und am Ende den Patienten zugute kommen.

 

Ärzte leiden unter der hohen Arbeitsbelastung

Fehlendes Personal, Zeitdruck, Überstunden - das alles zerrt auch an der Gesundheit der Ärzte. Bundesweit haben dem Marburger Bund Monitor 2019 zufolge rund drei Viertel das Gefühl, dass die Arbeitsbelastung ihre eigene Gesundheit beeinträchtigt. Sie klagen über Schlafstörungen, einen hohen Stresslevel und direkte negative Auswirkungen auf ihr Privat- und Familienleben. Durchschnittlich leisten Klinikärzte in Deutschland jede Woche 6,7 Überstunden. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt für 79 Prozent bei 49 Stunden oder mehr. 15 Prozent der Befragten gaben an, sich aufgrund starker psychischer Belastung während der Arbeit bereits in psychologische oder ärztliche Behandlung begeben zu haben. Dabei zeigt die Umfrage auch, dass Belastungsanzeigen wenig an der Situation ändern. Ohnehin hat nur jeder Fünfte von diesem Instrument überhaupt Gebrauch gemacht. In 78 Prozent der Fälle habe die Anzeige aber zu keiner Änderung geführt. Nur für 11 Prozent habe sich eine Besserung ergeben. Für weitere 11 Prozent habe sich die Lage gar verschlechtert.

 

 

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Ärzte stehen operieren einen Patienten. © dpa - Bildfunk Foto: Waltraud Grubitzsch

Marburger Bund Monitor 2019

Die Ergebnisse der Umfrage des Ärzteverbandes Marburger Bund. Der Marburger Bund Monitor 2019 kommt zu dem Schluss, das viele angestellte Ärzte in Krankenhäusern überlastet sind. extern

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.01.2020 | 19:30 Uhr

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