Lehrer zu Schule und Corona: Länder verantwortungslos

Stand: 18.11.2020 07:24 Uhr

Die Gewerkschaft GEW fordert härtere Regeln an Schulen und übt Kritik nach dem Bund-Länder-Gipfel zum Umgang mit dem Coronavirus.

So sei es "völlig unverständlich und sachlich nicht begründet, warum sich die Länder gegen Wechselunterricht wehren", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Marlis Tepe. Dieser sei für die Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I schließlich gut umzusetzen. Beim Wechselunterricht werden Klassen geteilt und abwechselnd in der Schule und auf Distanz unterrichtet. Die Kritik der GEW ist eine Reaktion auf den Gipfel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 16 Ministerpräsidenten vom Montag. Dabei hatten sich die Länderchefs gegen schärfere Regeln an Schulen ausgesprochen - auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

VIDEO: Schule und Corona: Viele Familien sind verunsichert (3 Min)

GEW: Länder verantwortungslos

Die GEW-Vorsitzende warf den Ländern vor, "verantwortungslos" zu sein. Sie verwies dabei auf Zahlen der Kultusministerkonferenz, wonach bundesweit inzwischen rund 200.000 Schüler in Quarantäne und mehr als 3.000 Lehrer mit dem Coronavirus infiziert seien. Vor diesem Hintergrund sollten "zielführende Vorschläge" nicht abgelehnt werden. Das gelte auch im Grundschulbereich. Der Bund hatte zuvor dabei zusätzliche Vorkehrungen in Schulen gefordert, darunter eine Halbierung von Klassen und die Einführung eines Systems des Wechselunterrichts. Die Länder lehnten dies ab.

Videos
Stephan Weil (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. © NDR
1 Min

Weil: "Wort 'Lockerungen' ist kein einziges Mal gefallen"

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich am Montag zu den Ergebnissen des Bund-Länder-Treffens geäußert. 1 Min

Weil überzeugt vom niedersächsischen System

Alle 16 Ministerpräsidenten sprachen sich zudem vehement gegen eine Schließung der Schulen aus. Weil sagte dazu, Niedersachsen hätte gute Erfahrungen mit dem derzeit geltenden System gemacht. An 80 Prozent der niedersächsischen Schulen habe in der vergangenen Woche Präsenzunterricht stattfinden können, nur eine ganz geringe Anzahl von Schulen sei geschlossen worden. Unabhängig davon werde Niedersachsen sich auch in den nächsten Wochen intensiv für die Sicherheit in den Kitas und Schulen einsetzen. Weitere Maßnahmen dazu werde Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag ab 13 Uhr vorstellen. NDR.de überträgt im Livestream.

Kommunen gegen Schulschließung

Rückendeckung für die Position der Landesregierung kommt von den Kommunen: "Ein weitergehender Lockdown für die Schulen oder die Wirtschaft muss unbedingt vermieden werden", sagte ein Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Stattdessen solle der Schwerpunkt auf die Vermeidung privater Kontakte gelegt werden. Polizei und Ordnungsdienste sollten dabei das Einhalten der Regeln stärker kontrollieren. Nichtsdestotrotz seien die meisten Menschen einsichtig, so der Sprecher. Auch Ministerpräsident Weil äußerste sich nach dem Gipfel mit der Kanzlerin lobend zu den Fortschritten im Hinblick auf die Infektionszahlen. Er appellierte aber auch: "Wir reden weiterhin über Anstiege, wir müssen zu Stillstand und Rückgang kommen", so Weil.

Videos
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht vor der Staatskanzlei und legt einen Mundschutz an. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte/dpa
24 Min

"Wir reden weiterhin über Anstiege"

Ministerpräsident Weils Stellungnahme nach der Videokonferenz mit der Bundeskanzlerin gibt es hier in voller Länge. 24 Min

Weil: Keiner spricht über Lockerungen

Das Wort "Lockerungen" sei während der Konferenz kein einziges Mal gefallen und es gebe unverändert Anlass zur Sorge, betonte der Ministerpräsident. Stichtag sei der 25. November - dann wollen sich die Länderchefs und die Bundeskanzlerin erneut zusammensetzen. "Dann ziehen wir die Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen im November und stellen einen Fahrplan bis in den Januar hinein auf", sagte Weil - Weihnachten und der Jahreswechsel rücken dann in den Fokus. Wie die neuen Regelungen aussehen könnten, sei in hohem Maße von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig.

Weitere Informationen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) © dpa-Bildfunk Foto: Odd Andersen/AFP/POOL/dpa

Corona-Gipfel: Kontakte reduzieren - Appelle statt Verbote

Ohne neue Corona-Regeln endete das Bund-Länder-Treffen am Montag. Nächste Woche soll es ein langfristiges Konzept geben. mehr

Weitere Einschränkungen bei privaten Kontakten

Zur Eindämmung der Pandemie haben Bund und Länder die Bürger am Montag erneut aufgerufen, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren. Sie sollten gänzlich auf private Feiern verzichten, private Zusammenkünfte mit Freunden und Bekannten sollten auf einen festen weiteren Hausstand beschränkt werden. Das schließe auch Kinder und Jugendliche in den Familien mit ein. Auf diesen Appell verständigten sich die Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten.

Kostenlose Masken für Senioren und Risikogruppen

Außerdem sollen besonders gefährdete Menschen mit vergünstigten FFP2-Masken vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus bewahrt werden. Über 65-Jährige und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollen insgesamt 15 dieser Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung erhalten können, heißt es in einem Beschluss vom Montag. Die Kosten übernimmt demnach der Bund.

Weitere Informationen
Eine Frau und ein Mann sitzen mit Mundschutz in einem Park auf einer Bank. Zwischen ihnen ist ein großer Abstand. © Colourbox Foto: Kzenon

Corona-Gipfel: Gut, wenn die Politik noch Pfeile im Köcher hat

Beim Treffen zur Corona-Lage haben sich Bund und Länder nur auf Appelle geeinigt. Reicht das? Ein Kommentar von Lothar Lenz. mehr

Stühle liegen umgedreht auf den Tischen eines geschlossenen Lokals. © dpa - Bildfunk Foto: Frank Rumpenhorst

Diese Corona-Regeln gelten jetzt in Niedersachsen

Kaum Kontakte, keine Reisen, keine Bars: Die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus soll gestoppt werden. mehr

Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt auf einem weihnachtlich gedeckten Tisch. © picture alliance Foto: Richard Brocken

Corona in Niedersachsen: Alle müssen Kontakte reduzieren

Das gilt für die gesamte Adventszeit. Weihnachten sollen Familien aber dann im größeren Kreis feiern dürfen. mehr

Ein Teststäbchen wird gezeigt. © picture alliance Foto: Johan Nilsson TT

Corona in Niedersachsen: 28 Todesfälle in 24 Stunden

Zudem wurden 1.438 Neuinfektionen registriert. Die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt im Land bei 94,9. mehr

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig steht an einem Pult mit Mikrofonen, rechts neben ihr die Flagge des Landes. © NDR Foto: NDR

Corona-Ticker: MV-Gipfel berät über Regeln für die Wirtschaft

Vertreter der Landesregierung sprechen am Vormittag mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozialverbänden. Mehr News im Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.11.2020 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Das Bild zeigt eine Raststätte aus der Vogelperspektive. © NDR

Rasthöfe in Niedersachsen: Lkw-Fahrer müssen draußen bleiben

Die Corona-Verordnung verbietet es Brummifahrern, sich in Autohöfen hinzusetzen. Die Trucker sind aufgebracht. mehr

Soldaten stehen auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. © NDR Foto: Andreas Rabe

Rechte Chatgruppe: Bundeswehr ermittelt gegen 26 Soldaten

Viele gehören einem Versorgungsbataillon in Neustadt am Rübenberge an. Drei Soldaten wurden bereits suspendiert. mehr

Torschütze John Anthony Brooks (VfL Wolfsburg), Ridle Baku (VfL Wolfsburg) klatschen sich ab. © imago images / MIS

Torfestival in Wolfsburg: "Wölfe" bezwingen Werder

Die "Wölfe" beendeten damit nicht nur die 1:1-Serie der Bremer, sondern fügten ihnen auch die erste Pleite seit dem ersten Spieltag zu. mehr

Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt auf einem Tisch neben einem Teller. Im Hintergrund ist Weihnachtsdekoration zu sehen. © picture alliance/Richard Brocken/ANP/dpa Foto: Richard Brocken

Niedersachsen will Hotelübernachtungen für Festtage erlauben

Die Regelung soll für Menschen gelten, die über Weihnachten Verwandte oder enge Freunde im Land besuchen wollen. mehr