Stand: 05.11.2018 20:25 Uhr

Landkreise steuern bei Frauenhäusern nach

von Marie-Caroline Chlebosch
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Viele Landkreise wollen künftig in neue Frauenhäuser investieren.

Acht Frauen und sechzehn Kinder kann das neue Frauenhaus im Landkreis Helmstedt aufnehmen. Träger ist der Paritätische Wohlfahrtsverband. Und der Bedarf ist da. Bereits zur Eröffnung Ende Mai suchten die ersten von Gewalt betroffenen Frauen mit ihren Kindern Schutz in der Einrichtung. Die Nachfrage wächst stetig. Über die Sommermonate war das Haus mehrere Wochen lang nahezu voll ausgelastet. Derzeit ist die Hälfte der Plätze belegt. Der Weg zum Frauenhaus in Helmstedt war lang und immer wieder auch steinig, sagt Andrea Zerrath, die für den Fachbereich Frauen und Familien beim Paritätischen zuständig ist: "Wir haben sehr viel Geduld aufbringen müssen und haben uns nicht entmutigen lassen." Sie hätten den Bedarf immer vor Augen gehabt. "Dann können Sie nicht einfach sagen, jetzt ist der Antrag abgelehnt worden und dann hat sich die Sache erledigt, die Sache ist nicht erledigt. Es gibt auch hier Frauen, die von Gewalt betroffen sind", fügt sie hinzu.

Gespräche über Finanzierung laufen noch

Nachdem die Landesgelder bewilligt waren, suchte Andrea Zerrath ein Haus und Personal. Als das gefunden war, wurde umgebaut und eingerichtet. Kosten, für die der Paritätische Wohlfahrtsverband in Vorleistung getreten ist. Die Gespräche über die Hauptfinanzierung durch den Landkreis Helmstedt laufen noch. Das Frauenhaus erhofft sich vier Personalstellen, finanzielle Unterstützung für Sicherheitsmaßnahmen wie Kameras oder einen blickdichten Zaun, der noch nicht vorhanden ist. Der Landkreis Helmstedt teilt auf Anfrage dazu mit, die Verhandlungen über eine Tagessatzfinanzierung befänden sich auf der Zielgeraden. "Dabei werden die gesetzlichen Aspekte einer ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Bemessung der Vergütung berücksichtigt", heißt es schriftlich. Wie viel Geld genau zur Verfügung steht und ob es für die benötigten Personalstellen, die Sicherheitsmaßnahmen und die Deckung der Trägerkosten ausreichend ist, lässt der Landkreis Helmstedt allerdings offen.

Weitere Frauenhäuser sollen eröffnen

Seit September nimmt auch das Frauenhaus in Osterode am Harz nimmt wieder Betroffene auf. Vier Plätze für Frauen und ihre Kinder gibt es hier. Aufgrund der Kreisfusion mit dem Landkreis Göttingen musste die Schutzeinrichtung anderthalb Jahre auf Aufnahmen verzichten. "Wir haben jetzt schon wieder diverse Anfragen", sagt Susanne Dreymann, die Leiterin des Frauenhauses in Osterode. Dass das Haus wieder offen sei, sei sehr gut, sagt sie, aber mit der Finanzierung sei es schwieriger geworden als noch vor der Kreisfusion. Aktuell gibt es damit 42 Frauenhäuser im Land. Diese Zahl wird 2019 noch steigen.

Gleichstellungsbeauftragte: Längst überfälliger Schritt

Auch im Landkreis Holzminden wird ein neues Frauenhaus eröffnet mit Platz für acht Frauen und deren Kinder. Das hat der Kreistag kürzlich beschlossen. "Wir waren bis jetzt ein weißer Fleck auf der Landkarte und wir brauchen dieses Frauenhaus", sagt Landrätin Angela Schürzeberg und fügt hinzu: "Wir haben immer wieder Frauen aus unserem Landkreis auf andere Orte verweisen müssen. Wir haben vermittelt Richtung Hameln oder auch in Frauenhäuser nach Nordrhein-Westfalen, aber das ist natürlich langfristig kein Zustand." Insofern sei der Kreistagsbeschluss sehr freudig aufgenommen worden. Für die Gleichstellungsbeauftragte, Sigrun Brünig, ein längst überfälliger Schritt. Den Großteil der Finanzierung übernimmt auch hier der Landkreis, unterstützt durch Landesgelder, die jedes Jahr neu beantragt werden müssen. Man sei dankbar für die Unterstützung und sehe dennoch ein Problem: "Wenn das Land sagt, wir stellen die Mittel für 2019 zur Verfügung und für 2020 muss neu beantragt werden, das gibt keine Planungssicherheit", so Brünig. Ein Frauenhaus solle schließlich eine dauerhafte Einrichtung sein und sei nicht auf ein Jahr ausgelegt.

Sozialministerin bewertet Finanzierung als ausreichend

Sozialministerin Carola Reimann will von dieser Förderpraxis aber nicht abweichen. Man habe die Förderung in den vergangenen Jahren ja bereits um 4,5 Millionen Euro erhöht: "Wir unterstützen gerne, aber es ist zunächst in der Verantwortung der Kommunen dafür zu sorgen, dass sie ausreichend Plätze für Betroffene haben. Und wir wünschen uns, dass die Kommunen dieser Verantwortung noch stärker gerecht werden", sagte Reimann im NDR Interview. Auch anderen Kommunen erhoffen sich noch mehr Geld vom Land und eine einfachere Förderpraxis. Die Landkreise Wesermarsch und Ammerland erarbeiten derzeit ein Konzept für eine gemeinschaftlich finanzierte Schutzeinrichtung. Eine Entscheidung fällt wohl im Frühjahr 2019.

 

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 05.11.2018 | 14:00 Uhr

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