Stand: 23.06.2019 13:34 Uhr

Land stellt keine neuen Kinderporno-Ermittler ein

Wie viele Ermittler im Bereich Kinderpornografie arbeiten, teilte das niedersächsische Innenministerium nicht mit. (Symbolbild)

Anders als Nordrhein-Westfalen (NRW) will Niedersachsen nach dem massenhaften Missbrauch von Kindern in Lügde keine neuen Stellen für Sonderermittler im Kampf gegen Kinderpornografie schaffen. Nach Angaben des Innenministeriums werde stets neu geprüft, ob Verstärkungen in diesem Bereich nötig seien. Sei dies der Fall, würden sie auch temporär eingesetzt. Für die Strafverfolgungsbehörden sei die Analyse der Massen an Daten eine große Herausforderung, sagte ein Ministeriumssprecher. Um das manuelle Sichten und Auswerten der Daten zu minimieren, würden derzeit in Niedersachsen technische Methoden entwickelt. Allerdings könnten diese nur in begrenztem Umfang eingesetzt werden, so der Sprecher. Keine Angaben machte das Innenministerium dazu, wie viele Ermittler im Bereich der Sexualdelikte gegen Minderjährige arbeiten.

Keine psychologische Beratung vorgeschrieben

In NRW sollen infolge der Taten von Lügde künftig 20 Sonderermittler das Team der zentralen Auswertungsstelle im Landeskriminalamt verstärken. Dort müssen Polizisten sich zudem psychologisch betreuen lassen, wenn sie in diesem Bereich arbeiten. Das ist ihren Kollegen in Niedersachsen freigestellt. Die Sachbearbeiter könnten die psychologischen Angebote aber jederzeit nutzen, so der Ministeriumssprecher. Außerdem könnten sie ihren Arbeitsbereich innerhalb kürzester Zeit wechseln, wenn sie dies wollten.

Pilotversuch: Externe Firmen werten Material aus

Anfang des Jahres werteten in Niedersachsen erstmals externe Firmen Datenträger in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover im Bereich Kinderpornografie aus. Dabei handelt es sich um einen Pilotversuch, für den das niedersächsische Justizministerium zuständig ist. Laut polizeilicher Kriminalstatistik stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Niedersachsen von 2017 auf 2018 um knapp sechs Prozent auf 1.370 Fälle. 2018 gab es zudem 913 Verfahren wegen der Herstellung, des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie - und damit zwölf Fälle mehr als 2017.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.06.2019 | 06:00 Uhr

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