Stand: 28.03.2018 17:08 Uhr

Kritik an Plänen für Gülleaufbereitungsanlagen

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In Niedersachsen gibt es mehr Gülle als der Boden vertragen kann.

In Niedersachsen gibt es nach wie vor mehr Gülle, als der Boden vertragen kann. Das zeigt der aktuelle Nährstoffbericht. Grundsätzlich dienen die Ausscheidungen von landwirtschaftlichen Nutztieren wie etwa von Schweinen als natürlicher Dünger. Denn sie enthalten wichtige Nährstoffe für Pflanzen wie etwa Stickstoff. Doch zu viel davon schadet der Umwelt.

Vor allem in der Region Weser-Ems, wo viele Tiere gehalten werden, ist laut dem Bericht viel mehr Gülle angefallen als der Boden aufnehmen kann. Von dort mussten demnach rund drei Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger und Gärreste wegtransportiert werden.

Umweltschützer sehen "Gülleflut"

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace, Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und Naturschutzbund (NABU) sprechen von einer "Gülleflut". Sie sorgen sich um das Grundwasser und sehen das Trinkwasser gefährdet. Die drei Verbände fordern deshalb, die Zahl der Nutztiere in der Region deutlich zu verringern. Der Umfang sollte an die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche angepasst werden.

Agrarministerin will Gülleaufbereitungsanlagen

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Ministerin Otte-Kinast setzt sich für Anlagen zur Aufbereitung von Gülle ein.

Um die Nährstoffüberschüsse in Niedersachsen in den Griff zu bekommen, will Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) die Gülle in speziellen Anlagen aufbereiten lassen. Bereits im Koalitionsvertrag von CDU und SPD wurden sie als ein "Baustein" erwähnt, um das Nährstoffproblem in den Griff zu bekommen.

Das Prinzip: Der Gülle wird das Wasser entzogen, so dass am Ende Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor übrig bleiben. Auf diese Weise verliert die ursprüngliche Gülle an Volumen und Gewicht. Die Nährstoffe können so besser transportiert werden - zum Beispiel raus aus Niedersachsen in weiter entfernt liegende Ackerbauregionen.

Eine Aufbereitung von Wirtschaftsdünger führe zu einer höheren Nährstoffkonzentration und verbessere damit auch die Wirtschaftlichkeit der Transporte, erklärt Niedersachsens Landwirtschaftskammer. Auch sie sieht hier eine technische Möglichkeit, das Nährstoffproblem in Niedersachsen zu entschärfen.

Landvolk fordert zunächst Machbarkeitsstudien

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Das Landvolk äußert sich dagegen etwas zurückhaltender. Ehe solche Anlagen den Landwirten empfohlen werden könnten, seien konkrete Machbarkeitsstudien notwendig, so Niedersachsens Landesbauernverband. Sie müssten auch von klein- und mittelbäuerlichen Familienbetrieben umgesetzt werden können. Denn natürlich müssten Landwirte die Investitionskosten tragen, so das Landvolk. Profitieren würden zunächst die Anlagenbauer.

Das sogenannte Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) wünscht sich, dass verschiedene Gülleaufbereitungsanlagen möglichst bald getestet werden. Dreißig Betriebe hätten sich inzwischen dazu grundsätzlich bereit erklärt, sagt Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrarvereins. Durch die neue Düngeverordnung sei der Druck auf Landwirte gewachsen, eine Lösung für überschüssige Nährstoffe zu finden, so Bartels.

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Die Halter von Schweinen sehen in der Gülle-Aufbereitung eine Möglichkeit, Transportkosten zu senken.

Auch die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter (ISN) erklärt, dass Landwirte durch die Verschärfung des Düngerechts mehr Wirtschaftsdünger abgeben müssten als zuvor. Das habe die Kosten für den Gülletransport in Ackerbauregionen bereits steigen lassen, schreibt die ISN. Langfristig könnten solche Gülleaufbereitungsanlagen Kostensteigerungen begrenzen.

Großanlage im Landkreis Cloppenburg geplant

Deutlich konkreter sind die Pläne der Firma Kaskum in Friesoythe. Geschäftsführer Gert Stuke erklärte gegenüber dem NDR, man bereite derzeit den Bauantrag für eine Großanlage im Landkreis Cloppenburg vor. Die geplante Anlage sei für die Aufbereitung von rund einer Million Kubikmeter Schweinerohgülle ausgelegt, so Stuke.

Stuke kann sich auch vorstellen, Feststoffe, die aus der Gülle gewonnen würden, nicht nur an die Landwirtschaft zum Düngen abzugeben, sondern auch an die chemische Industrie. Details wie konkret geplante Produkte oder Abnehmer wollte er aber noch nicht nennen. Das Wasser, das der Gülle entzogen würde, hätte nach der Aufbereitung die Qualität von Wasser, das normale Kläranlagen verlasse.

Umweltschützer: Anlagen keine Lösung der Intensivtierhaltungsprobleme

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace, BUND und NABU halten Gülleaufbereitungsanlagen für keine sinnvolle Lösung. Solche großtechnischen Maßnahmen kosten ihrer Ansicht nach viel Geld und belasten die Umwelt. Denn sie benötigten riesige Mengen an Energie, vergrößerten das Verkehrsaufkommen und machten die Landwirte ein weiteres Mal von industriellen Strukturen abhängig, so die Kritik der Verbände.

Man wolle "auf Biegen und Brechen" die Intensivtierhaltung vor Ort erhalten, erklärt der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter, damit die Betreiber von Schlachthöfen, Futtermühlen und Stallbauer weiter ihre Geschäfte machen könnten. Dabei löse der Bau riesiger Güllekläranlagen ja nicht wirklich die Probleme der Intensivtierhaltung, so Hofstetter, er fürchte dadurch sogar den Bau neuer gewaltiger Viehställe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.03.2018 | 06:00 Uhr

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