Ein "Arbeitsplatz" der E-Sportler ist zu sehen, ein Bildschirm auf dem ein Fußballspiel pausiert ist. © NDR Foto: Matthias Dröge

Kriminologe Pfeiffer warnt vor "Einstiegsdroge" eSport

Stand: 16.10.2020 10:32 Uhr

Der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer hat die politische Anerkennung von eSport scharf kritisiert. Er bezeichnete das virtuelle Spielen als "Einstiegsdroge".

"Die bundesweit wachsende Leistungskrise der männlichen Jugendlichen und jungen Männer beruht in hohem Maß auf einem Anstieg der Intensität und täglichen Dauer ihres Computerspielens", sagte der langjährige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Das habe die Forschung seit mehr als zehn Jahren klar belegt. Über den eSport fänden die Jungen den Zugang zu anderen Spielen, so Pfeiffer, der eine fehlende Auseinandersetzung der Politik mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen bemängelt.

Landtag erkennt Bedeutung von eSport an

Am 6. Oktober hatte der Landtagsausschuss für Inneres und Sport beschlossen, virtuelle Sportarten und deren Bedeutung für den Breitensport anzuerkennen. "Das Thema eSport ist längst kein Nischenthema mehr. Wir sprechen hier über ein weltweites Phänomen, das Millionen von Menschen erreicht und begeistert", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). "Der digitale Breitensport ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen." Auch in den Landesparlamenten in Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Bayern und Rheinland-Pfalz wurde das Thema bereits diskutiert.

Verbandspräsident sieht Pfeiffer als "Digitalisierungsverweigerer"

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) geht davon aus, dass sich in Deutschland knapp vier Millionen Menschen für eSport begeistern. Die Verantwortlichen weisen die Kritik von Pfeiffer als nicht sachgerecht zurück. "Wenn jemand etwas über 20 Jahre ohne Evidenz behauptet, dann macht es das Argument nicht richtiger, sondern nur altbacken", sagte ESBD-Präsident Hans Jagnow. Der eSport trainiere schnelle Reaktionen, die soziale Gemeinschaft und den sportlichen Wettkampf. "Wer das als Vor-dem-Bildschirm-sitzen abtut, steckt mit dem Kopf als Digitalisierungsverweigerer noch im letzten Jahrhundert fest."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 16.10.2020 | 17:00 Uhr

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