Stand: 02.02.2017 12:29 Uhr

Immer mehr junge Menschen werden obdachlos

Ein Obdachloser sitzt mit einem Schild 'Habe nichts mehr, außer mich' auf der Straße und bettelt. © Picture-Alliance/dpa Foto: Arno Burgi
Unter den Obdachlosen wird die Zahl der jungen Menschen immer größer. (Themenbild)

Sie sind noch jung und haben ihre bürgerliche Existenz schon aufgegeben: Immer mehr junge Erwachsene leben in Niedersachsen auf der Straße. Das legen Zahlen der Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen nahe, die sich im Auftrag des Sozialministeriums um Angebote für Wohnungslose kümmert. Die Beratungsstelle hatte sich für die Erhebung einen Tag ausgesucht, an dem sie festhielt, wie viele Wohnungslose im Westen Niedersachsens Kaffeestuben, Tageswohnungen und Beratungsstellen aufsuchten. Fast jeder dritte Hilfesuchende war demnach unter 27 Jahren alt. Insgesamt wurden rund 330 junge Menschen gezählt - fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Zahlen aus den östlichen Landesteilen hat die Beratungsstelle derzeit nicht.

Kritik an harten Sanktionen des Jobcenters

"Wir haben mit einem Anstieg gerechnet, sind aber erschrocken, dass er so deutlich ausfällt", sagte Christian Jäger von der Zentralen Beratungsstelle. In den vergangen Jahren sei die Zahl der jungen Obdachlosen immer wieder gestiegen. Das liege unter anderem an der harten Sanktionspraxis der Jobcenter. Es sei keine Seltenheit, dass Leistungen für den Lebensunterhalt und die Miete komplett gestrichen würden, so Jäger. Dann stünden die jungen Menschen auf der Straße. Ein weiteres Problem sei, dass kleine bezahlbare Wohnungen für junge Menschen nur schwer zu bekommen sein, sagte Jäger. Die wenigen Angebote würden eher an Familien oder Studenten vergeben, als an einen jungen Menschen, der sich in Begleitung eines Sozialarbeiters vorstelle.

Erste Wohngruppen für junge Obdachlose entstehen

Viele junge Obdachlose hätten sich zudem von ihren Familien abgewandt. Zunächst könnten ihnen Freunde und Bekannte mit Schlafmöglichkeiten aushelfen, danach führt laut Jäger der Weg häufig auf die Straße. Er bemängelt, dass präventive Maßnahmen fehlten. Er fordert unter anderem, die Jugendhilfe und Wohnungslosenhilfe besser zu vernetzen. Papenburg geht hier mit einem guten Beispiel voran: Dort gibt es die erste Wohngruppe für sechs Jugendliche, die schon auf der Straße lebten. Auch in Cloppenburg entsteht gerade eine solche Wohngruppe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2017 | 12:00 Uhr

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