Homeoffice und mobiles Arbeiten: Es bleibt bei Appellen

Stand: 12.01.2021 20:01 Uhr

Ein seltener Schulterschluss: Die Niedersächsische Landesregierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften werben für mehr Homeoffice zur Bekämpfung des Corona-Infektionsgeschehens. Doch es gibt Grenzen.

Seit vielen Wochen befindet sich das Land im Stillstand. Weil die Infektionszahlen dennoch nicht sinken, ziehen Bund und Länder die Stellschrauben an. Nur beim Thema Arbeitsplatz setzt die Politik bislang auf Appelle - und auf die Eigenverantwortung von Betrieben und Behörden. Nach einer virtuellen Besprechung mit der Landesregierung und Wirtschaftsvertretern am Dienstag bleibt es dabei: Es wird keine Verpflichtung geben. Dafür appellieren alle Seiten an die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, mobiles Arbeiten in den eigenen vier Wänden so gut es geht zu fördern. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte: "Das Arbeiten von zu Hause ist ein wirksamer Baustein, um das derzeitig hohe Infektionsgeschehen einzudämmen." Mobiles Arbeiten und Homeoffice sei allerdings nicht in allen Branchen gleichermaßen möglich und müsse den betrieblichen Herausforderungen gerecht werden.

Unternehmer finden Homeoffice-Pflicht abstrus

Volker Müller, Chef der Unternehmerverbände in Niedersachsen, sagt, Entscheidungen über mobiles Arbeiten müsse in Betrieben, nicht in Parlamenten getroffen werden. "Eine Pflicht per Gesetz einzuführen ist abstrus." Es gebe einfach viele Arbeitsbereiche, wie das Handwerk, das produzierende Gewerbe oder den Handel, da sei Homeoffice oft nicht zu realisieren. Unterstützung bekam Müller vom Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall, Volker Schmidt. "Wir setzen auf das Prinzip der Freiwilligkeit - es gibt kein juristisch verankertes Recht auf Homeoffice", sagte Schmidt.

Metall-Chef verweist auf hohe Kosten und Gesetze

In einem gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Landesregierung erarbeiteten Papier habe man einvernehmlich festgehalten, dass in der aktuellen Entwicklung der Pandemie alle weiteren Optionen untersucht werden müssten, so Schmidt. Die Umstellung auf Homeoffice sei in großem Rahmen vorangetrieben worden. "Aber das ist auch mit erheblichen Kosten verbunden." So sehe die Arbeitsstättenverordnung vor, dass der Heimarbeitsplatz in Sachen Ausstattung und Ergonomie identisch mit dem Büroarbeitsplatz sei. Zudem müssten Daten- und IT-Sicherheit gewährleistet werden. "Wir können hier nicht alle über einen Kamm scheren", so Schmidt.

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Gewerkschaften warnen vor weniger Arbeitsschutz

Die Gewerkschaften haben sich dem Appell angeschlossen, warnen aber davor, dass sich das Konzept verselbständigt. "Um einen Beitrag zur Reduzierung der Infektionszahlen zu leisten, müssen Arbeitgeber dort, wo es machbar ist, ihren Beschäftigten mobiles Arbeiten ermöglichen", sagte der niedersächsische DBG-Bezirksvorsitzende Mehrdad Payandeh. Er betonte dennoch die große Belastung bei gleichzeitigem Homeschooling und Kinderbetreuung und mahnte wie die Gewerkschaft ver.di die Einhaltung bestehender Regeln an. "Mobiles Arbeiten darf kein Hebel sein, um möglicherweise weniger Arbeitsschutz durch die Hintertür einzuführen", sagte ver.di-Landeschef Dirk Ahting.

Bei Behörden hakt es an technischer Ausstattung

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, liege die Heimarbeitsplatz-Quote bei VW, bei Nichtberücksichtigung der Produktion bei 80 Prozent - ähnlich wie bei Autoteilezulieferer Continental in Hannover. In Behörden und Verwaltungseinrichtungen hake es beim Thema mobilem Arbeiten und Homeoffice. Beim Niedersächsischen Beamten Bund heißt es demnach, dass es beispielsweise in Finanzämtern zu Problemen komme, weil immer noch Hardware fehle. Laut einer vom Deutschen Beamtenbund durchgeführten Befragung, könnten auf Bundesebene 67 Prozent der Beschäftigten dauerhaft in die Heimarbeit wechseln, auf Landesebene 55 Prozent und auf kommunaler Ebene 37 Prozent. Das "Grundübel" sei eine schlechte technische Ausstattung, sagte ein Sprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.01.2021 | 16:00 Uhr

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