VIDEO: Wie Corona-Impfgegner den Holocaust relativieren (6 Min)

Havliza sieht in "Ungeimpft"-Stern Volksverhetzung

Stand: 27.01.2022 13:31 Uhr

Niedersachsen erinnert heute an die Befreiung der Konzentrationslager vor 77 Jahren und die Opfer des Holocaust. Gleichzeitig tragen Demonstranten gegen Corona-Maßnahmen Davidsterne mit dem Wort "ungeimpft".

Anlässlich des Holocaust-Gedenktags warnte Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) erneut davor, die Verbrechen der NS-Diktatur durch Vergleiche zur aktuellen Corona-Politik "auf perfide Art und Weise" zu marginalisieren. Das gelte auch für das Präsentieren der entfremdeten KZ-Torbogen-Inschrift "Impfen macht frei!". "Mit den drei Generalstaatsanwälten in Niedersachsen bin ich mir einig, dass diese Verhaltensweisen als Volksverhetzung verfolgt werden können", sagte Havliza. Die bei der Staatsanwaltschaft Göttingen eingerichtete Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet habe mehrere Verfahren eingeleitet.

Weil: Corona-Leugner verhöhnen NS-Opfer

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) äußerte sich am Mittwoch ähnlich. "Wir gedenken der Millionen Opfer der Shoah - und ehren sie. Wir setzen damit auch ein eindeutiges Zeichen gegen die unerträgliche Verhöhnung der Opfer durch Corona-Leugner, die mit 'Judensternen' auf die Straße gehen und antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten", sagte der Landeschef in Vorbereitung auf den Gedenktag. Weil sagte weiter: "Unser Land steht für Toleranz und Zusammenhalt - Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit haben in Niedersachsen keinen Platz."

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Gryglewski: Gedenken gerade jetzt wichtig

Auch die Geschäftsführerin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Elke Gryglewski, betonte die Bedeutung des Gedenkens an den Holocaust gerade während der Corona-Pandemie. Immer wieder würden nationalsozialistische Verbrechen bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen verharmlost. Antisemitismus trete dort ebenfalls zutage, so Gryglewski. Dem müsse die Gesellschaft entschieden entgegentreten.

Rote Armee befreit Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des größten deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (Polnisch: Oswiecim) im von den Nationalsozialisten besetzten Polen befreit. Die NS-Verbrecher und ihre Komplizen hatten dort mehr als eine Million Menschen ermordet. Das Datum wird in Deutschland als Holocaust-Gedenktag begangen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.01.2022 | 12:00 Uhr

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