Stand: 02.05.2019 13:54 Uhr

"Gorch Fock"-Werft lässt Vermögen von Ex-Chefs pfänden

von Felix Meschede, Lena Petersen, Christoph Prössl und Nino Seidel
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Auf der Elsflether Werft wird die "Gorch Fock" saniert. Die Insolvenz der Werft ist eines der Probleme dabei.

Wie geht es weiter mit der "Gorch Fock"? Das hängt maßgeblich an der Elsflether Werft, die den Auftrag hat, das Segelschulschiff der Marine zu sanieren. Denn das Unternehmen musste Insolvenz anmelden, zahlreiche Unterauftragnehmer warten auf ihr Geld. Das neue Management hat nun mit zwei Beschlüssen erwirkt, das Vermögen der ehemaligen Geschäftsführer zu pfänden. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem NDR und dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegen. Dabei geht es um Beträge in insgesamt zweistelliger Millionenhöhe.

Ex-Werftchef mit Pfändungsbrief in dem über 12 Millionen Euro zurückgefordert werden.

"Gorch Fock": Vermögen der Ex-Chefs gepfändet

Hallo Niedersachsen -

Rund 16 Millionen Euro fordert die "Gorch Fock"-Werft in Elsfleth von den Ex-Vorständen zurück. Gerichtlich hat die Werft erwirkt, die Vermögen zu pfänden.

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Vermögen früherer Geschäftsführer eingefroren

Es geht um Konten, Motorboote, Rentenansprüche und eine Immobilie an der Hamburger Elbchaussee: Der Beschluss des Landgerichtes Hamburg sieht Pfändungen von bis zu knapp 3,9 Millionen Euro vor, die Marcus Reinberg zahlen soll, der im Januar als Vorstand der Elsflether Werft abgelöst wurde. Die Elsflether Werft Verwaltung GmbH konnte das Landgericht Hamburg überzeugen, dass ihr Ansprüche in dieser Höhe zustehen. Gegen den zweiten ehemaligen Vorstand Klaus Wiechmann wurde am Landgericht Oldenburg ein Beschluss zur Pfändung von 12,3 Millionen Euro erwirkt. In dem Papier zu seinem Fall heißt es: Die Erfüllung des Untreue-Tatbestandes durch den Antragsgegner unter summarischer Prüfung liege hinreichend nahe.

Gegen beide Männer ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue. Das Vermögen ist eingefroren, bis ein Gericht über den Fall entscheidet. Je nach Urteil könnte es in die Insolvenzmasse der Werft fließen.

Persönliche Bereicherung?

Auf Nachfrage des NDR zu den Pfändungsbeschlüssen reagierten Reinberg und Wiechmann nicht. Reinberg hatte zu einem früheren Zeitpunkt dem NDR gegenüber seine Unschuld beteuert: "Es gibt da in keiner Weise irgendwelche persönliche Bereicherung. Wenn das so wäre, dann wäre ja das einzig sinnvolle gewesen, diese Gelder an irgendeinem Punkt mal zu mir fließen zu lassen oder zu Herrn Wiechmann. Das ist ja nie passiert und das ist aus gutem Grund nicht passiert, weil es nicht gewollt war." Der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann, geht davon aus, dass sich die Männer persönlich bereichert haben, indem sie Gelder in Form von Darlehen aus der Werft in Firmen gelenkt haben, die ihnen zum Teil selbst gehörten. "Das Geld fehlt bei der Werft, um dort notwendige Zahlungsverpflichtungen zu bedienen", sagte Brinkmann dem NDR. "Und das ist aus keiner Sichtweise von Vorteil für die Werft. Die Werft ist keine Bank."

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Zukunft der "Gorch Fock" ungewiss

Die Elsflether Werft AG teilte am Donnerstag mit, das Amtsgericht Nordenham habe das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. Das Unternehmen dürfe sich in der Insolvenz selbst verwalten. Der Betrieb werde mit allen 130 Mitarbeitern fortgeführt.

Nach Aussage des neuen Werft-Geschäftsführers Axel Birk belaufen sich die Außenstände auf rund 26 Millionen Euro. Dem NDR sagte er: "Wenn es uns noch gelingt, Gelder zurückzuholen, können wir vielleicht ausgleichen, aber das wissen wir heute nicht. An beiden Fronten müssen wir arbeiten: Geld zurückholen und einen wirtschaftlichen Auftrag abliefern, der am Ende Geld für die Gläubiger erwirtschaftet." An dem Plan hängt auch die Zukunft der "Gorch Fock". Die Pfändung ermöglicht der Werft, mittelfristig die Finanzlage des Unternehmens möglicherweise zu verbessern. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte angekündigt, die "Gorch Fock" außer Dienst zu stellen, falls die Instandsetzung teurer werden sollte als die bisher eingeplanten 135 Millionen Euro. Die Werft müsse bis zum Sommer mitteilen, ob sie das Schiff zu diesem Preis wieder hochseetauglich machen könne, sagte sie auf einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.

Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts

Ende 2015 war die "Gorch Fock" in Bremerhaven ins Trockendock gelegt worden. Der erste Werftauftrag hatte ein Volumen von lediglich 9,6 Millionen Euro. In den folgenden Monaten verteuerten sich die Arbeiten. Im Dezember 2018 zeigte sich ein Preisprüfer des Marinearsenals selbst an. Er soll zwei Darlehen von der Elsflether Werft zu einem niedrigen Zinssatz erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und weitere Personen wegen des Verdachts der Korruption. Der Bundesrechnungshof hatte das Verteidigungsministerium kritisiert, weil die Bundeswehr vor den Arbeiten keine umfangreiche Untersuchung an der "Gorch Fock" durchführte. Die Prüfer kritisieren, dass so die Wirtschaftlichkeit der Arbeiten nie festgestellt werden konnte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 02.05.2019 | 12:08 Uhr

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