Stand: 12.06.2019 17:06 Uhr

Forscher: Keine Panik vor Riesenzecke Hyalomma

Nach dem erstmaligen Fund einer Hyalomma-Zecke in Niedersachsen Suhlendorf (Landkreis Uelzen) haben Tierärzte aus der Region und Forscher der Universität Hohenheim (Baden-Württemberg) deutlich gemacht, dass Sorgen derzeit unangebracht seien. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Alle in Deutschland bisher gefundenen Zecken hätten keine gefährlichen Krankheiten - wie beispielsweise das Krim-Kongo-Fieber - in sich getragen, so Forscher der süddeutschen Uni. Wer von so einer großen Zecke gestochen wird, müsse nicht in Panik geraten, sagen die Wissenschaftler. Man solle die Zecke, genau wie heimische Zeckenarten, wieder aus der Haut ziehen. Wird die Hautstelle in den Tagen danach rot, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Zecke stammt aus Asien, Afrika und Südeuropa

In Suhlendorf hatte ein Tierarzt die Hyalomma-Zecke auf einem Pferd entdeckt. Daneben waren bereits fünf Hyalomma-Zecken am Niederrhein entdeckt worden. Ursprünglich stammt die Hyalomma-Zecke aus tropischen Gebieten in Afrika, Asien und Südeuropa. Von dort aus ist sie in den vergangenen Jahren im Gepäck von Zugvögeln nach Mitteleuropa gereist. Dass in Suhlendorf gefundene Exemplar hat offenbar erstmals in Niedersachsen überwintert: Die Universität Hohenheim sowie das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr hatten am Dienstag mitgeteilt, dass eine Hyalomma-Zecke in Niedersachsen identifiziert wurde - viel früher als in den vergangenen Jahren.

Forscher: Hyalomma-Zecke könnte überwintert haben

"Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintert haben", sagte die Hohenheimer Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Mackenstedt. Die diesjährigen Funde seien sehr früh gemeldet worden. "Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten sie zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren."

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Krim-Kongo-Fieber kann potenziell tödlich sein

Die Hyalomma-Zecke ist nicht nur groß und gut mit dem bloßen Auge zu erkennen, sie ist auch gefährlich. Sie kann auch den Erreger übertragen, der das das Krim-Kongo-Fieber verursacht. Dies kann mit schweren Blutungen einhergehen und sogar tödlich enden, wie das Niedersächsische Landesgesundheitsamt auf seiner Homepage mitteilt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Berlin) sind Hyalomma-Zecken seit 2017 in Deutschland nachgewiesen. 2018 wurden 19 Exemplare in acht Bundesländern identifiziert. In Norddeutschland war Schleswig-Holstein betroffen.

Heimischer Holzbock überträgt Borreliose und FSME

Weiter dominant bleibt in jedem Fall der sogenannte Holzbock als heimische Zeckenart, wie Mackenstedt sagte. Die von ihm übertragenen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. Während die normalen Zecken nicht einfach zu sichten sind, sobald sie sich am menschlichen Körper festkrallen, spürt der Mensch den Angriff der Hyalomma-Zecke, sagt Expertin Mackenstedt: "Sie ist ja deutlich größer. Das merken sie, wenn die auf Ihnen herumläuft."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.06.2019 | 17:00 Uhr

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