Firmen und Kommunen zu wenig gegen Cyberangriffe gerüstet?

Stand: 19.07.2021 11:46 Uhr

Firmen, Behörden und Einrichtungen vernachlässigen oft den Schutz vor Cyber-Angriffen, sagt ein Experte der HDI-Versicherung in Hannover. Er fordert mehr Investitionen in mehr IT-Sicherheit

Erst vergangene Woche hatte es einen Hacker-Angriff auf das Klinikum Wolfenbüttel gegeben. Die Drahtzieher legten Teile des IT-Systems lahm und fordern nun Geld. Johannes Steffl, bei HDI Global in Hannover Leiter der Einheit für Risikobewertungen, mahnt, mehr für den Schutz gegen solche Angriffe zu tun. "Zurzeit sehen wir immer gezieltere Angriffe", sagt Steffl mit Blick auch auf die jüngsten Cyber-Angriffe durch die Gruppe REvil, von denen zahlreiche Unternehmen weltweit getroffen wurden, vor allem im Einzelhandel. Solche Aktionen seien "oft hochprofessionell". Auch wenn es Erpressungen mit sogenannter Ransomware schon länger gebe, seien viele Unternehmen mit dem digitalen Schutz noch immer überfordert, so die Erkenntnis des Experten.

Experte: Schon eine einzige Schwachstelle reicht für Angriff

In Wirtschaft und Verwaltung gebe es weiterhin viel Aufholbedarf, was Investitionen in Cybersicherheit betreffe: "Manch einer hat zum Beispiel noch nicht einmal ausreichende Backup-Konzepte." Dabei machten es Firmen, Kommunen wie auch Betreiber kritischer Infrastruktur den Kriminellen oftmals zu leicht. Teils würden Hacker schlicht vorhandene Schwachstellen in den Systemen selbst ausnutzten. "Der menschliche Faktor wie mangelnde Vorsicht spielt hierbei gar keine entscheidende Rolle." Es reiche schon aus, wenn es nur einen einzelnen verwundbaren Punkt im IT-System gebe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.07.2021 | 15:00 Uhr

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