Ein Mädchen schaut traurig aus dem Fenster eines Wohnkomplexes © photocase.de Foto: davidpereiras

Fast jedes vierte Kind in Niedersachsen lebt in Armut

Stand: 15.07.2021 20:59 Uhr

In Deutschland lebt jedes fünfte Kind in Armut. Das belegt eine aktuelle Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Die Lage für Kinder in Niedersachsen hat sich verschlechtert.

Gut 23 Prozent der unter 18-Jährigen in Niedersachsen sind von Armut betroffen. Das sind etwa 300.000 Kinder und drei Prozentpunkte mehr als 2010. Damit habe sich die Kinderarmut ähnlich wie die allgemeine Armut in Niedersachsen negativer entwickelt, heißt es in dem Bericht. Die ökonomisch und sozial verschlechterte Lage schlage sich auch bei den Kindern nieder. Die Lage der Kinder in Ostdeutschland hat sich hingegen verbessert - allerdings ausgehend von einem hohen Armuts-Niveau.

Studie: Sozialsystem ist unzureichend

Neben Niedersachsen ist auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bremen die Kinderarmut in den vergangenen Jahren gestiegen. Besonders hart seien kinderreiche Familien und Alleinerziehende von Armut betroffen, heißt es weiter. Die Studie kritisiert, dass das Sozialsystem offenbar nicht ausreiche, um Kinderarmut effektiv zu verhindern. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert eine bedarfsgerechte und einkommensunabhängige Kindergrundsicherung, sowie einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit.

Videos
Tyra
9 Min

15 Jahre Hartz IV: Wie erleben Kinder Armut?

Panorama 3 trifft Kinder, deren Lebensrealität von Hartz IV bestimmt ist. Was bedeutet es, als Kind "arm" zu sein? (20.10.2020) 9 Min

Landesarmutskonferenz fordert höhere Hartz-IV Regelsätze

Für den Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz Niedersachsen Klaus-Dieter Gleitze ist es ein gesellschaftspolitischer Skandal, dass fast jede zweite Ein-Eltern-Familie in Deutschland einkommensarm sei und jede dritte Hartz IV beziehe, wie er am Donnerstag in Hannover sagte. Er bezog sich auf eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Derzufolge stellen Frauen 88 Prozent der Alleinerziehenden. "Armut hat ein konkretes Gesicht: Frau und alleinerziehend", sagte Gleitze. Gegen Armut müsse es eine eigenständige Kindergrundsicherung geben, fordert auch die Landesarmutskonferenz. Zudem sei eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig. Die Hartz-IV-Regelsätze müssten um 20 Prozent steigen und prekäre Arbeitsverhältnisse drastisch reguliert werden.

Weitere Informationen
Ein kleines Mädchen spielt an einem Klettergerüst auf einem Kinderspielplatz. © Julian Stratenschulte/dpa Foto: Julian Stratenschulte

15 Jahre Hartz IV: Wie erleben Kinder Armut?

Panorama 3 trifft Kinder, deren Lebensrealität von Hartz IV bestimmt ist. Was bedeutet es, als Kind "arm" zu sein? (21.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.07.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Die Bühne und Publikum beim Wattenschlick-festival vom Meer aus fotografiert.  Foto: Ulf Duda

Tausende feiern beim "Watt En Schlick"-Festival in Dangast

Bis Sonntag gibt es Musik, Schlickschlittenrennen und Lesungen - mit täglichen Tests und wissenschaftlich begleitet. mehr