Stand: 29.01.2020 14:43 Uhr

Düngeverordnung könnte noch schärfer ausfallen

Ein Landwirt düngt sein Feld. © dpa Foto: Uwe Zucchi
Deutschland muss seine Düngeverordnung womöglich noch weiter verschärfen.

Auf zahlreichen Trecker-Demonstrationen und Protestaktionen fordern Landwirte in Niedersachsen und anderen Bundesländern seit Monaten, dass die Düngeverordnung weniger streng ausfällt als von der Politik geplant. Diese Hoffnung aber wird sich nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen wohl nicht erfüllen - eher im Gegenteil. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erwartet, dass die EU Deutschland dazu auffordern wird, die Düngeverordnung weiter zu verschärfen. Das geht aus einem vertraulichen Schreiben der Bundeslandwirtschaftsministerin an die Unions-Bundestagsfraktion hervor, das dem NDR vorliegt.

Beschluss der Düngeverordnung in einer Woche

In dem Schreiben heißt es: "Die Vorschläge Deutschlands zur Verschärfung der Düngeverordnung gehen der Kommission noch immer nicht weit genug." Brüssel wird also weiter fordern, dass in besonders belasteten Gebieten 20 Prozent weniger gedüngt wird. Spätestens im April muss der Bundesrat eine Düngeverordnung beschließen, die von der EU akzeptiert wird. Sonst droht Deutschland ein Zwangsgeld in Höhe von rund 850.000 Euro pro Tag. Schon am nächsten Mittwoch soll die Düngeverordnung nach Informationen des NDR vom Kabinett beschlossen werden.

Bauernverbände fürchten Höfesterben

Sollte die EU die Düngeverordnung verschärfen, müssten die Preise für Lebensmittel deutlich steigen, sagte ein Sprecher der Bauerninitiative "Land schafft Verbindung" aus Stadland (Landkreis Wesermarsch). Er befürchtet massives Höfesterben. Ähnlich sieht es auch der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Albert Schulte to Brinke. Wenn wirklich 20 Prozent weniger gedüngt werden dürfe als es dem tatsächlichen Bedarf entspreche, stünden Gemüse- und Getreidebauern in Niedersachsen vor dem Aus. Gemüse ließe sich dann gar nicht mehr vermarkten, Getreide nur noch bedingt, sagte er NDR 1 Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.01.2020 | 14:00 Uhr

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