Stand: 08.09.2020 06:38 Uhr

Die Autobranche und Corona: Der nächste Gipfel

von Katharina Seiler
Teile eines VW-Passats werden in einer Produktionsstraße im Volkswagen Werk Emden von Robotern zusammengefügt. © dpa/picture-alliance Foto: Jörg Sarbach
Wie kommt die Auto- und Zulieferindustrie durch die Corona-Krise? Das ist am Dienstagabend Thema im Kanzleramt in Berlin (Themenbild).

Die Corona-Pandemie belastet die Autoindustrie. Das verdeutlicht etwa das Beispiel der Absatzzahlen: Auch wenn wieder mehr Wagen gekauft werden, liegt die Zahl der neu zugelassenen Pkw in diesem Jahr bis jetzt immer noch ein Drittel unter der des Vorjahres. Die Krise trifft bei Weitem nicht nur die Hersteller: Selbst große Zulieferer wie Continental haben angekündigt, Tausende Stellen zu streichen. Heute blickt die Schlüsselbranche mit ihren mehr als 800.000 Beschäftigten wieder gen Berlin: Drei Monate nach dem "Autogipfel" im Juni schalten sich am Abend Vertreter der Autobranche, Gewerkschaften, Spitzen von Union und SPD sowie die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen per Video zu einem Spitzengespräch zusammen.

Weil setzt nicht mehr auf Kaufprämie

Eine Auto-Kaufprämie wird wohl auch dieses Mal nicht beschlossen. Das hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits abgelehnt. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat angekündigt, andere Vorschläge mitzubringen. Denn die Situation in der Automobilindustrie bereite ihm nach wie vor Sorgen, so Weil. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuvor eine CO2-Prämie ins Spiel gebracht. Damit möchte er diejenigen belohnen, die ein Auto mit schlechter CO2-Bilanz durch einen Neukauf ersetzen.

Strukturwandel setzt Branche zusätzlich unter Druck

Laut einem Regierungssprecher geht es bei dem Treffen auch grundsätzlich darum, wie die Branche nicht nur die Corona-Krise durchstehen kann, sondern auch den Strukturwandel hin zur E-Mobilität bewältigt. Eine Transformation, die die Automobilindustrie auch schon vor der Pandemie unter Druck gesetzt hat. Ziel sei es, die Industrie in Deutschland zu halten.

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SPD für Staatshilfen und Fonds für Zulieferer

Die SPD-Bundestagsfraktion stellt sich dafür einen "Zukunftspakt Automobil" vor. Dabei soll sich der Staat unter anderem an der Forschung oder auch an der Weiterbildung der Beschäftigten beteiligen. Außerdem soll ein teilstaatlicher Beteiligungsfonds Zulieferer, die jetzt in Schwierigkeiten gekommen sind, vor unerwünschten Übernahmen schützen. IG Metall und Grüne unterstützen diesen Vorschlag: IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nennt es einen Mittelstands- und Transformationsfonds, der sich an in Not geratenen Unternehmen beteiligten soll. Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock will den Mittelständlern und Zulieferern Zeit verschaffen. Die FDP dagegen lehnt staatliche Beteiligungen an Unternehmen ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.09.2020 | 08:00 Uhr

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