Stand: 17.07.2020 21:00 Uhr

Corona trübt Erwartungen der Wirtschaft massiv

Zwei Stühle und ein Tisch in einem Lokal. © picture alliance Foto: Christian Charisius
Die Gastronomie und der Tourismus leiden besonders stark unter der Corona-Krise. (Themenbild)

Die Wirtschaft in Niedersachsen erholt sich nur sehr langsam von den Folgen der Corona-Krise. Das geht aus einer Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern (IHKN) hervor, deren Ergebnisse am Freitag vorgestellt wurden. Demnach gewinnen die Unternehmen zwar wieder etwas an Zuversicht, doch die Erwartungen für den Rest des Jahres bleiben gering.

VIDEO: Fehlende Nachfrage bedroht kleine Geschäfte (2 Min)

Stimmungsindikator deutlich unter Vorjahreswert

Der Gesamtindikator der Industrie- und Handelskammern stieg im zweiten Quartal von 48 auf 76 Punkte - vor einem Jahr lag der Stimmungsindex allerdings noch bei 104. Laut der Umfrage gehen 43 Prozent der niedersächsischen Unternehmen von einer negativen Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten aus. Im Vorjahr hatten dies zum gleichen Zeitpunkt lediglich 22 Prozent gesagt.

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Zweites Quartal war "katastrophal"

"Nach der schrittweisen Aufhebung des Lockdowns schöpfen unsere Unternehmen zwar etwas Hoffnung auf Besserung", sagte IHKN-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. "Doch mit den aktuellen Kapazitätsauslastungen können die Betriebe nur in wenigen Fällen ihre Kosten tatsächlich decken." Die Nachfrage sei in vielen Branchen stark zurückgegangen. Die meisten Wirtschaftszweige nehmen den Kammern zufolge an, dass erst 2021 das alte Niveau erreicht werde. Im zweiten Quartal sei die Lage noch "katastrophal" gewesen.

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Geschäftssituation hat sich verschlechtert

Ungefähr jeder fünfte Betrieb erwartet 2020 Umsatzeinbußen von mehr als einem Viertel, nur 16 Prozent halten eine Rückkehr zum Normalzustand noch in diesem Jahr für möglich. Viele Befragte trauen sich bisher keine Aussage zu. Die jetzige Geschäftssituation bezeichnen 38 Prozent als schlecht (Vorjahr: 11 Prozent) und 19 Prozent als gut (Vorjahr: 31 Prozent). "Der Aufholprozess wird mühsam und langwierig", so Schrage.

Gastgewerbe und Tourismus als große Verlierer

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Branchen. Verhältnismäßig gut läuft es beispielsweise in der Bauwirtschaft, der Ernährungsindustrie und einigen Dienstleistungsbereichen. Zu den großen Verlierern zählen dagegen das Gastgewerbe und der Tourismus. Trotz des Endes der meisten Einschränkungen sind hier noch gravierende Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Über die Hälfte der befragten Touristiker (rund 52 Prozent) erwartet 2020 einen Umsatzrückgang um mehr als 50 Prozent. Bei den Gastronomen sind es 57, bei Beherbergungsbetrieben 51 Prozent. Knapp 77 Prozent aller Betriebe aus diesem Bereich gehen davon aus, dass es erst im Laufe des kommenden Jahres wieder eine normale Geschäftslage gibt - sofern größere Covid-19-Ausbrüche ausbleiben. Neun Prozent der Befragten glauben sogar, dass es nie mehr so sein wird wie vor Corona.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 17.07.2020 | 06:30 Uhr

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