Stand: 03.03.2020 21:43 Uhr

Corona-Lage in Praxen und Apotheken spitzt sich zu

Ein Stethoskop liegt auf dem Schreibtisch einer Arztpraxis. © NDR
Für die Hausarztpraxen bedeutet das Coronavirus eine erhebliche zusätzliche Belastung. (Themenbild)

Gehen Sie nicht zum Hausarzt, sondern melden Sie sich unbedingt telefonisch: Das ist der Hinweis, der sich im Zusammenhang mit möglichen Corona-Infektionen eigentlich längst herumgesprochen haben sollte. Denn ansonsten besteht die Gefahr, dass es in übervollen Wartezimmern zu vermeidbaren Ansteckungen kommt. Angekommen ist diese Botschaft aber noch nicht überall. Viele Arztpraxen auch in Niedersachsen haben durch das Virus und die Sorgen der Patienten derzeit deutlich mehr zu tun als sonst.

Telefonleitungen häufig überlastet

Das hängt auch damit zusammen, dass bei vielen Hausärzten derzeit telefonisch kaum ein Durchkommen ist. Selbst die bundesweite Rufnummer 116 117 des kassenärztlichen Notdienstes war in den vergangenen Tagen zeitweise überlastet. In Niedersachsen sollen deshalb jetzt regionale Zentren eingerichtet werden, in denen Verdachtsfälle getestet werden. Darauf haben sich das Gesundheitsministerium und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) verständigt.

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Testzentren sollen Praxen entlasten

"Das finde ich sehr weise und vorausschauend", sagte der stellvertretende Vorsitzende des niedersächsischen Hausärzteverbandes, Jens Wagenknecht, NDR 1 Niedersachsen. "Als Vorbereitung auf eine größere Ausbreitung hier in Niedersachsen sind diese Testzentren tatsächlich etwas, was den allgemeinen Gesundheitsversorgungsbetrieb in den Hausarztpraxen auch aufrecht hält." Schließlich gebe es ja auch noch viele Menschen mit Leiden anderer Art. "Deswegen müssen unsere Praxen weiter gut funktionieren", betonte Wagenknecht.

Schutzkleidung in Praxen reicht nicht aus

Ein erhebliches Problem in den Hausarztpraxen sind zudem fehlende Schutzausrüstungen. "Wir haben seit zwei Wochen über unsere Bezugsquellen versucht, Schutzmasken und Schutzanzüge zu bekommen, aber da haben wir überhaupt keine Chance gehabt", sagte Wagenknecht. "Es ist tatsächlich auf dem Markt für die normale Praxis nichts zu bekommen." Diese Einschätzung bestätigte auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. "Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen wird", sagte er. Man sei im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und allen Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können und Schutzbekleidung dort vorzuhalten, wo sie gebraucht werde. 

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Kaum noch Desinfektionsmittel in Apotheken

Auch in Apotheken ist die Angst vor einer Corona-Infektion deutlich zu spüren. "Es gibt zwar keine offiziellen Statistiken, aber bei mir sind Informationen angekommen, dass es flächendeckend keine Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu kaufen gibt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbandes, Berend Groeneveld, NDR 1 Niedersachsen. Für gesunde Menschen sei dies aber nicht so dramatisch, betonte er. Gründliches Händewaschen wirke meist sogar besser als Desinfektionsmittel. Problematisch seien die Engpässe dagegen zum Beispiel für Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen. Sie benötigten die Desinfektionsmittel dringend und könnten sie jetzt nicht mehr bekommen.

Apotheker würden Desinfektionsmittel gerne selbst herstellen

Momentan verbieten EU-Vorschriften den Apotheken, Desinfektionsmittel selbst anzumischen. Eine Apothekerin aus Hannover sagte dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen jedoch, sie erwarte, dass die Vorschriften noch in dieser Woche geändert werden: "Wir haben einen Ausnahmezustand. Von der Qualität her ist es für uns in den Apotheken kein Problem, so etwas herzustellen."

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