Stand: 26.06.2020 09:40 Uhr

Corona: Für Gütersloher gilt Beherbergungsverbot

Touristen gehen auf dem Deich vor dem Pilsumer Leuchtturm in der Gemeinde Krummhörn spazieren. © picture alliance/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich
Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf dürfen derzeit ohne negativen Corona-Test keinen Urlaub in in Niedersachsen machen.

Ein Beherbergungsverbot des Landes Niedersachsen ist am Freitag in Kraft getreten. Betroffen sind Personen, die ihren Erstwohnsitz oder ständigen Aufenthalt in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen haben. Laut der Änderungsverordnung der Landesregierung dürfen Hotels, Pensionen und Campingplätze Touristen aus den benannten Landkreisen nicht aufnehmen, wenn sie keinen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Dieser darf nicht älter als zwei Tage sein. Grund für die Entscheidung vom Mittwoch ist ein massiver lokaler Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Das Beherbergungsverbot gilt vorerst bis zum 5. Juli. Wer die Kosten für bereits gebuchte Unterkünfte tragen muss, ist nicht geregelt.

Reimann: "Dynamisches Infektionsgeschehen verhindern"

Niedersachsen ist mit dieser Maßnahme Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gefolgt. "Es ist wichtig, dass wir eine dynamische Entwicklung des Infektionsgeschehens wie im März verhindern, als das Virus unter anderem aus Skigebieten massiv nach Niedersachsen eingetragen wurde", begründete Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) den Schritt. "Wir wollen aber nicht, dass die Menschen aus diesen besonders betroffenen Kreisen stigmatisiert werden. Deshalb steht einem Urlaub in Niedersachsen bei einem vorliegenden ärztlichen Zeugnis auch nach dieser Verordnungsänderung nichts im Wege."

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Landrat lobt Entscheidung

Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) begrüßte das Beherbergungsverbot. Niedersachsens Küstenlandkreise hatten zuvor geplant, eigene Einreiseverbote zu erlassen, nachdem das Land am Dienstag noch ausgeschlossen hatte, Urlauber aus bestimmten Landkreisen abzuweisen. Jetzt seien entsprechende Allgemeinverfügungen der einzelnen Landkreise nicht mehr notwendig, sagte Ambrosy NDR 1 Niedersachsen.

Hotels im Harz stornieren Buchungen

Auch der Harz hat sich auf die neue Verordnungsänderung vorbereitet. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, haben einzelne Hotels bereits damit begonnen, ihre Gästelisten zu überprüfen. Eine Unterkunft in Braunlage beispielsweise hatte drei Buchungen aus dem Landkreis Gütersloh. Die Gäste seien angeschrieben worden und würden nun ihr Geld zurückbekommen, sagte der Hoteldirektor. Ähnlich wollen sich auch die Verantwortlichen in der Region Solling-Vogler im Weserbergland verhalten. "Wir freuen uns über jeden Gast, doch bei einer Anfrage müssten wir leider absagen," sagte die Chefin der Tourismus-Zentrale, Irina Hartig.

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Auch Lehrer sollen zu Hause bleiben

Das Land forderte zudem Lehrkräfte aus den Landkreisen Gütersloh und Warendorf, die an niedersächsischen Schulen unterrichten, auf, zunächst zu Hause zu bleiben. "Es geht uns nicht um Diskriminierung oder Ausgrenzung von Menschen aus Nordrhein-Westfalen", sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. "Wir versuchen angemessen auf die sich da abzeichnende Gefährdung zu reagieren." Dies erfolge möglichst punktuell mit dem Ziel, den Wirtschaftsbetrieb in Niedersachsen zu schützen.

Verschärfte Regeln im Raum Osnabrück

Der Landkreis und die Stadt Osnabrück hatten bereits zuvor angeordnet, dass dort für Menschen aus den nahen Landkreisen Gütersloh und Warendorf deckungsgleich alle Vorschriften gelten, die Nordrhein-Westfalen für diese Regionen festgesetzt hat. Die Betroffenen dürfen somit keine Kinos, Theater, Zoos, Museen, Fitnessstudios oder Schwimmbäder besuchen. Zudem müssen Kinder aus der Region, die Schulen oder Kitas in Landkreis oder Stadt Osnabrück besuchen, zu Hause bleiben. Das betrifft nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen mindestens 60 Kinder. Die Verbote gelten zunächst bis Ende Juni. Verstöße ziehen Geldbußen von bis zu 25.000 Euro nach sich.

Laschet warnt vor "Stigmatisierung" der Gütersloher

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisierte die touristischen Beschränkungen für Menschen aus den betroffenen Landkreisen. Es gehe nicht, "dass man die Menschen aus dem Landkreis Gütersloh öffentlich stigmatisiert", sagte er. Laschet sagte, er habe mehrmals mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) telefoniert. Dieser habe versichert, Menschen aus Gütersloh seien willkommen, wenn sie auf das Coronavirus getestet seien. "Ich erwarte auch von den Bundesländern in Norddeutschland, dass wir zu solchen Regelungen kommen und dass wir gemeinsam diese Krise bewältigen", hatte Laschet gefordert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.06.2020 | 12:00 Uhr

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