Daniela Behrens (SPD), niedersächsische Gesundheitsministerin, in einem Interview. © NDR

Behrens: Zweitimpfung mit AstraZeneca könnte möglich werden

Stand: 17.03.2021 15:33 Uhr

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) rechnet damit, dass Menschen, die eine erste Dosis des Covid-19-Vakzins von AstraZeneca erhalten haben, auch eine Zweitimpfung damit bekommen können.

"Wenn es zu einer schnellen Wiederzulassung kommt, kann die Zweitimpfung wie vorgesehen auch mit AstraZeneca durchgeführt werden", sagte Behrens am Mittwoch im Plenum des Niedersächsischen Landtags. Seit Dienstag gilt in Niedersachsen ein Impf-Stopp für das AstraZeneca-Mittel.

Keine Kombination der Impfstoffe

Die Ministerin sprach sich dafür aus, in Ruhe die Ergebnisse der aktuellen Überprüfung des Vakzins abzuwarten. Der Impfabstand zwischen den beiden Impfungen solle zwar zwölf Wochen betragen, aber ein Überschreiten des Impfabstands führe nicht dazu, dass die Impfung nicht mehr wirke. Ein unvollständiger Schutz bestehe auch schon nach der ersten Impfung. Eine Kombination verschiedener Impfstoffe mit der Zweitimpfung lehnte Behres ab. Dazu lägen derzeit keine Daten vor.

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Impf-Stopp "selbstverständlich ein Rückschlag"

Für die laufende Impf-Kampagne sei die Aussetzung "selbstverständlich ein Rückschlag", so die Gesundheitsministerin. Der AstraZeneca-Impfstoff sei "grundsätzlich für Deutschland von großer Bedeutung". Nach der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts habe es allerdings keine andere Möglichkeit gegeben, als das Mittel vorerst vom Markt zu nehmen. "Die Bundesregierung ist dieser Empfehlung gefolgt. Für Niedersachsen gab es keinen Spielraum, anders zu entscheiden." Der Wirkstoff werde nun überprüft, erste Ergebnisse seien noch in dieser Woche zu erwarten. "Ich halte eine rasche Einordnung der Gefahren dieses Impfstoffes für sehr notwendig, um das Vertrauen wiederherzustellen", sagte Behrens.

Ein Thrombose-Fall in Niedersachsen

In Deutschland habe es bis vergangene Woche Informationen über sieben Thrombose-Erkrankungen auf 1,2 Millionen AstraZeneca-Impfungen gegeben. Behrens sagte, dass in Niedersachsen ein schwerer Krankheitsfall im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sei. Demnach sei die betroffene Person am 26. Februar mit AstraZeneca geimpft worden. Am 8. März seien Bewußtseinseintrübungen mit Folgenwirkungen aufgetreten, so Behrens.

Verschiebt sich Kampagnen-Start von Praxen?

Der AstraZeneca-Impfstoff habe bislang rund ein Viertel des verwendeten Impfmaterials ausgemacht. "Wenn wieder das Go kommt, sind wir relativ zügig bereit, in den Zentren mit AstraZeneca fortzusetzen", sagte Behrens. Dort sei man vorbereitet. Die Planung, das Mittel ab Mitte April Zug um Zug in die Praxen zu geben und die niedergelassenen Ärzte in die Impf-Kampagne einzubinden, sei eher nicht zu halten. "Diese Pläne werden wir jetzt neu mit dem Bund besprechen müssen. Wenn wir nicht genau wissen, wie die Versorgung mit den Impfstoffen geregelt wird, können wir auch nicht die niedergelassenen Ärzte - so schnell wie wir uns das wünschen - einbinden." Die grundsätzliche Planung für die Impfzentren ab April müsse nicht angepasst werden.

Biontech soll Ausfall teilweise kompensieren

Die Impfzentren seien "von dem Ausfall von AstraZeneca nicht wesentlich tangiert, außer dass wir die Termine umlegen müssen". Dabei gehe es um rund 160.000 Erstimpfungen, die vorerst abgesagt wurden. Behrens sagte, dass ein Teil des Ausfalls durch den AstraZeneca-Stopp vom Biontech-Mittel abgefangen werde. "Der Bund hat angekündigt, dass die erwartbare Liefermenge sich erhöht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.03.2021 | 12:00 Uhr

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