Stand: 02.08.2018 18:55 Uhr

AfD-Politiker nennt Stauffenberg "Verräter"

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Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einer Aufnahme um 1940.

Lars Steinke, Landeschef der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) Niedersachsen, hat den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem Facebook-Eintrag als "Verräter" bezeichnet und damit massive Kritik ausgelöst. In dem Post schreibt der Göttinger Steinke unter anderem: "Stauffenberg war ein Verräter". Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Stauffenberg vergeblich versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Sie wurden hingerichtet.

Hitler-Attentäter wurden hingerichtet

Steinke bestätigte der "Welt" (Donnerstag), er habe "den Text selbst verfasst". Der Deutschen Presseagentur sagte Steinke, der Beitrag sei bei Facebook nur von mit ihm befreundeten Nutzern zu lesen. Der Beitrag ist öffentlich nicht einsehbar, liegt aber dem NDR vor. Gegenüber dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen spricht Steinke nun von einem "Missverständnis". Sein Beitrag sei Teil einer ausführlicheren Debatte gewesen. Aus juristischer Sicht sei Stauffenberg ein Verräter gewesen. Seine weiteren Aussagen hätten sich lediglich auf Zeitpunkt und Art und Weise des Attentats bezogen. Aus seiner Sicht habe Stauffenberg zu spät gehandelt. Er werde nun das Gespräch mit der Parteispitze suchen, so Steinke.

Der Eintrag im Wortlaut:

Es ist in der vorangegangenen Woche viel über den 20. Juli und Stauffenberg gesprochen und diskutiert worden. Ich habe viel darüber nachgedacht und bin nach eigener Beurteilung - mag sie auch noch so ablehnend bescheidigt werden - zu folgendem Urteil gekommen:
Wer in der Zeit der Rückzugsgefechte die Führung des eigenen Staates auslöschen und damit Chaos in den eigenen Reihen stiften möchte, das Zusammenbrechen der Kriegsfronten riskiert und damit das ungehinderte vorrücken des Feindes, der ist weder bedacht, noch idealistisch, der ist auch nicht der Feind Hitlers, sondern der Feind des Deutschen Soldaten und der Zivildeutschen, damit Feind des Deutschen Volkes und damit auch mein Feind.
Stauffenberg war ein Verräter, der bereit war millionen von Leben zu riskieren und zu Opfern ohne erkennbaren nutzen für das deutsche Volk. Der Krieg war nämlich - entgegen der heutigen Propaganda - kein Krieg primär gegen Hitler, sondern gegen Deutschland und das deutsche Volk. Wäre die Front zusammengebrochen und die Wehrmacht hätte nicht die Flucht millionen Deutscher aus den Ostgebieten decken können, dann wären sicher mehr als "nur" eine millionen Vertriebene "verschwunden".
Stauffenberg ist kein Held und der 20. Juli 1944 war kein Glanzstück, es war der beschämende Versuch eines Feiglings die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten.  

 

AfD Niedersachsen: Meinung ist "absurd"

Von der niedersächsischen AfD kommt Kritik an Steinke: "Der Landesvorstand stellt hierzu klar, dass diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes der AfD-Niedersachsen widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt". Auch der JA-Bundesvorstand distanzierte sich. "Der Text Lars Steinkes widerspricht eklatant den Wertvorstellungen der Jungen Alternative für Deutschland", erklärte JA-Bundeschef Damian Lohr laut einer Mitteilung. Der JA-Vorstand werde mit dem AfD-Vorstand über Konsequenzen beraten.

Gauland für Parteiausschluss

Der Fraktionschef der AfD im Bundestag, Alexander Gauland, nannte die Äußerung Steinkes laut einem Sprecher "bodenlosen Schwachsinn" und sprach sich für einen Parteiausschluss Steinkes aus. "Stauffenberg ist ein Held der deutschen Geschichte", so Gauland. Gegen Steinke gab es in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe,Beziehungen zur rechten bis rechtsextremen Szene zu unterhalten.

Weitere Informationen

Geht Guths Kreistagsmandat an Rechtsextremen?

Die frisch gewählte AfD-Landesvorsitzende Dana Guth will ihr Mandat im Göttinger Kreistag niederlegen. Damit ginge es an Lars Steinke, dem Nähe zur rechten Szene vorgeworfen wird. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.08.2018 | 19:30 Uhr

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