Stand: 25.04.2018 08:35 Uhr

Zwei Müther-Bauwerke auf Rügen saniert

Auf Rügen sind zwei Bauwerke des Bauingenieurs Ulrich Müther (1934-2007) vor dem Verfall bewahrt worden. Der Rettungsturm der Binzer Strandwache mit seinen abgerundeten Kanten und der futuristisch anmutende Musikpavillon in Sassnitz waren durch salzhaltige Luft, Wind und Sand sowie bauphysikalische Probleme stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Ein Turm vom Architekten Müther.

Binz: Mütherturm erstrahlt in neuem Glanz

Nordmagazin -

Futuristisch, fast wie ein Raumschiff aus hauchdünnem Beton: der Strandturm von Ulrich Müther von 1981. Jetzt erstrahlt der ehemalige Rettungsturm in neuem Glanz.

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Schimmelbefall zerstörte Einbauten

Nun wurden sie mit Geldern der Wüstenrot-Stiftung für rund 700.000 Euro saniert. Da der 1981/82 erbaute Rettungsturm über keine Dämmung der Betonschale verfügte, kondensierte im Inneren die Feuchtigkeit. Die Folge war Schimmelbefall, der Holzeinbauten und Oberflächenbeschichtung zerstörte, wie eine Stiftungs-Sprecherin erklärte. Durch die Instandhaltungsmaßnahmen sei dieser Schadenskreislauf nun durchbrochen worden.

Müthers Erbe ins öffentliche Bewusstsein rücken

Mit der Instandsetzung der beiden Bauwerke soll das bauliche Erbe Müthers wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Der einst als Experimentalbau errichtete Rettungsturm in Binz soll ab Mai wieder als Standesamt-Außenstelle für Hochzeiten genutzt werden. Er soll am Donnerstagabend feierlich übergeben werden. Auch der Musikpavillon in Sassnitz soll wieder als Veranstaltungsort für Konzerte dienen.

Gebaut vom "König des Betonschalenbaus der DDR"

Der in Binz geborene Bauingenieur Müther setzte der Nüchternheit des DDR-Betonplattenbaus kühn geschwungene Entwürfe entgegen. Seine gekrümmten Schalenbauwerke - sogenannte Hyparschalen - erlangten internationale Beachtung. Müther gilt als König des Betonschalenbaus in der DDR und wird den bedeutendsten Baumeistern der deutschen Nachkriegszeit zugerechnet. Vor allem von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre wurden viele "Müther-Schalen" gebaut - insgesamt gibt es weltweit 74 - vom Planetarium in Wolfsburg über eine Radrennbahn in Kuba bis hin zu einer Moschee in Jordanien.

Vielen Müther-Bauten droht der Verfall

Seit dem vergangenen Jahr wird Müthers Schaffen an der Hochschule Wismar wissenschaftlich aufgearbeitet. Laut Experten gelten viele seiner Bauten als wichtige Beiträge aus der DDR zur Architektur der Moderne. Nicht wenige stehen jedoch vor dem Verfall. Ein von Müther entworfenes Restaurant im Zentrum Berlins und eine hölzerne Konzertmuschel auf Rügen wurden bereits abgerissen. Müthers größter noch erhaltener Bau, die 1969 als Messehalle errichtete Hyparschale in Magdeburg, befindet sich nach Angaben von Experten in einem desolaten Zustand. Auch der "Teepott" in Warnemünde muss saniert werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.04.2018 | 18:10 Uhr

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