Junge Frau verschränkt ihre Arme vorm Gesicht. An den Ellenbogen sind blaue Flecke. © Nanduu/Photocase

Wenn Gewalterfahrung zum Drogenkonsum führt

Stand: 22.11.2021 18:17 Uhr

Vielerorts hat in Mecklenburg-Vorpommern die Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen und Kindern begonnen. In Rostock liegt der Schwerpunkt auf dem Thema "Sucht und Gewalt".

In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns hat die Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen und Kindern begonnen. Das Rostocker Rathaus ist deswegen mit Flaggen geschmückt. Anti-Gewalt-Aktionen gibt es auch in der Warener Marienkirche und in Wismar, wo das Frauenhaus orangefarbene Stühle mit der Aufschrift "Kein Platz für Gewalt" aufgestellt hat. In Demmin findet eine Lesung statt.

Raus aus der Tabuzone

Das Thema brennt offenbar vielen unter den Nägeln. Rostocks Gleichstellungsbeauftrage Wenke Brüdgam sagte, dass im vergangenen Jahr allein in der Hansestadt 905 Frauen um Hilfe im Frauenhaus nachgefragt hätten. "Das ist leider ein trauriger Rekord", so Brüdgam, "ich finde, das ist eine Situation, die wir so nicht mehr hinnehmen können". Brüdgam räumte allerdings ein, dass die Zahl der Hilfesuchenden nicht zwangsläufig einen Anstieg der Gewalt anzeige. Sie dürfte zum Teil auch damit zu tun haben, dass immer mehr Frauen sich Unterstützung holen, die den Schritt aus der Tabuzone heraus wagen.

Gewalterfahrung mündet in Drogenkonsum

In Rostock liegt der Fokus der Aktionswoche diesmal auf dem Thema "Sucht und Gewalt". Fast ein Drittel aller Frauen, die Gewalt erlebt haben, greifen später zu Alkohol, Medikamenten oder Drogen, um damit fertig zu werden. Das berichteten sowohl Frauen, die die Frauenhäuser aufsuchen, als auch jene, die sich bei der Suchthilfe melden. Die Rostocker Hilfs-Initiativen haben eine Broschüre für Frauen erarbeitet für Frauen, die sowohl Gewalt als auch Drogenkonsum erfahren haben.  

Beratung auf Augenhöhe

Wer sowohl Gewalt- als auch Suchterfahrungen gemacht hat, hat es in den bestehenden Hilfesystemen nicht leicht, so Petra Antoniewski von "Stark machen", der Rostocker Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Viele Anlaufstellen seien auf ein Phänomen fokussiert und hätten das jeweils andere nicht immer im Blick. Außerdem, so Antoniewski, würden betroffene Frauen nicht überall auf Verständnis stoßen: Manche müssten Relativierung ihrer Erfahrungen, Vorwürfe, Entmündigung, übergriffige Ratschläge oder Schuldzuweisungen erdulden. Darum sollte betroffenen Frauen künftig eine sogenannte Tandem-Beratung angeboten werden, die vor allem "auf Augenhöhe" zwischen Beraterin und Klientin stattfinden. Das sieht ein neues Konzept vor, dass mehrere Initiativen erarbeitet haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.11.2021 | 15:00 Uhr

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