Stand: 07.01.2020 19:05 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Waldbesitzer: Kasse machen mit dem Klimawandel?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Waldbesitzer im Nordosten sollen wegen ihres ökologischen Beitrags künftig Ausgleichszahlungen aus öffentlichen Kassen bekommen. (Archivbild)

Die rund 50.000 privaten Waldbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern können mit Hilfen des Landes rechnen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) will sie künftig stärker fördern und ihnen - ähnlich wie Landwirten - Ausgleichszahlungen aus öffentlichen Kassen überweisen. Dazu soll möglicherweise auch der Bürger stärker belastet werden.

"Umweltleistungen der Waldbesitzer honorieren"

Backhaus sagte, der Wald bringe viel für das Klima, für sauberes Trinkwasser und gesunde Luft. "Diese Umweltleistungen von Waldbesitzern müssen stärker honoriert werden", so der Sozialdemokrat. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Waldbesitzerverbandes, Ulrich Ivo von Trotha, und dem Vertreter für die kommunalen Wälder, Jörg Harmuth, präsentierte Backhaus dazu eine sogenannte Schweriner Erklärung: "Wald neu denken - Wald neu lenken".

Videos
03:34
Nordmagazin

Ist der Wald noch zu retten?

Nordmagazin

Forstwirt Holger Weinauge macht sich große Sorgen um die Wälder in MV. Er vermisst eine naturnahe Bewirtschaftung, die bodenschonend ist und eine flächendeckende Verjüngung des Waldes. Video (03:34 min)

Backhaus: Wald ist mehr als Holzproduktion

In erster Linie geht es offenbar um einen Ausgleich für gesunkene Erträge der Waldbauern. Der Holzpreis sei weiter gefallen, so Backhaus. Mittlerweile könnten mit einem Festmeter nur noch zwei durchschnittliche Arbeitsstunden finanziert werden, vor 50 Jahren seien es noch acht gewesen. Wald sei aber nicht nur Holzproduktion - zu seinen "Ökosystem-Leistungen" gehörten gesunde und artenreiche Tierbestände, die Sauerstoffproduktion, der Lärmschutz oder der Naherholungswert. Backhaus verwies auf eine Studie im Auftrag seines Ministeriums. Danach produziert allein der Landeswald Öko-Werte von rund 65 Millionen Euro - eine Summe, die 1,3 Mal höher liege als der Ertrag durch Holzeinschlag.

Allgemeinheit soll Waldspaziergang mitvergüten

Backhaus sagte, "der Waldbesitzer soll diese heute nicht vergüteten Leistungen bezahlt bekommen." Das sei gerecht, so Backhaus, denn der Wald ist in seinen Augen auch für die Gesellschaft da. Auch deshalb müsse der Waldspaziergang durch die Allgemeinheit "mitvergütet" werden, vergleichbar mit Subventionen für den Nahverkehr. Konkrete Summe oder Finanzierungsmodelle präsentierte Backhaus nicht. Denkbar sei ein "Wasserpfennig" oder ein Anteil aus den Erlösen der geplanten CO2-Bepreisung. Der Minister kündigte genauere Vorstellungen für die kommenden Monate an. Er machte klar, dass auch künftig jeder das Recht behalten werde, Wälder zu betreten. "Wer mit seinem Hund spazieren geht oder joggt, der wird nicht zur Kasse gebeten."

Waldbesitzerverband lobt "einzigartigen Kurswechsel"

Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes, von Trotha, sprach von einem bundesweit einzigartigen Kurswechsel. "Wir wollen den optimalen Wald für Mecklenburg-Vorpommern schaffen." Mit dem Ausgleich für Ökosystem-Leistungen lasse sich das leichter erreichen. Das bisherige Geschäftsmodell des privaten Waldbesitzer jedenfalls "trägt nicht mehr", beklagte von Trotha. Wenn ein Waldbesitzer eine 120 Jahre alte Eiche nicht fälle, sondern stehe lasse, dann müsse es dafür einen Ausgleich geben.

Manche Waldbesitzer werden bereits gefördert

Schon bisher werden private Waldbesitzer vom Land gefördert, wenn ihre Flächen in besonderen Natur- und Vogelschutz-Gebieten liegen. Grundlage ist das von der EU- finanzierte Programm "Natura 2020". Gefördert wurde unter anderem der Verzicht auf Baumfällungen. Im vergangenen Jahr gingen laut Agrarministerium etwa 485.000 Euro an die Waldbesitzer. Antragsschluss für 2020 ist laut Landesforstanstalt der 15. Mai.

Eher geringer Waldanteil im Nordosten

Mecklenburg-Vorpommern hat im Deutschlandvergleich einen eher geringen Waldanteil: 24 Prozent der Landesfläche ist mit Bäumen bestanden, bundesweit sind es 32 Prozent. Von den 558.000 Hektar Wald im Nordosten sind 41 Prozent in Landeshand, 40 Prozent gehören privaten Besitzern. Der Rest verteilt sich auf Kommunen, Bund und Kirche.

Weitere Informationen

Wald vor Wild: Jäger schießen gegen Backhaus' Pläne

28.11.2019 11:00 Uhr

Umweltminister Backhaus droht Ärger mit dem Landesjagdverband. Dieser hat seine Zustimmung zu einer deutlichen Ausweitung von Jagdzeiten in MV zurückgezogen. mehr

Waldschäden alarmieren Landesforstanstalt

03.09.2019 07:00 Uhr

Die Waldschäden durch anhaltende Trockenheit machen der Landesforstanstalt zu schaffen. Der Verwaltungsrat beschäftigt sich heute mit möglichen Gegenmaßnahmen für den Landeswald. mehr

Borkenkäferplage: Starke Verbreitung auch in MV

06.08.2019 06:00 Uhr

Borkenkäfer haben im vergangenen Jahr rund 112.000 Festmeter Fichtenholz in Mecklenburg-Vorpommern befallen. Durch die Trockenheit konnte sich der Schädling rasant ausbreiten. mehr

#wetterextrem - Der Norden im Klimawandel

Die Erde wird immer wärmer. Wetterextreme oder der Anstieg des Meeresspiegels sind die Folgen - sie zeigen sich auch in Norddeutschland. Informationen und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 07.01.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

03:10
Nordmagazin
02:28
Nordmagazin