Stand: 09.06.2020 06:00 Uhr

Wahlumfrage: Landes-CDU überholt Schwesig-SPD

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Umriss von Mecklenburg-Vorpommern, Bunstift und Wahlkreuz (Bildmontage) © fotolia.com Foto: Jürgen Priewe, pico
Fragen der Bildung, die Bewältigung der Corona-Krise und die Lage am Arbeitsmarkt bewegen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern momentan am meisten.

In Mecklenburg-Vorpommern verdrängt die Landes-CDU den Koalitionspartner SPD vom Spitzenplatz und geht als Klassenprimus in die bevorstehende Sommerpause: Nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR kommen die Christdemokraten aktuell auf 29 Prozent. Sie legen damit im Vergleich zur Landtagswahl 2016 ganze zehn Punkte zu und stehen 15 Monate vor der nächsten Landtagswahl in der Wählergunst deutlich vorn.

SPD fällt auf zweiten Platz

Die SPD muss sich mit dem zweiten Rang begnügen: Die seit 1998 an der Spitze regierenden Sozialdemokraten rutschen auf 24 Prozent ab und verlieren damit im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl mehr als sechs Punkte. Dabei fährt ihre Landesvorsitzende, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, laut Umfrage hohe Zustimmungswerte ein: 70 Prozent der Wähler sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihr. Das sind ähnliche Werte, wie sie ihr Vorgänger Erwin Sellering (SPD) erreichte. "Unter den Ministerpräsidenten gehört die 46-jährige Politikerin zu den populärsten Regierungsspitzen der Republik", schreiben die Wahlforscher von infratest dimap. Auf das Wähler-Konto der SPD zahlt das offenbar bedingt ein.

 

MV-Trend: AfD sackt ab, Grüne ziehen zweistellig ein

Die AfD sackt auf 15 Prozent ab, das sind fast sechs Punkte weniger als bei der Wahl 2016. Die Linke verharrt bei 13 Prozent, die Grünen kommen auf zehn Prozent und würden nach einer fünfjährigen Pause wieder in den Landtag einziehen. Die FDP scheitert laut NDR Umfrage mit vier Prozent an der Sperrklausel.

Landes-CDU profitiert vom Bundestrend

Den Erfolg der Nordost-CDU schreiben die Wahlforscher auch dem bundespolitischen Rückenwind zu - die Union und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verbuchen in der Corona-Krise hohe Zustimmungswerte. Erstaunlich scheint das Ergebnis für die Landes-CDU, weil ihr seit dem Rücktritt des Fraktions- und Parteichefs Vincent Kokert vor drei Monaten die Führungsfigur fehlt.

Unionsgeführte GroKo oder Rot-Rot-Grün?

Die Union hätte als stärkste politische Kraft Anspruch auf das Ministerpräsidenten-Amt. Für die Regierungsbildung zeichnen sich nach den Zahlen der Umfrage zwei Modelle ab: Eine von der CDU geführte Große Koalition oder eine rot-rot-grüne Koalition mit der SPD an der Spitze. Die CDU hätte dann das Nachsehen und wäre vor der AfD größte Oppositionsfraktion.

Das Studiendesign des MV-Trends 2020

  • Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Mecklenburg-Vorpommern
  • Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl
  • Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)
  • Erhebungszeitraum: 3. bis 6. Juni 2020
  • Fallzahl: 1.004 Befragte
  • Gewichtung:
- nach soziodemographischen Merkmalen
- Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
  • Schwankungsbreite: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
*bei einem Anteilswert von 5 Prozent
** bei einem Anteilswert von 50 Prozent

Diese Themen bewegen MV: Bildung, Corona und Jobs

Für die Bürger sind die Thema Bildung, Corona-Bekämpfung und mehr Jobs die wichtigsten Probleme, die die Politik anpacken sollte. Löhne, soziale Ungerechtigkeit und Rente stehen dagegen am Ende der "Wichtigkeits-Skala". SPD (27 Prozent) und CDU (26 Prozent) wird dabei am ehesten zugetraut, die Probleme zu lösen. Die anderen Parteien liegen mit Abstand dahinter.

Vertrauen in die Parteien-Politik schrumpft insgesamt

Auffällig ist, dass der Vorsprung der SPD bei den Kompetenzbewertungen zusammengeschmolzen ist. Bei einer Umfrage von infratest dimap kurz vor der Landtagswahl 2016 standen die Sozialdemokraten mit 40 Prozent noch unangefochten an der Spitze. Alarmierend für alle Parteien dürfte der Grad der Verunsicherung bei den Wählern sein: Die meisten glauben, keine Partei könne die wichtigsten Aufgaben lösen. Ihr Anteil liegt bei 31 Prozent und hat sich damit im Vergleich zu 2016 fast verdoppelt.

 

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Ein Stapel von Geldscheinen © Fotolia Foto: imageteam

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.06.2020 | 06:00 Uhr

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