Zahlreiche Hühner befinden sich in einem Stall. © NDR

Vogelgrippe breitet sich offenbar ins Landesinnere aus

Stand: 09.11.2020 16:57 Uhr

Menschen, die in MV freilaufendes Geflügel halten, müssen jetzt ganz besonders auf die Hygiene achten. Futter und Tränken sollten laut Experten so aufgestellt werden, dass keine Wildvögel herankommen.

Geflügelhalter sollten prüfen, ob sie ihre Tiere gegebenenfalls einstallen können, so die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts, Elke Reinking. In Schleswig-Holstein sei die Vogelgrippe bereits in einem zweiten Geflügelbestand ausgebrochen. Für Haustiere wie Hühner und Puten ist die Seuche tödlich. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat mittlerweile drei Subtypen des Virus nachgewiesen, darunter auch den Subtyp H5N1. Genau so hieß das Vogelgrippevirus, an dem vor 14 Jahren auch Menschen gestorben sind. Aber: Wie die Experten erklären, hat dieser Virustyp zwar den gleichen Namen, aber verschiedene Formen. Der Vogelgrippe-Subtyp, der jetzt gefunden wurde, sei ein anderer als der aus Asien stammende Typ von 2006, erklärte Insitutssprecherin Reinking. Bislang sei keine einzige Infektion von Menschen mit dem Vogelgrippevirus bekannt, so die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts weiter.

Vogelgrippe: Nachweise an verschiedenen Orten im Norden

Auf Rügen war am Montag vor einer Woche ein verendeter Mäusebussard gefunden worden, der mit dem Vogelgrippe-Virus H5N5 infiziert war. Wie am Sonntag bekannt wurde, war die Geflügelpest dann bei 19 weiteren Wildvögeln auf der Insel Rügen nachgewiesen worden. Die meisten dieser Infektionen waren an Tieren entdeckt worden, die im Rahmen des Wildvogel-Monitorings geschossen worden waren. Zuvor war die Geflügelpest bereits bei Wildvögeln in Nordfriesland und Hamburg nachgewiesen worden. "Die Seuchenexperten des FLI hatten uns ja gewarnt, dass die Vogelgrippe auf dem Vormarsch ist. Nun ist es soweit und wir haben den ersten Fund. Das ist ein Grund zur Sorge, aber kein Anlass zur Panik", so Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Mehrere infizierte Tiere in Russland und Kasachstan entdeckt

Bereits im Oktober hatte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister alle Geflügelhalter vor der Geflügelpest gewarnt, weil in Russland und Kasachstan mehrere infizierte Tiere entdeckt worden waren - sowohl Wildvögel als auch Hausgeflügel. Die betroffene Region am Rand des westsibirischen Tieflands ist ein Rastgebiet für tausende Wasservogelarten, die in Europa überwintern. Ein plötzlicher Kälteeinbruch könnte dafür sorgen, dass die Tiere früher als üblich nach Deutschland kommen und damit auch das hoch ansteckende Virus, so Backhaus.

Infizierte Schwäne in den Niederlanden

Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Insel Riems stufte das Risiko als hoch ein. In den Niederlanden waren bereits zwei infizierte Höckerschwäne entdeckt worden. Backhaus rief dazu auf, tote Wildvögel unverzüglich zu melden. Ansprechpartner sind die Veterinärämter. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Geflügelpest zuletzt im September 2018 im Bestand eines privaten Bestands festgestellt. Die Vogelgrippe ist eine Infektionskrankheit, die vor allem bei Wasservögeln und anderen Vögeln vorkommt. Die hochpathogene Variante verläuft bei Hausgeflügel mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.11.2020 | 17:00 Uhr

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