Studieren in Corona-Zeiten: Depressivität, Angst und Einsamkeit

Stand: 14.05.2021 14:14 Uhr

Eine Greifswalder Studie hat untersucht, wie es Studierenden in Mecklenburg-Vorpommern in Corona-Zeiten geht. Sie kommt zu alarmierenden Ergebnissen.

von Anna-Lou Beckmann, NRD 1 Radio MV

Es ist das dritte Semester an den Hochschulen und Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern unter Pandemie-Bedingungen. Das aktuelle Sommersemester ist wieder ein digitales. Statt Campus-Leben gibt es fast nur Online-Lehre. Das digitale Lernen hinterlässt seine Spuren.

Jeder fünfte Studierende wünscht sich Psychotherapie

Die Greifswalder Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Eva-Lotta Brakemeier, hat im März für eine Studie rund 1.200 Studierende aus Greifswald, Neubrandenburg und Stralsund befragt. Dabei gaben 48 Prozent der Studierenden an, weniger Freude am Studium zu haben. Mehr als die Hälfte der Befragten sprach davon, durch die Pandemie belastet zu sein. Häufig war die Rede von depressiven Symptomen sowie Angst- und Schlafstörungen. Der Großteil findet außerdem, dass das Studium schwieriger geworden sei. Es sei komplizierter, den Inhalten zu folgen, Literatur zu beschaffen und den Tag zu strukturieren. Vor allem die Einsamkeit habe zugenommen. Gerade die sozialen Kontakte zu Kommilitonen würden fehlen, so die Studie. Außerdem hat jeder zehnte Studierende finanzielle Schwierigkeiten. Rund 20 Prozent der Studierenden wünschen sich eine Psychotherapie.

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Brakemeier: Alarmierende Ergebnisse

Professorin Brakemeier hofft, dass durch die steigenden Temperaturen bald auch auf unkonventionellen Wegen gelehrt und gelernt werden kann, beispielsweise durch Vorlesungen an der frischen Luft. Jetzt gehe es darum, den Studierenden so viel soziale Interaktion wie möglich zu bieten, etwa durch Hochschulsportkurse oder Lerngruppentreffen. Bevor Veranstaltungen und Treffen ausfallen, müsse an einer digitalen Variante gearbeitet werden, so Brakemeier. Sie bietet mit ihrem Team diverse Behandlungsansätze für die psychologischen Probleme der Studierenden in Corona-Sprechstunden an. Außerdem stellt sie online mehrere Selbsthilfe-Tipps und -Tutorials zur Verfügung

Studierende wünschen sich von Politik Planbarkeit

Der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses in Rostock, Ruven Kronenberg, unterstreicht, dass es sich um ein landesweites Problem handelt: "Die meisten Studierenden haben seit einem Jahr keinen Hörsaal mehr von innen gesehen." Außerdem sei für die Studierenden das Studium nicht planbar. "Wir wissen nicht, was morgen passiert, wir wissen nicht, was übermorgen passiert." Seit über einem Jahr herrsche Ungewissheit darüber, ob und wie Prüfungen stattfinden. Das müsse sich ändern, so Kronenberg.

Ministerin vertröstet

Zwar wurde am vergangenen Dienstag beim MV-Gipfel der Landesregierung über die Öffnung von Schulen und Kitas debattiert, die Hochschulen und Universitäten waren jedoch kein Thema. Studierendenvertreterinnen und -vertreter hatten auf Öffnungsperspektiven und Präsenzlehre mit Testkonzept gehofft. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) aber sagte zu NDR 1 Radio MV, dass es aktuell kein Datum für den Start der Präsenzlehre an den Hochschulen gebe. Sie betonte, dass das Sommersemester wie geplant ein digitales Semester bleibe. "Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten sehen, wie sich die Lage entwickelt und wie es im nächsten Semester weitergeht", so Martin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 14.05.2021 | 12:00 Uhr

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