Stand: 02.07.2020 17:49 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Schwesig: "Polarstern II" muss in MV gebaut werden

Bild vergrößern
Die "Polarstern" ist seit 38 Jahren im Namen der deutschen Forschung unterwegs.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und der Bürgermeister von Bremen, Andreas Bovenschulte, (beide SPD) setzen sich beim Bund für einen Großauftrag für die Werften in ihren Ländern ein. Die beiden Regierungschefs haben die Bundesregierung in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, das neue Forschungsschiff "Polarstern II" möglichst an den Standorten der MV-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund sowie auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven bauen zu lassen. Beide Unternehmen gehören zum Genting-Konzern aus Hongkong.

Erste Auftragsvergabe überraschend abgebrochen

Es geht um das Nachfolgeschiff für das Aushängeschild der deutschen Polarforschung und des Alfred-Wegener-Instituts - der 38 Jahre alten "Polarstern". Schon 2014 leitete das Bundesforschungsministerium eine europaweite Vergabe ein. Sie wurde in diesem Februar überraschend gestoppt. Die Begründung: es lagen keine stimmigen Angebote für den Eisbrecher im Polareinsatz vor, "die den Bedingungen entsprachen". Auch die Grundlagen des Vergabeverfahrens hätten sich wesentlich geändert, antwortete die Bundesregierung Ende April auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Offenbar hatten sich nur eine finnische Werft und die Nordic-Yards als Vorgänger-Unternehmen der heutigen MV-Werften mit ihren drei Standorten an der Ostseeküste beworben.

Die Zeit drängt

Seit dem Stopp ruht das Verfahren. Dabei drängt die Zeit, denn 2027 könnte für die "Polarstern" das Aus kommen. Diesen Termin hat auch der Bund im Visier. Er erklärte, dass die "Polarstern" mindestens bis 2022 die erforderliche Klasse als Eisbrecher besitze. Die Verlängerung dieser Zulassung für weitere fünf Jahre scheine erneut mit dem üblichen Aufwand möglich, heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage. Danach, also 2027, solle das Nachfolgeschiff bereit stehen. Auch sind die Instandhaltungskosten für die "Polarstern" in den vergangenen Jahren bereits explodiert.

Wichtiger Auftrag für den "Wissens-Standort"

Schwesig und ihr Bremer Kollege Bovenschulte werben bei gleich drei Ressort-Chefs in Berlin für ihr Ziel. Von Finanzminister Olaf Scholz (SPD), dessen Wirtschafts-Kollegen Peter Altmaier (CDU) und Bildungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) erwarten die Länderchefs einen schnellen Neuanlauf und eine zügige Auftragsvergabe - an die Standorte Wismar, Rostock, Stralsund und Bremerhaven. Öffentliche Aufträge, die zügig umgesetzt werden könnten, seien für die Werften und ihre Arbeitsplätze "von entscheidender Bedeutung", schreiben Schwesig und Bovenschulte. Es gehe um eine sichere Zukunft für den gesamten Schiffbau-Standort Deutschland. Ein solches Schiff wie die "Polarstern II" sei auch angesichts des Klimawandels und der dazu gehörenden Forschungen für den Wissens-Standort Deutschland "elementar".

Kurzarbeit auf den MV-Werften

Schwesig hofft jetzt auf die Bundesregierung: "Die Werften in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sind hochspezialisiert. Sie haben motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Wann eine Entscheidung über eine neue Vergabe erfolgt, ist noch unklar. Die angeschlagenen MV-Werften setzen derzeit auf Staatshilfen aus dem Corona-Rettungsschirm des Bundes. Mindestens bis September soll ein Großteil der 3.100 Beschäftigten in Kurzarbeit bleiben.

Weitere Informationen

"Polarstern"-Crew sitzt wegen Corona in Arktis fest

Die Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff "Polarstern" in der Arktis können wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht abgelöst werden. Der Termin für den Crew-Wechsel ist völlig offen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.07.2020 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:51
Nordmagazin