Ein Mitarbeiter montiert in der Produktionshalle der Fassmer Schiffsservice GmbH im mecklenburgischen Rechlin die Hydraulikanlagen an einer Freifall-Anlage für Rettungsboote. (Foto von 2007) © picture-alliance/dpa Foto: Jens Büttner

Schiffbauer Fassmer will Standort Rechlin schließen

Stand: 31.01.2021 11:49 Uhr

Der Schiffbauer Fassmer aus Berne bei Bremen plant, den Traditionsschiffbaustandort Rechlin an der Müritz Ende März zu schließen. Dort arbeiten noch 30 Mitarbeiter.

Dem traditionsreichen Schiffbaustandort Rechlin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) droht das endgültige Aus. Die Fassmer-Werft aus dem niedersächsischen Berne will ihre Tochterfirma Fassmer Schiffsservice an der Müritz bereits Ende März schließen, wie ein Sprecher der Gemeinde am Sonnabend erklärte. Den noch 30 Mitarbeitern sei dies bereits mitgeteilt worden. Zuvor hatte die Nachrichtenplattform "Wir sind Müritzer" über die Schließungspläne berichtet.

Werft-Chef sprach 2020 noch von "stabiler Auftragslage"

In dem Schreiben an die Mitarbeiter sei neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie die hohe "Belastung" der Ergebnisse des Rechliner Standorts für die gesamte Unternehmensgruppe als Begründung genannt worden. Auch nach "intensiven Beratungen" habe sich kein anderer Weg als der "vollständige Rückzug aus Rechlin", ergeben, heißt es demnach in dem Schreiben. Für die 30 betroffenen Mitarbeiter werde versucht, den Arbeitsplatzverlust sozial abzumildern. Bei der Fassmer-Gruppe war zunächst niemand zu einer Stellungnahme bereit. Noch vor einem Jahr hatte Geschäftsführer Harald Fassmer von einer "stabilen Auftragslage" gesprochen.

Bürgermeister Ringguth: "Schlimme und traurige Nachricht"

"Das ist eine schlimme und sehr traurige Nachricht für Rechlin", sagte Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU) NDR 1 Radio MV. Die Geschäftsführer des Unternehmens hätten ihm am Donnerstag die Entscheidung mitgeteilt, kurz nachdem die Belegschaft informiert worden war. Es habe sich um eine rein unternehmerische Entscheidung gehandelt, so Ringguth weiter. Die Mitarbeiter seien hervorragend ausgebildet, auch die Infrastruktur des Betriebes sei perfekt ist, so der Bürgermeister. Deshalb hoffe er sehr, dass sich am Standort ein anderes Unternehmen ansiedeln wird. Kritik an der Schließung äußerte Kreistagspräsident Thomas Diener (CDU). Es habe vorher keine Anzeichen für Probleme gegeben. Die Region hat seit Monaten mehrere solcher Rückzüge von Unternehmen aus den alten Bundesländern verkraften müssen.

Fassmer-Gruppe: Weltweit 1.600 Mitarbeiter

Zuletzt waren in Rechlin unter anderem komplizierte Schweißteile und Anlagen für Megajachten, Kreuzfahrtschiffe sowie Zubehör und Landeplattformen für Hubschrauber auf großen Windkraftanlagen produziert wurden. Die Fassmer-Gruppe hatte den Standort 1996 übernommen. Zur Fassmer-Gruppe mit Hauptsitz in Niedersachsen gehörten bisher 1.600 Mitarbeiter an mehreren Standorten, darunter in Polen und China. Sie beliefern auch Hersteller von Kreuzfahrtschiffen. Der Jahresumsatz wurde mit 150 bis 200 Millionen Euro angegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 31.01.2021 | 12:00 Uhr

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