Symbolbild Hansa Rostock - Ostseestadion © NDR Foto: Katrin Schäfer

Rostocker Ostseestadion - Kommt der Verkauf an die Stadt?

Stand: 04.12.2021 09:05 Uhr

Seit Jahren hat der Verein FC Hansa Rostock Schulden in Millionenhöhe. Da könnte der Verkauf des Ostseestadions für Entlastung sorgen. Voraussetzung: Verein, Stadtpolitik und Land werden sich einig.

von Denis Mollenhauer

Seit Anfang des Jahres steht die Idee im Raum, dass Hansa Rostock das Ostseestadion an die Stadt Rostock verkauft. Denn der Verein hat nach wie vor Schulden in Millionenhöhe und der Unterhalt des Stadions ist teuer. "Ein exotisches Produkt, das so aus der Vergangenheit entstanden ist", so beschreibt es der Vorstandsvorsitzende Robert Marien im März im Sportpodcast SPOMV von NDR 1 Radio MV. Der Zweitliga-Verein ist nämlich sowohl Besitzer als auch Betreiber des Ostseestadions. Ein Modell, mit dem man sich, laut Marien, damals übernommen hat. Die Instandhaltung und der Betrieb des Stadions seien kostspielig. Ein Verkauf an die Stadt könnte für Entlastung sorgen. Aktuell will sich der Verein nicht dazu äußern, im März zog Marien Vergleiche zu anderen Top-Vereinen aus dem Land: "Wenn man die Mecklenburger Vereine sieht: [...] alle Spielstätten liegen in kommunaler Hand. Ich sage immer wieder, würden die Rostocker Seawolves diese Erfolgsgeschichte hinlegen, wenn sie sich um die größte Arena des Landes kümmern müssen oder wenn die Seawolves sich um die Stadthalle Rostock kümmern müssen? Das wäre wahrscheinlich nicht möglich." Zustimmung zum möglichen Stadionverkauf kommt aus den eigenen Reihen: Auf der letzten Mitgliederversammlung sprachen sich 80 Prozent der Stimmberechtigten für Verhandlungen mit der Stadt aus.

Als Mieter im Ostseestadion

Die Hansestadt steht der Kauf-Idee erstmal offen gegenüber. Laut Finanzsenator Chris von Wrycz Rekowski (SPD) hat man versucht, sich auf die Immobiliensicht zu fokussieren. Das Ostseestadion sei die größte Veranstaltungsstätte Mecklenburg-Vorpommerns. Die gelte es natürlich zu erhalten. Laut eines Wertgutachtens, das dem NDR vorliegt, muss der Kaufpreis des Ostseestadions bei rund zwölf Millionen Euro liegen. Im Falle eines Verkaufs würde der FC Hansa Rostock als Mieter das Stadion nutzen. Die Miete könnte abhängig von der Spielklasse berechnet werden. Jetzt in der Zweiten Bundesliga wäre rund eine Million Euro jährlich marktüblich. Außerdem gebe es viele Details bei einem möglichen Mietvertrag zu bedenken, beispielsweise, ob der Verein als Hauptmieter dann das Stadion - vereinfacht gesagt - für andere Events auch untervermieten dürfte. Oder ob dieses Recht dann bei der Stadt liegen soll oder zumindest dort ins Stadtsäckel einzahlen müsste.

Kaufsumme bloß zum Schulden tilgen?

Doch in wessen Tasche landet das Geld? Kritische Bürgerschaftsmitglieder wie die Vorsitzende des Rostocker Bunds, Sybille Bachmann, erinnern daran, dass der Verein millionenschwere Schulden bei Investor und Anteilseigner Rolf Elgeti und dessen Unternehmen Obotritia Capital hat. Sollte es zum Verkauf kommen, würde das Geld voraussichtlich auch genutzt werden, um diese Schulden zu tilgen. Elgeti hält sich bedeckt und teilt auf Nachfrage schriftlich mit, Verein und Stadt wüssten, dass er "sollte es zu einer Einigung der beiden Parteien über das Stadion kommen, den Vorgang in angemessenem Maße konstruktiv begleiten werde."

Kröger: Deal müsse vertretbar sein

Klar ist: Rund um den möglichen Stadionverkauf gibt es in der Stadtpolitik noch viele offene Fragen. Für die Faktionsvorsitzende der Linken, Eva-Maria Kröger, ist wichtig, dass am Ende ein Deal steht, "der sowohl für die Stadt und die öffentliche Kasse als auch für den Verein selbst tragbar ist." So müsse es auch anderen finanziell klammen Sportvereinen gegenüber vertretbar sein, wenn so viel Geld Richtung Hansa Rostock fließe.

Unterstützung des Landes benötigt

Mit dem Kaufpreis allein wäre es auch nicht getan: In den nächsten Jahren stehen diverse Sanierungsarbeiten am Stadion an, vor allem die Flutlichtanlage und die Zuschauersitze sind in die Jahre gekommen. Langfristig müsste noch mehr gemacht werden. Die Kosten dafür liegen voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich. Finanzsenator von Wrycz Rekowski erklärte, würden diese Kosten auch über die Pacht refinanziert - also über eine höhere Miete - dann würde das dem FC Hansa wirtschaftlich nicht helfen. Er betont: "Die Unterstützung des Landes mit Fördermitteln" werde gebraucht. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es auf NDR Anfrage, man sei bereit, der Stadt und dem FC Hansa unter bestimmten Voraussetzungen bei den Sanierungskosten zu helfen. Das Ostseestadion sei die größte Freiluft-Arena in Mecklenburg-Vorpommern "mit überregionaler Ausstrahlung, nicht nur für den Fußball, sondern auch für andere Sportarten und Konzerte".

Verschwendung von Steuergeldern?

Der Bund der Steuerzahler kritisiert schon jetzt die mögliche Verschwendung von Steuergeldern und listet die Verkaufs-Idee in seinem aktuellen Schwarzbuch. "Die Steuerzahler sollten nicht für [die] Umschuldung aufkommen, sondern der Verein muss deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, private Investoren zu finden," heißt es auf der Internetseite. In einer Pressemitteilung wird von Stadt und Land gefordert, Abstand vom Kauf des Ostseestadions zu nehmen.

Prüfung eventuell ab Januar

Bevor es zu konkreten Verhandlungen kommt, muss die Stadt prüfen lassen, unter welchen Voraussetzungen ein Kauf des Ostseestadions denkbar ist - sowohl finanziell als auch rechtlich. Der passende Prüfauftrag könnte auf der Bürgerschaftssitzung im Januar beschlossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.12.2021 | 12:00 Uhr

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