Stand: 14.03.2018 13:21 Uhr

Problemfall Schule: Alle Antworten als Download

von Henning Strüber, NDR.de

Zu wenig Lehrer, Unterrichtsausfall, umstrittene Bildungsmethoden: In Sachen Schule gibt es in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren schlechte Noten. Eltern protestieren, Lehrer sind frustriert und Schüler fühlen sich überfordert. Beim Talk im NDR Landesfunkhaus in Schwerin wollten Lehrer, Politiker, Bildungsforscher und auch Schüler den Problemen auf den Zahn fühlen. Dass das Thema die Menschen im Nordosten bewegt, ist unstrittig. Laut dem von der Landesregierung in Auftrag gegebenen MV-Monitor spielt die Bildungspolitik für die Menschen im Land eine wichtige Rolle. Doch während 94 Prozent dem Bereich Tourismus zuletzt eine gute oder sehr gute Entwicklung bescheinigten, beurteilt das Thema Bildung nur jeder Zweite positiv. Nur 43 Prozent bescheinigen der Landesregierung beim Thema "Schulen" eine gute Arbeit. Hat die Politik beim Thema Bildung also etwas versäumt?

Talk im Funkhaus - Studio.

Talk im Funkhaus: Die Diskussion in voller Länge

Im NDR Landesfunkhaus diskutierten Lehrer, Schüler, Bildungsforscher und Politiker über den Problemfall Schule. Zu Gast waren Birgit Hesse, Prof. Dr. Thomas Häcker, Heike Walter und Jakob Rese.

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Antworten auf offengebliebene Fragen

NDR 1 Radio MV

Wie immer haben uns auch zu diesem Talk im Funkhaus viele Fragen erreicht - so viele, dass in der Sendung nicht alle behandelt werden konnten. Hier nun die Antworten nachträglich. Download (238 KB)

Hesse hofft auf Kooperation mit dem Bund

Das aus der Studie zu schließen, wäre zu einfach, sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Denn man müsse differenzieren zwischen dem baulichen Zustand der Schulen und dem, was in den Klassenräumen geschieht. In puncto Schulsanierug verwies Hesse darauf, dass die Landesregierung für die laufende Legislaturperiode 275 Millionen Euro freigegeben habe. Damit sollen vorrangig Inklusionsschulen und Schulen mit hohem Sanierungsbedarf gefördert werden. Sollte bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern fallen, "dann hätten wir die Möglichkeit, Schulen flächendeckend zu sanieren", so die Ministerin.

Schüler: Digitalisierung kommt zu kurz

Der Vize-Vorsitzende des Schülerrats MV, Jakob Rese, stimmte zu, dass Ausstattung und Aussehen der Schulen wichtig seien. "Aber viel wichtiger ist, wie der Unterricht gestaltet wird." Lehrer hätten oft keine Zeit zur Vorbereitung - und griffen auf schnöden Frontalunterricht zurück. Dabei müssten dringend neue Methoden her, so der Schüler. "Die Vorbereitung auf die digitale Praxis kommt zu kurz. Viele Lehrer haben nicht die technischen Möglichkeiten an der Schule." Heike Walter aus Satow, Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung MV, betonte, dass Frontalunterricht nicht immer schlecht sein müsse. Wichtiger als das, seien aber Möglichkeiten für individualisiertes Lernen. Das komme oft noch zu kurz. Eine Lehrerin aus Evershagen, die im Publikum saß, berichtete aus ihrer Unterrichtspraxis: Bei einer Größe der Klassen von bis zu 28 Schülern stünden oft die begrenzten Räumlichkeiten einem angemessenen, fortschrittlichen Unterricht beispielsweise mit neuen Medien im Wege. "Es ist schlichtweg zu eng, um all dem gerecht zu werden."

Bildungsforscher: Lehrer unterschätzen ihren Einfluss

Der Rostocker Bildungsforscher Professor Thomas Häcker brachte einen weiteren Punkt in die Diskussion ein, der seiner Meinung nach bislang nicht genügend Beachtung gefunden habe: Lehrer schätzen ihren Einfluss auf Schüler oft als zu gering ein. Studien belegten, dass Lehrer sich nicht immer voll zuständig für den Erfolg an der Schule fühlten. "Sie unterschätzen ihre Wirkung auf die Schüler." Diese Mentalität gelte es zu ändern. Das wollte die Lehrerin Walter so nicht stehen lassen. "Beim Selbstverständnis hat sich Einiges bewegt. Wir Lehrer sehen es ja nicht zuletzt spätestens bei den Prüfungen."

Vieles scheitert am Geld  

Ein Problem sei aber auch die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für Lehrer. Das beklagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, die sich aus dem Publikum in die Diskussion einschaltete. "Die Gesellschaft unterschätzt die Wirkung der Lehrer", findet Oldenburg. Die Politik müsse dem mit verbesserten Rahmenbedingungen für Lehrer entgegentreten. "Dies versuchen wir seit Jahren", antwortete Hesse. "Aber das geht nicht mal eben so nebenbei." Vieles hänge aber auch am Geld. Hesse gab ein Beispiel: Um die Lehrerstundenzahl - wie vom Landesschülerrat gefordert - um zwei zu verringern, bräuchte das Land nahezu 1.000 neue Lehrer, so Hesse. Das würde Geld kosten, das nicht vorhanden sei.

Wie holt man Lehrer aufs platte Land?

Speziell für das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern stellt der Lehrermangel in ländlichen Regionen ein großes Problem dar. Kann der geplante Zuschlag - von Kritikern als "Buschzulage" verspottet - von 300 Euro für neue Lehrer, die sich für eine ländliche Schule entscheiden, Abhilfe schaffen? Hesse sieht darin ein Instrument unter vielen anderen, um die Bedarfe zu decken und die Unterrichtsversorgung auf dem Land zu gewährleisten. Forscher Häcker berichtete aus Gesprächen mit Lehramtsstudenten aus MV, bei denen die Zuschlags-Pläne des Bildungsministeriums keine Rolle spielten. Heike Walter verwies darauf, dass die Attraktivität der einzelnen Schule eine große Rolle spiele. Angehende Lehrer hätten stets auch die eigene Zukunft im Blick - einschließlich eigener Familienplanung. Gibt es eine Kita, wo ich meine Kinder hinschicken kann? Gibt es ausreichend Freizeitangebote? Da hätten es Schulen in Orten nahe großer Städte wie etwa Rostock naturgemäß leichter. In der Runde wurden noch viele weitere Aspekte des vielschichtigen Themas kontrovers diskutiert - etwa Seiteneinsteiger, Lehrer-Nachwuchs, Inklusion und Überlastung.

Die Gesprächspartner

Über dieses aktuelle Streit-Thema diskutierten Birgit Müller (Redaktionsleiterin NDR Fernsehen) und Michael Schmidt (Chef vom Dienst Fernsehen/Aktuell) beim "Talk im Funkhaus" im Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern mit folgenden Gästen:

  • Birgit Hesse (Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern)
  • Prof. Dr. Thomas Häcker (Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung Universität Rostock)
  • Heike Walter (Vorsitzende Schulleitungsvereinigung Mecklenburg-Vorpommern)
  • Jakob Rese (stellv. Vorsitzender Schülerrat Mecklenburg-Vorpommern)

Was läuft schief in den Klassenzimmern?

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 23.01.2018 | 18:00 Uhr

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