Stand: 16.09.2019 11:00 Uhr

Permakultur: Ein Garten, der keine Arbeit macht

von Petra Küntzer
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Jan Schwerdtfeger und Marie Runge bewirtschaften in Groß Rünz einen Garten gemeinschaftlich nach der Permakultur-Methode.

Kein Umgraben, kaum Unkraut jäten, weniger gießen und am Ende mehr ernten - das ist wohl der Traum eines jeden Gärtners. Verfechter der Permakultur sagen: Das geht, sogar ganz einfach. Man muss den Garten nur entsprechend anlegen und auf Vielfalt und natürliche Prozesse setzen.

Gesunden Anbau fördern

Auf dem Eschenhof in Groß Rünz in der Nähe von Grevesmühlen entstehen gerade mehrere Permakulturbeete. Vier sind bereits angelegt, sieben sollen es mal werden. Man braucht nicht viel, nur ein bisschen Pappe, Schafswolle, Stroh, Humus. Mit Spaten und Schaufel musste niemand anrücken, sagt Marie Runge, denn umgraben ist nicht nötig. "Wir haben den Boden ein bisschen gelockert, um Luft einzubringen. Dann haben wir an den Seiten Pappe ausgelegt und verschiedene Schichten organisches Material aufgebracht, das verrotten kann - also Laub, Holz und Kompost." Marie Runge ist die Biogärtnerin auf dem Eschenhof, der als eingetragener Verein etwa 50 Mitglieder hat. Sie gärtnern gemeinsam und möchten den gesunden Anbau fördern.

Ein Schäfer nebenan hat für die Permabeete noch jede Menge Schafswolle geliefert. Die hat viel Stickstoff, wenn sie zersetzt wird. Dabei handelt es sich um einen der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Zudem deckt die Schafswolle die Erde ab, beschattet sie, so dass Unkräuter nicht zum Keimen kommen, und speichert die Feuchtigkeit.

Statt umgraben und jäten - mulchen

Das Zauberwort in der Permakultur: Mulchen, mulchen, mulchen. Das ersetzt das Hacken und Umgraben. Die oberste Schicht des Beetes besteht aus 30 Zentimetern Stroh, in die gezielt kleine Pflanzlöcher gegraben werden. Kompost kommt rein und dann viele verschiedene Pflanze, die sich gegenseitig unterstützen. Im Waldbeet in Groß Rünz beispielsweise steht in der Mitte ein Birnbaum, drum herum Johannisbeer- und Stachelbeersträucher und dazwischen verschiedenste Stauden und Kräuter, erklärt Jan Schwerdtfeger. Er hat in Hamburg ein Studium zum Permakulturgärtner absolviert.

Beinwell, eine typische Pflanze

Als Dünger werde in der Permakultur Hirnschmalz eingesetzt, meint Schwerdtfeder süffisant. Denn was nach einem Durcheinander von Kraut und Rüben aussieht, ist in Wirklichkeit perfekt durchdacht und aufeinander abgestimmt. Und das bedeutet, man muss genau wissen, welche Pflanze wozu gut ist. Kapuzinerkresse beispielsweise hilft, die Blattläuse von den anderen Pflanzen und den Obstbäumen fernzuhalten, weil sie die Läuse auf sich zieht. Daneben steht Meerrettich, der das Steinobst vor der Kräuselkrankheit schützt. Und im Randbereich der Beete finden sich Ruccola, Fenchel, Salat, Schnittlauch und Dill, damit es auch etwas zu ernten gibt. Dazu Bodendecker, Lupinen, Wicken, Gundermann und Scharfgabe, das sind alles Pflanzen, die auch den Boden mit Nährstoffen versorgen.

Eine ganz typische Pflanze in der Permakultur sei der Beinwell, sagt Schwerdtfeger. Denn eigentlich soll alles mehrere Funktionen übernehmen. Der Beinwell zum Beispiel stoppt das Unkraut, liefert gleichzeitig perfektes Mulch-Material, weil die Blätter genau die Zusammensetzung an Nährstoffen haben, die die meisten Pflanzen brauchen. Er ist also perfekter Kompost und zudem noch essbar. Außerdem blüht der Beinwell auch noch relativ spät und bietet Insekten Nektar.

Permakultur: Auch etwas für große Plantagen

Permakultur sei vor allem etwas für kleine und mittlere Gärten. Es gäbe aber auch Agroforstsysteme, die auf großen Flächen hektarweise betrieben würden, so Schwerdtfeger weiter. Dort würden beispielsweise alle 50 Meter Baumreihen in die Getreidefelder eingefügt, so dass der Landwirt die positiven Effekte der Bäume für sein Getreide nutzen kann. Die Bäume pumpen Wasser aus tieferen Schichten, sie bieten Schatten, der Wind wird gebremst und gleichzeitig habe man auch noch den Ertrag des Holzes.

Stabilere und robuster Anbaumethode

Permakultur ist ein Begriff, der aus dem englischen "permanent Agriculture" - also dauerhafte Landwirtschaft - abgeleitet wurde. Die Idee wurde in den 1970er Jahren von zwei Australiern - Bill Mollison und David Holmgren - als nachhaltiger Gegenentwurf zu industriellen Agrarsystemen entwickelt. Was lange nur Liebhaber kannten,  gewinnt in Zeiten des Klimawandels gerade immer mehr Anhänger. Schließlich ist die Anbaumethode stabiler und robuster auch in Zeiten der Trockenheit. Zudem setzt sie auf Nachhaltigkeit und ökologische Vielfalt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.09.2019 | 12:00 Uhr

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