Stand: 01.04.2018 16:35 Uhr

Weiße Ostern: Unfälle und Stromausfälle in MV

Massive Schneefälle und glatte Straßen haben in Mecklenburg-Vorpommern am Ostersonntag für Unfälle, Stromausfälle und gesperrte Straßen gesorgt. Betroffen waren vor allem die Region um Rostock und Vorpommern. Die Polizei zählte von Sonnabendnachmittag bis Sonntagnachmittag mehr als 100 Unfälle. Insgesamt wurde dabei mehr als ein Dutzend Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Ein 58-jähriger Mann prallte am Sonnabend mit seinem Transporter bei Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) gegen einen Baum, ein 57-jähriger Mopedfahrer verunglückte auf winterglatter Straße bei Dobbertin (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Dennoch konstatierte die Polizei angesichts der Witterung eine "überschaubare Zahl" von Unfällen. "Viele sind bei dem Blick aus dem Fenster wohl doch lieber zu Hause geblieben", sagte ein Polizeisprecher in Rostock.

Weiße Ostern in Mecklenburg-Vorpommern

Wie es derzeit auf den Straßen aussieht, erfahren Sie rund um die Uhr im NDR Verkehrsstudio.

"Sehr nasser, schwerer Schnee"

Der Wintereinbruch an Ostern bescherte dem Nordosten einen Schneerekord: 35 Zentimeter wurden laut Deutschem Wetterdienst aus Gersdorf bei Bad Doberan gemeldet - soviel wie seit Jahrzehnten in einem April nicht mehr. Neben den Unfällen sorgten Schneeverwehungen sowie unter der Schneelast umgestürzte Bäume vielerorts für Probleme. Auch in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) fielen nach Angaben eines Reporters von NDR 1 Radio MV 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee: "Das ist sehr nasser, schwerer Schnee." Beide Zufahrtstraßen in das Ostseebad wurden wegen der Gefahr abbrechender Äste vorsorglich gesperrt, der Ort war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Schwerpunkt Landkreis Rostock

Im gesamten Landkreis Rostock gab es seit dem Morgen knapp 100 Einsätze der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte seien am Limit, hieß es. Insbesondere in den Bereichen um Bad Doberan, Kröpelin und Rerik gab es erhebliche Behinderungen. Busse und Bahnen fuhren mit Verzögerungen. Von Stralsund nach Berlin wurden Züge laut Deutscher Bahn über Grimmen umgeleitet. Die Urlauber-Kleinbahn Molli zwischen Bad-Doberan und Heiligendamm stellte nach Angaben eines Kreissprechers ihren Verkehr zeitweise ganz ein. Im Bereich um Neubrandenburg zählten die Behörden 34 Unfälle, bei denen ein Schaden von rund 200.000 Euro entstand.

Zahlreiche Stromausfälle

Insbesondere im Raum Stralsund, Mecklenburgische Seenplatte und Rostock saßen Menschen im Kalten, weil der Strom ausfiel - Bäume waren auf Oberleitungen gestürzt. Die Mitarbeiter der Stromversorger sind dabei, die Leitungen zu reparieren. Nicht überall werde das schnell gehen, teilte ein Sprecher des Stromversorgers E.on Edis auf Anfrage mit. Laut Polizei meldeten am Sonntagmittag erste Orte schon wieder eine intakte Stromversorgung.

Haus in Kaslin stürzt unter Schneelast ein

Ein weiteres Problem stellten die Dächer von Leichtbauhallen dar, die unter der Schneelast einzustürzen drohen. So stürzte in Kaslin bei Demmin ein leerstehendes Haus ein. In Ribnitz-Damgarten wurde geprüft, ob das Dach einer Halle am Sportboothafen sicherheitshalber geräumt werden muss. Alle Hände voll zu tun hatten auch die Feuerwehren in Vorpommern. Auch sie mussten Bäume und Äste von Oberleitungen und Straßen räumen. Der Sprecher der Leitstelle Vorpommern-Rügen sagte, es seien Hunderte Bäume umgefallen. Die Polizei sperrte vorsorglich Straßen, die durch Wälder führen. Probleme gab es auch an einigen Bahnübergängen. Schrankenanlagen öffnen zum Teil nicht vollständig wie etwa in Rövershagen oder in Rakow bei Süderholz.

Flugvolieren im Vogelpark Marlow eingestürzt

Besonders schwer getroffen wurde der Vogelpark in Marlow (Landkreis Vorpommern-Rügen). Dort brachen nach Angaben der Parkleitung fast sämtliche Flugvolieren unter den Schneelast zusammen. "90 Prozent unserer Außenvolieren sind hinüber", stellte Parkdirektor Matthias Haase fest. Noch am Samstagabend hätten alle in der Region wohnenden Mitarbeiter geholfen, Tiere in ihre Winterhäuser einzusperren. Dennoch seien nun etliche Waldrapps, Bartkäuze, Schneeeulen, Wellensittiche, Schwarzstörche und sogar ein Seeadler ausgebüxt und außerhalb der Anlagen unterwegs. Für den Vogelpark, der 1994 eröffnet worden war und der nach Angaben Haases im Jahr etwa 250.000 Besucher zählt, hatte die Saison erst Mitte März begonnen. Der Park habe ein Notfalltelefon geschaltet und nehme Spenden entgegen, hieß es. Wie die SPD-Landtagsfraktion mitteilte, soll der Vogelpark kurzfristig mit 50.000 Euro aus dem Vorpommern-Fonds unterstützt werden.

Zoos geschlossen, Veranstaltungen fallen aus

Der Rostocker Zoo und der Wildpark in Güstrow blieben am Sonntag aus Sicherheitsgründen geschlossen. Beide Einrichtungen teilten mit, das Gefahr für Tiere und Besucher durch die große Schneelast auf den Bäumen bestehen könnte. Das geplante große Osterfeuer zur Saisoneröffnung im IGA-Park in Rostock-Schmarl wurde ebenfalls abgesagt. Das Gelände ist wegen der Schneemassen unpassierbar. Das traditionelle Vineta-Osterspektakel in Zinnowitz auf der Insel Usedom ist zum ersten Mal in seiner 20-jährigen Geschichte abgesagt worden.

Lebensgefahr in Wäldern

Der Start des Müritz-Nationalparktickets fiel aus, weil es dort keinen Winterdienst gebe. Die Busse kamen nicht ins Schutzgebiet. Ab wann die Busse wieder fahren, ist noch unklar. Das Nationalparkamt Vorpommern warnte unterdessen vor dem Betreten der Wälder. Es bestehe Lebensgefahr aufgrund herabstürzender Äste und umbrechender Bäume.

Zwar ist für die nächsten Tage ein Temperaturanstieg angekündigt. Doch hat nach Einschätzung des Meteorologen Stefan Kreibohm aus dem NDR Wetterstudio auf Hiddensee der Schnee im Nordosten noch etwas Bestand. "In der Nacht erwarten wir wieder Frostgrade. Das konserviert den Schnee. 30 bis 40 Zentimeter gehen so schnell nicht weg", erklärte Kreibohm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.04.2018 | 08:00 Uhr

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