Ein Rentner mit Rollator betritt den Arzt-Raum einer Impfstraße (im Impfzentrum auf dem Messegelände Hannover). © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata

LAGuS löscht Impf-Registrierungen

Stand: 27.05.2021 13:44 Uhr

Die Impfkampagne gewinnt an Fahrt, in Mecklenburg-Vorpommern haben mit Stand Donnerstag mittlerweile 42 Prozent aller Erwachsenen eine Erstimpfung bekommen. Jetzt sollen verstärkt Kinder und Jugendliche mit dem Corona-Schutz versorgt werden. Doch bei den Älteren, die eigentlich zu den sogenannten "vulnerablen Gruppen" gehören, gibt es noch immer erhebliche Lücken und Probleme.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Wie viele in seinem Alter hat es auch Günther Wulff nicht so mit der Technik. Der 77-Jährige aus der Nähe von Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg-Vorpommern hat sich deshalb von seiner Tochter Jana helfen lassen. Sie erledigte für ihn Anfang April die Registrierung im Impfzentrum - online. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) schickte ihm auch ziemlich schnell eine Bestätigung der Registrierung - mit dem Versprechen, sich "schnellstmöglich mit ihm in Verbindung zu setzen".

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Geringe Impfstoffmengen - keine Angebote für Erstimpfung

Doch dann passierte erstmal nichts. Vor einigen Tagen gab es erneut eine Mail. Man bedauere, dass man bis heute kein Impfangebot unterbreitet habe. Wulff und seine Tochter staunten nicht schlecht über den weiteren Inhalt: "Aufgrund der geringen Mengen an verfügbarem Impfstoff können auch in den kommenden Wochen keine Angebote für eine Erstimpfung unterbreitet werden. Wir werden daher Ihre im Rahmen der Registrierung erhobenen Daten aus datenschutzrechtlichen Gründen im Anschluss an diese Information vollständig löschen."

LAGuS löscht komplette Registrierungsdaten

Nach sechs Wochen Wartezeit gab es nicht den erhofften Impftermin. "Zusätzlich" löschte das LAGuS die komplette Anmeldung und setzte damit alles auf Start zurück. In der Mail an Günther Wulff schreibt das Amt, er habe die Möglichkeit sich erneut für eine Impfung in einem Impfzentrum der eigenen Wahl zu registrieren. Zur Verabschiedung heißt es: "Bleiben sie gesund."

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Wulff versucht es jetzt bei seinem Hausarzt

Bei Wulff ist wegen der Absage die Enttäuschung groß. Er gehöre als 77-Jähriger doch in die Prioritätsgruppe zwei, sagt er. Die Sache mit dem Impfen müsste doch schneller gehen. "Man hat sich doch gefreut, dass man schon die erste Nachricht bekommen hat, und dann mit'mal die negative Nachricht, dass man wieder alles neu machen muss." Das sei doch nicht in Ordnung, man könne doch nicht alles doppelt machen. Wulff versucht es jetzt bei seinem Hausarzt, da hat er aber noch keine Rückmeldung. Auch Hausärzte klagen, dass sie zu wenig Impfstoffe haben. Die Kassenärztliche Vereinigung hat erst vor wenigen Tagen vor einem Engpass gewarnt.

LAGuS: Kein Einzelfall

Das LAGuS bestätigt die Absagen. Es handele sich auch nicht um einen Einzelfall. Alle Landkreise seien betroffen, und zwar immer dann, wenn eine Impfung in Außenstellen der Impfzentren gewünscht sei. In denen würden künftig keine Impftermine mehr vergeben. Impfungen gebe es nur noch in den größeren Impfzentren. Allerdings könne niemand sagen, wann so viel Impfstoff zur Verfügung stehe, dass jeder Impfwunsch zeitnah erfüllt werden könne.

Wiederholungsimpfungen stehen an

Gerade die Zahl der Erstimpfungen geht zurück. Am vergangenen Dienstag waren es 4.400 - verglichen mit 10.200 Zweitimpfungen. Diese Wiederholungsimpfungen stehen jetzt an. Von den 540.000 Menschen über 60 Jahren haben bisher gut 392.000 eine erste Impfung bekommen - es fehlen noch fast 30 Prozent. Das LAGuS weist auf die Möglichkeit hin, sich per Telefon im Callcenter einen Impftermin zu organisieren. Aber wie viele in seinem Alter hat Günther Wulff es nicht so mit Warteschleifen in den Hotlines. Er wartet jetzt auf seinen Hausarzt - auch das LaGuS meint, der sei "der erste Ansprechpartner für die Coronavirus-Schutzimpfung".

Hausärzteverband: Es fehlt an Impfstoff

Der Hausärzteverband des Landes dämpft jedoch die Erwartungen. Aktuell müssten viele Menschen vertröstet werden, die eine Erstimpfung erhalten wollen, es fehle deutschlandweit an ausreichendem Impfstoff. "Wir sind angehalten, mit den vorhandenen Dosen vorrangig Menschen zu impfen, die die Zweitimpfung benötigen“, sagt Verbandschef Stefan Zutz. Leider sei die Situation vollkommen unübersichtlich. Kein Hausarzt könne genau sagen, ob und wann er seine bestellten Lieferungen erhält. „Nach wie vor werden die Impfzentren deutschlandweit zuerst bedacht und wir Hausärzte bekommen, was übrigbleibt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 27.05.2021 | 13:00 Uhr

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