Stand: 04.09.2018 04:41 Uhr

Kreis überprüft Grundstücksverkäufe auf Usedom

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Zwei Wohnhäuser auf Usedom: Umweltschützer und Anwohner klagen über Unregelmäßigkeiten beim Bau in der natürlichen Umgebung.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald wird die zweifelhaften Grundstücksverkäufe in der Gemeinde Benz auf Usedom möglicherweise unter die Lupe nehmen. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage des NDR, man habe veranlasst, dass die Unterlagen zu den Verkäufen zur Durchsicht vorgelegt werden.

Grundstücke an hochrangige Parteifreunde verkauft

Im Mittelpunkt steht der langjährige Bürgermeister von Benz und Amtsvorsteher von Usedom-Süd, Karl-Heinz Schröder (CDU). Auf sein Drängen sind bereits vor Jahren Gemeindegrundstücke am lukrativen Achterwasser an hochrangigen Parteifreunde verkauft worden sein - an Innenminister Lorenz Caffier und den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Stefan Rudolph (beide CDU). Der Landkreis will jetzt offenbar prüfen, ob die Gemeinde die Verkaufsabsichten ausreichend öffentlich bekanntgemacht hat und ob die Preise, die für die Seegrundstücke erzielt wurden, angemessen hoch waren. Man werde zunächst die zuständigen Mitarbeiter befragen, dann werde über ein Vorgehen der Rechtsaufsicht entscheiden.

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Grundstücksverkäufe auf Usedom unter der Lupe

04.09.2018 19:30 Uhr
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Nach den Ungereimtheiten um den Verkauf von Grundstücken in Benz auf Usedom - auch an Innenminister Caffier - gibt es Rücktrittsforderungen gegen Bürgermeister Schröder. Video (02:46 min)

Rückbau ausgeschlossen

Im Fall von Caffier erfolgte der Verkauf fünf Tage nach Eingang des Kaufangebots und zu 50 Euro pro Quadratmeter. Eine Prüfung, ob bei dem Bau der Ferienhäuser im Schilfgürtel jeweils gegen den Naturschutz verstoßen wurde, will der Kreis nicht einleiten - er verweist auf den gültigen Bebauungsplan. Einen vom BUND geforderten Rückbau werde es deshalb nicht geben.

SPD-Politiker fordern Konsequenzen

Die regionale SPD fordert Konsequenzen. Schröder müsse seine Ämter bis zum Abschluss der Prüfungen ruhen lassen, um nicht in Verdacht zu geraten, die Aufklärungsarbeiten zu behindern, so der Vize-Fraktionschef im Kreistag, Günther Jikeli. Die Landes-Vorsitzenden der Linken, Wenke Brüdgam und Torsten Koplin, meinten, wenn Grundstücke für Ferienhäuser unter der Hand an Parteifreunde vergeben wurden, "dann ist das ein Skandal". Schröder, der bei der Landtagswahl vor zwei Jahren als CDU-Direktkandidat auf Usedom scheiterte, hat sich bisher nicht geäußert. Caffier und Rudolph erklärten, der Kauf der Grundstücke und der Bau der Ferienhäuser sei im Rahmen der rechtlichen Regeln erfolgt.

Weitere Informationen

Wie kam Caffier an sein Ferienhaus auf Usedom?

Verträge unter Parteifreunden? Der Bau mehrerer Ferienhäuser auf Usedom sorgt für Streit auf der Insel und in der Landespolitik. Umweltschützer beklagen Regelverstöße und fordern Konsequenzen. (31.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.09.2018 | 06:00 Uhr

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