Stand: 02.03.2017 17:04 Uhr

In MV verschwinden immer mehr Greifvogelhorste

Der Ausbau der Windkraft sorgt in Mecklenburg-Vorpommern für Konflikte. Vielerorts haben sich Bürgerinitiativen gegründet, die nicht wollen, dass in der Nähe ihrer Dörfer und Städte neue Windparks gebaut werden. Die Windräder beeinträchtigen aber auch die Natur. So dürfen in unmittelbarer Nähe zu Horsten streng geschützter Greifvögel eigentlich keine Windkraftanlagen gebaut werden. Es gibt aber offenbar Menschen, die Nester der Vögel zerstören, damit Windräder genehmigt und gebaut werden können.

Adlerhorst

Immer mehr zerstörte Greifvogelhorste

Nordmagazin -

Immer mehr Greifvogelhorste werden zerstört - allein im Landkreis Vorpommern-Greifswald wurden 16 Fälle registriert. Experten vermuten Windkraft-Profiteure als Täter.

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16 zerstörte Horste im Kreis Vorpommern-Greifswald

Der jüngste Fall ereignete sich in der Nähe von Wilhelmsburg bei Ferdinandshof (Landkreis Vorpommern-Greifswald): In unmittelbarer Nähe eines geplanten Windeignungsgebiets verschwand ein Rotmilan-Horst mitsamt des Baumes. Ein Anwohner, der dies bemerkt hatte, meldete es der Unteren Naturschutzbehörde. Es war nicht die erste Meldung: Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat bereits 16 solcher Fälle registriert.

"Gewisses Maß an krimineller Energie"

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Keine Einzelfälle: Überreste eines zerstörten Horstes.

"Für uns zeichnet sich eine Struktur ab - ein Tatmuster, wenn man so will. Dem liegt ein gewisses Maß an krimineller Energie zugrunde", sagt Kreissprecher Achim Foitzheim. Seit 2014 sind landesweit 31 Fälle bekannt. Allein im vergangenen Jahr wurden 16 Horste zerstört. Der Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern verfolgt diese Entwicklung mit großer Sorge.

Windparks breiten sich aus

Der Ausbau der Windkraft sei in den vergangenen Jahren intensiv vorangetrieben worden, sagt Vorsitzender Stefan Schwill. Landesweit drehen sich bereits mehr als 1.600 Windräder. Rund 260 neue sind genehmigt, der Bau von 590 weiteren ist beantragt. Neue Windparks würden immer näher an Siedlungen, Wälder und damit auch an sensible Vogelarten heranrücken, so Schwill. In der Regel gibt es zwar Mindestabstandszonen um die Horst-Standorte von windkraftsensiblen Arten. Bei Rotmilanen sind es laut Umweltministerium 1.000 Meter, bei Schreiadlern sogar drei Kilometer. Dort dürfen keine Windkraftanlagen errichtet werden. Doch "diejenigen, die mit Windenergie viel Geld verdienen wollen, versuchen mitunter durch die Zerstörung solcher Horste eine Genehmigungsfähigkeit herbeizuführen", so Schwill.

Schutzstatus bleibt - auch ohne Horst

Doch das sei ein Irrglaube, sagt Kreissprecher Froitzheim. Den Horstbaum zu fällen, schaffe keine Planungsfreiheit. Denn der Schutzstatus erlischt dadurch nicht. Beim Rotmilan bleibt er drei Jahre bestehen, beim vom Aussterben bedrohten Schreiadler - die bundesweit 100 Brutpaare kommen nur in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vor - sogar zehn Jahre. Außerdem ist die Beharrlichkeit mancher Greifvögel nicht zu unterschätzen. "Wir haben beobachtet, dass die Vögel wiedergekommen sind, offensichtlich weil die Lage für die Tiere so attraktiv ist. Sie haben sogar noch näher an die Planungsflächen heran gebaut", so Froitzheim.

Ministerium verweist auf hohe Strafen

Sowohl im Umwelt- als auch im Energieministerium ist das Problem bekannt. Umweltminister Till Backhaus (SPD) warnt: Die Horstzerstörung ist eine Straftat und kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Aus dem Energieministerium heißt es, dass hierzulande auf dem Gebiet der Windkraft weitgehend Profis arbeiteten. Diese würden als potenzielle Täter ausscheiden. Schwarze Schafe könnten allerdings nie in Gänze ausgeschlossen werden.

Die Täter bleiben unbekannt

In Vorpommern-Greifswald wurde gegen die unbekannten Täter ermittelt. "Da gab es leider seitens der Strafverfolgungsbehörden keine Rückmeldung, die Täter konnten nicht ermittelt werden", so Froitzheim. Es wird vermutet, dass es sich bei den schwarzen Schafen um Profiteure der Windkraft handelt, wie etwa Landeigentümer. Der Nabu-Vorsitzende Schwill fordert, den Ausbau der Windkraft im Land nicht an Flächen zu koppeln. Bestehende Windparks sollten mit leistungsstärkeren Anlagen ausgebaut werden, anstatt den Druck auf Mensch und Natur weiter zu erhöhen.

Weitere Informationen

Naturschützer: Windkraft Gefahr für Schreiadler

Umweltschützer kritisieren die Ausweitung von Windkraft-Eignungsgebieten in Vorpommern. Sie seien eine große Gefahr für die dort lebenden Schreiadler. Die Anlagen rückten immer näher an die Horste. (06.12.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.03.2017 | 16:15 Uhr

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