Stand: 16.05.2018 11:39 Uhr

Grundeinkommen: Ein Jahr Geld ohne Gegenleistung

von Jette Studier, NDR Fernsehen

Stefan Funke hat seinen Traumberuf gefunden. Er habe nie etwas anderes werden wollen als Gärtner, sagt er. Ein beruflicher Neustart kam deshalb nicht in Frage, als Funke vor zwei Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen gewann.

Gewinner des bedingungslosen Grundeinkommen

Leben mit dem bedingungslosen Grundeinkommen

Nordmagazin -

Stefan Funke hat im Gewinnspiel von "Mein Grundeinkommen" gewonnen - und ein Jahr lang 1.000 Euro bekommen - ohne Auflagen. Er hat dennoch genau so viel gearbeitet wie sonst.

5 bei 12 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Initiative verlost Grundeinkommen

Dafür hatte er sich online bei der Initiative "Mein Grundeinkommen" angemeldet. Auf das Projekt, erzählt er, habe ihn sein Sohn damals aufmerksam gemacht. Auf das Konto des Gewinners flossen dann ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro, ohne dass er dafür Leistungen erbringen musste - bedingungslos. Heute sagt Funke, der mit seiner Frau in Dümmer (Ludwigslust-Parchim) eine Bio-Gärtnerei betreibt, über diese Zeit: "Grundsätzlich hat sich nichts verändert."

Monatlich 250.000 Euro Spenden

180 Grundeinkommen hat der Berliner Verein "Mein Grundeinkommen" mittlerweile verlost. Stefan Funke war die Nummer 23. Hinter dem Projekt steht das Crowdfunding-Prinzip: Online werden Spenden gesammelt bis 12.000 Euro - ein Jahresgrundeinkommen - zusammengekommen sind. Anschließend wird aus allen Nutzern, die sich online registriert haben, ein Gewinner gezogen. Mittlerweile haben fast eine Millionen Menschen mitgemacht. Monatlich werde derzeit eine viertel Million Euro gespendet, erzählt Michael Bohmeyer, der die Idee zum Projekt hatte.

Macher sieht "neues Lebensgefühl"

Bild vergrößern
Michael Bohmeyer hat die Initiative "Mein Grundeinkommen" gegründet.

Seine These: Das Grundeinkommen nehme vielen Menschen, auch denen, die eigentlich genug Geld zum Leben haben, eine grundsätzliche Unsicherheit: "Es erwächst ein neuer Mut, eine neue Kreativität - und das alles nicht weil es mehr Geld gibt, sondern weil dieses Geld ohne Gegenleistung kommt", sagt Bohmeyer. Er kann von Gewinnern berichten, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagten oder mehr Zeit ins Ehrenamt steckten, auch von chronisch Kranken, denen es besser ging, weil der Druck weg war. Ein "neues Lebensgefühl" habe er beobachtet, sagt Bohmeyer. Das bleibe auch über das Jahr mit Grundeinkommen hinaus.

Kein Neustart, aber eine Hilfe

Radikale Brüche gab es im Arbeitsleben von Stefan Funke nicht, aber auch er hatte einen Plan für seinen Gewinn. Ursprünglich wollte Funke einen zusätzlichen Gärtner einstellen, um so Zeit für die eigene Forschung im Bio-Anbau zu haben. Den Plan musste er aufgeben. Denn der Gärtner, den Funke einstellen wollte, entschied sich für die eigene Selbstständigkeit. Außerdem war das Gemüse in seinen Gewächshäusern von Krankheiten befallen. Der Umsatz ging zurück. In dieser Situation half das Grundeinkommen. Funke sagt, er habe so keinem Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen müssen. Seine Forschung trieb er trotzdem voran - neben der laufenden Arbeit. Er glaubt, dass auch andere mit einem sicheren Einkommen ihre Möglichkeiten nutzen würden: "Das habe ich ein sehr positives Menschenbild."

Initaitive plant nächsten Schritt

In Berlin will der Verein "Mein Grundeinkommen" auf diese Fragen weitere Antworten finden. Der nächste Schritt der Initiative: ein Pilotprojekt, bei dem sich 100 Menschen mindestens fünf Jahre lang gegenseitig ein Grundeinkommen finanzieren. "So wie es auch in der Gesellschaft wäre", erklärt Initiator Bohmeyer. Gärtner Stefan Funke sagt, für ihn seien nach einem Jahr mit Grundeinkommen noch viele Fragen offen. Deshalb wünscht auch er sich ein größeres Experiment , dass wissenschaftlich begleitet wird. Dabei findet er, müsste auch die Politik unterstützen.

Weitere Informationen
NDR Info

Weiß: "Ziel muss der erste Arbeitsmarkt sein"

29.03.2018 06:50 Uhr
NDR Info

Für CDU-Arbeitsmarktexperte Weiß führt die Debatte um mögliche Alternativen zu Hartz IV am Ziel vorbei. Langzeitarbeitslose müssten wieder in den regulären Arbeitsmarkt eingegliedert werden. (29.03.2018) mehr

Link

Hartz-IV-Debatte: Mehr als nur das Grundeinkommen

Geht es nach dem Willen mehrerer Politiker, soll Hartz IV reformiert werden - und das möglichst rasch. In der Debatte gehen einige Begriffe durcheinander. Ein Überblick bei tagesschau.de. (29.03.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin - Land und Leute | 16.05.2018 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:29
Nordmagazin

Grundschüler in Waren werden Streitschlichter

15.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:10
Nordmagazin

Deponie Ihlenberg: Mehr Kontrollen angekündigt

15.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
05:46
Nordmagazin

CDU-Konferenz zur Merkel-Nachfolge

15.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin