Stand: 08.06.2017 07:00 Uhr

Frauenhäuser in MV klagen über Überlastung

In den Frauenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern werden die Plätze knapp. Ein Drittel der Einrichtungen ist nach Angaben der zuständigen Landesarbeitsgemeinschaft komplett belegt. Eine Ursache: Vor allem Flüchtlingsfamilien suchen Schutz vor gewalttätigen Ehemännern oder anderen Angehörigen. In drei von neun Einrichtungen gibt es keine freien Plätze. Auch in den übrigen sind die Zimmer knapp.

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Hilfe bei häuslicher Gewalt

14.02.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin

Gisela Best ist Landeskoordinatorin gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in MV. Sie arbeitet an einem Hilfenetz, das Opfern und Tätern einen Weg aus der Gewalt ermöglicht. Video (03:50 min)

Viele Flüchtlinge unter den betreuten Frauen

In Schwerin sind zurzeit drei Migrantinnen mit ihren Kindern untergebracht - die zwölf Plätze sind fast komplett belegt. In Wismar, Ribnitz-Damgarten und Ludwigslust können die Frauenhäuser zurzeit niemanden mehr aufnehmen. In Ludwigslust sind vor allem Frauen aus dem arabischen Raum untergebracht. "Offenbar erkennen die Frauen, dass sie in Deutschland ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen können", sagte eine Mitarbeiterin. Eine Kollegin ergänzte, dass die Männer der Betroffenen oft offen gewalttätig seien und Leib und Leben akut bedrohen würden. Zwangsverheiratungen seien immer wieder ein Problem, auch die traumatischen Erfahrungen der Kinder, die im Krieg und auf der Flucht Schlimmes erlebt hätten, stellten die Mitarbeiterinnen vor besondere Probleme. Allerdings seien Beratung und Betreuung wegen der Sprachbarrieren schwierig, Dolmetscher seien fast ausnahmslos Männer aus dem gleichen Kulturkreis, es gebe Zweifel an ihrer Übersetzungsleistung. Wichtig für die Frauen seien Deutschkurse.

"Belastungsgrenze ist erreicht"

"Zu uns kommen auch immer wieder Frauen, die anderswo vom Ehrenmord bedroht werden", heißt es aus Rostock. In der Hansestadt gibt es mit 29 Plätzen landesweit das größte Frauenhaus. Hier werden auch Frauen aus anderen Bundesländern aufgenommen  Der Anteil von Frauen aus Bürgerkriegsstaaten - vor allem Syrien - sei besonders hoch, berichten Mitarbeiterinnen anderer Frauenhäuser. Die Personal- und Ausstattungsprobleme, unter denen die Frauenhäuser im Land seit langem zu leiden hätten, würden jetzt deutlicher zu Tage treten, heißt es beispielsweise aus Greifswald. Die Belastungsgrenzen seien schon vorher erreicht worden. Mitarbeiter beklagen geringe Bezahlung und die Belastung durch Bereitschaftsdienste.

Hoffnungen auf die designierte Ministerpräsidentin

Das Land fördert die Frauenhäuser - fünf von ihnen werden von der Arbeiterwohlfahrt AWO betrieben - mit 700.000 Euro pro Jahr. Seit 2005 ist die Förderung laut Angaben der landesweiten Koordinierungsstelle CORA nahezu unverändert geblieben. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) hat offenbar die Probleme erkannt. Es gebe eine erhöhte Nachfrage geflüchteter Frauen seit Anfang 2016, teilte ihr Ministerium mit. Sie will die Beratung und Betreuung mit zusätzlichem Personal verbessern. Ein Ministeriumssprecher erklärte auf Anfrage, die Ministerin werde sich dafür in den anstehenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt einsetzen. In den Frauenhäusern erhofft man sich auch Rückendeckung durch die designierte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), sie habe sich in der Vergangenheit immer für die Einrichtungen eingesetzt. In den neun Frauenhäusern gibt es 174 Plätze.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.06.2017 | 08:00 Uhr

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