Stand: 23.08.2019 20:54 Uhr

"Forstrock" gestartet: Jamel rockt wieder gegen Rechts

In Jamel bei Wismar hat am Freitagabend das zweitägige Open-Air-Festival "Jamel rockt den Förster" begonnen. Bei der inzwischen 13. Auflage soll wie jedes Jahr an zwei Tagen ein Zeichen gegen die starke Neonazi-Szene in dem rund 50 Einwohner zählenden Ort gesetzt werden. Seit 2007 wird das Festival vom Ehepaar Lohmeyer auf dem eigenen Hof organisiert. Was einst als ein Sommerfest für Freunde und Verwandte begann, ist heute ein kulturpolitisches Projekt für Demokratie und Toleranz - und jedes Jahr hochkarätig besetzt.

Der Korrespondent Jan Farclas in Jameln.

Festival "Jamel rockt den Förster" startet

Nordmagazin -

Das Musik-Festival "Jamel rockt den Förster" hat sich dem Kampf gegen Rechts verschrieben. Welche Stars zaubern die Veranstalter dieses Jahr aus dem Hut? Jan Farclas berichtet.

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Schwesig dankt den Organisatoren

"Wir sagen Horst und Birgit Danke, weil sie nicht nur an diesem wunderbaren Tag, sondern an 365 Tagen im Jahr Flagge zeigen gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus", sagte Schirmherrin und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Eröffnung. "Sie sind unsere Vorbilder, solche Leute brauchen wir." DGB-Chef Reiner Hoffmann überreichte den Lohmeyers eine Demokratie-Aktie im Wert von 5.000 Euro. "Ich bin davon überzeugt, sie ist gut angelegt", sagte Hoffmann. Die Demokratie-Aktie ist eine Initiative, die sich seit 2008 für ein demokratisches, freiheitliches und weltoffenes Mecklenburg-Vorpommern starkmacht.

Tickets jedes Jahr nach Stunden ausverkauft

Rund 1.200 Festivalbesucher werden auf dem Forsthof erwartet. "Selbst die Wetterprognose stimmt. Läuft alles", sagte Birgit Lohmeyer. Auch in diesem Jahr werden wieder Stars der nationalen und internationalen Musikszene auf der Bühne stehen, die im Voraus nicht bekannt gegeben werden. Im vergangenen Jahr standen Herbert Grönemeyer, Bosse, Kettcar und die Rapper Marteria und Casper auf der Bühne. In den Vorjahren wurde das Publikum von Bands wie den Toten Hosen, den Ärzten, Fettes Brot und Alphaville überrascht. Die Festivaltickets waren wie in den vergangenen Jahren bereits nach wenigen Stunden ausverkauft.

Für den Freitag wurde unter den rund 1.200 Besuchern über Auftritte von Max Herre, den Donots und Samy Deluxe gemunkelt. Neben der Live-Musik gibt es auch wieder ein politisches Rahmenprogramm mit Info-Ständen und Workshops von demokratischen Initiativen und Vereinen.

Ein Ehepaar bietet Neonazis die Stirn

Wirbel um verpachtete Wiese

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Schirmherrin ist die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Birgit und Horst Lohmeyer leben seit 15 Jahren in Jamel. Dort hat der vorbestrafte Rechtsextremist Sven Krüger Gleichgesinnte um sich geschart. Von Anfang an wurden die Lohmeyers von ihnen angefeindet. 2015 wurde ihre Scheune angezündet, die Täter nie gefunden. Für ihr Engagement erhielten die Lohmeyers zahlreiche Preise - unter anderem den Paul-Spiegel-Preis. Zuletzt sorgte die Nachricht für Wirbel, dass die Gemeinde Gägelow, zu der Jamel gehört, eine Wiese in der Dorfmitte an einen mutmaßlichen Neonazi für 65 Euro pro Jahr verpachtete. Die kommunale Wiese war für das Festival genutzt worden und diente der Polizei als Abstellfläche für Kontrollen, wenn auf dem Grundstück Krügers Neonazis feierten.

Krüger in Gemeindevertretung, Lohmeyer nicht

Nachdem die Verpachtung öffentlich wurde, beschäftigte sich die Gemeindevertretung mit dem Fall - und bestätigte den Vertrag zunächst. Bei den Kommunalwahlen im Mai wurde eine neue Gemeindevertretung gewählt - und ein neuer Bürgermeister. Amtsinhaber Friedel Helms-Ferlemann (CDU) will den Pachtvertrag prüfen, wie er erklärte. Gegebenenfalls soll die Gemeindevertretung über eine Kündigung des Vertrags neu entscheiden. In dem Gremium sitzt seit Mai allerdings auch Krüger, er bekam bei der Wahl 281 Stimmen. Birgit Lohmeyer, die ebenfalls kandidierte und dafür kurz zuvor in die SPD eingetreten war, scheiterte mit 37 Stimmen deutlich.

Weitere Informationen
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Im Nazidorf

29.11.2016 21:15 Uhr
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Jamel in Mecklenburg-Vorpommern gilt als Nazidorf: Die meisten Einwohner gehören der rechtsextremen Szene an. Doch im Sommer 2015 wohnte Michel Abdollahi mitten unter ihnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.08.2019 | 08:00 Uhr

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