Menschenmengen und Verkehrschaos am Flughafen von Kabul, Afghanistan © picture alliance / AA Foto: Sayed Khodaiberdi Sadat

Flüchtlinge aus Afghanistan: MV verspricht "schnelle und unbürokratische" Aufnahme

Stand: 18.08.2021 16:19 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern hat sich bereit erklärt, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Es sollen überwiegend Ortskräfte kommen. Innenminister Torsten Renz (CDU) versprach eine zügige Aufnahme.

"Die afghanischen Helfer dürfen jetzt nicht im Stich gelassen werden. Das Gebot der Stunde ist, die zu unterstützen, die uns unterstützt haben", teilte Renz am Mittwochnachmittag nach einer Besprechung mit den Innenministern und -senatoren der Bundesländer mit. Seine Behörde stehe bereits mit den Landkreisen und kreisfreien Städten im Gespräch, um "schnell und unbürokratisch die Aufnahme zu gewährleisten", so Renz weiter. Nach früheren Angaben des Innenministeriums gehe es vor allem um sogenannte Ortskräfte, die deutschen Organisationen in dem Land bei der Bewältigung ihrer Arbeit geholfen haben. Diese seien großen Gefahren ausgesetzt, hieß es. 30 dieser früheren Ortskräfte leben bereits in Mecklenburg-Vorpommern. Nach MV kommen gemäß eines bereits festgelegten Schlüssels entsprechend der Einwohnerzahl rund zwei Prozent der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge.

Massenflucht in Kabul: "Lassen Sie uns nicht im Stich"

Seit dem Einzug der militant-islamistischen Taliban am Wochenende in Kabul hat dort eine Massenflucht eingesetzt. Die seit Jahren in Rostock lebende Afghanin Rona Noori, die sich im dortigen Migrantenrat engagiert, sprach bei NDR MV LIVE von einem "Schock", den die jüngsten Nachrichten von der faktischen Machtübernahme der Taliban in dem Land am Hindukusch bei ihren Landsleuten ausgelöst habe. "Wir wünschen uns. Bitte lassen Sie uns nicht im Stich."

Flüchtlingsrat fordert großzügiges Aufnahmeprogramm des Landes

Die Vorsitzende des Flüchtlingsrates MV, Ulrike Seemann-Katz, sprach sich dafür aus, dass Deutschland sehr großzügig mit den Visa für Afghanen umgehe. "Was wir aber auch fordern, dass die Menschen aus Afghanistan, die hier im Land nur geduldet sind, eine Aufenthaltserlaubnis bekommen." Eine Abschiebung nach Afghanistan komme nicht infrage. In MV leben Laut Seemann-Katz derzeit rund 400 Menschen aus Afghanistan mit einem Duldungsstatus. Sie forderte zudem, dass Mecklenburg-Vorpommern ein großzügiges Landesaufnahmeprogramm auflege.

Unklarheit über Zahl der ankommenden Flüchtlinge

Doch wie viele Flüchtlinge werden in Folge der jüngsten Ereignisse in Afghanistan überhaupt nach Deutschland kommen? Das lasse sich nicht absehen, meint der Journalist Rüdiger Lentz, der früher selbst Afghanistan-Korrespondent und von 2013 bis 2020 Direktor des Aspen Institute Deutschland in Berlin war. Die Bundesregierung spreche von rund 10.000. Aber möglicherweise sei die Zahl höher. Allein die Bundeswehr habe mit rund 3.000 Ortskräften zusammengearbeitet. Dazu kämen noch zahlreiche Afghanen, die für Hilfs-, Entwicklungs- oder kirchliche Organisationen gearbeitet hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.08.2021 | 15:40 Uhr

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