Stand: 07.09.2018 18:23 Uhr

Blauzahn-Schatz: Finder lehnen Preis ab

Die Finder des Blauzahn-Münzschatzes von Rügen - eine Gruppe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger - lehnen die Annahme des Denkmalpreises des Landes Mecklenburg-Vorpommern ab. Darüber hat die Interessengemeinschaft "De Ackerlöper" das Kulturministerium informiert. Der Friedrich-Lisch-Preis sollte den Bodendenkmalpflegern eigentlich am Sonntag von Kulturministerin Birgit Hesse (SPD) im Stralsunder Rathaus verliehen werden. Mehrere Mitglieder der Gruppe hatten im Januar den spektakulären Silberschatz bei Schaprode mit wertvollen Blauzahn-Münzen gefunden.

Hobby-Archäologen finden Schatz auf Rügen

Gruppe sieht Arbeit nicht ausreichend gewürdigt

"Dass es jetzt so kurz vor Schluss vor Überreichung des Preises die Reißleine gezogen wurde, tut mir auch leid", sagte der Sprecher der Gruppe, Michael Parchow, im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. "Aber der Schatz ist nicht der Hauptfund der Gruppe. Wir wollten auch nicht, dass das Ganze so einen Hype nimmt." Die Gruppe von Bodendenkmalpflegern sehe in ihrem Ehrenamt andere Aufgaben, als nur Schätze zu bergen, so Parchow. Vielmehr gehe es um die archäologische Sicherung der Insel-Geschichte in Zusammenarbeit mit der oberen Denkmalbehörde. Mit der Fokussierung auf den Schaproder Fund werde die eigentliche Arbeit der ehrenamtlichen Archäologen auf Rügen in der Auszeichnung nicht ausreichend berücksichtigt.

Kritik an Medienberichterstattung

Parchow kritisierte darüber hinaus auch die Darstellung der Ereignisse vom Januar dieses Jahres in den Medien. Der Fund sei in der Öffentlichkeit vor allem dem 13-jährigen Luka Malaschnitschenko zugeschrieben worden. Dabei sei ein achtköpfiges Team an dem Fund beteiligt gewesen. "Kleiner Junge, der einen Schatz gefunden hat - damit kann man natürlich eine gute Auflage machen", so Parchow. Dem Presserummel rund um den spektakulären Fund sei die Gruppe nicht gewachsen gewesen. Sie wäre daran beinahe zerbrochen, so Parchow. Plötzlich seien sie nur noch die Schatzsucher gewesen. "Die Aufgaben von ehrenamtlichen Denkmalpflegern aber sind ganz andere."

Ministerin überrascht

Ministerin Hesse reagierte überrascht auf die Ablehnung des Preises, sie respektiere die Entscheidung aber. "Es wäre allerdings sehr schade, wenn die Verdienste dieser engagierten Gruppe von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern dadurch in den Hintergrund treten würden", erklärte Hesse am Freitag. Die Arbeit der Ehrenamtlichen lobte sie ausdrücklich: "Sie haben sich zusammengefunden, um sich gemeinsam für das archäologische Kulturerbe in ihrer Heimatregion einzusetzen. Das tun sie mit großem Erfolg."

Symbolische Preisträger-Lösung

Sie wolle nun aus der Not eine Tugend machen den Denkmalpreis symbolisch allen ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern im Land widmen. Das Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro werde deshalb dem Landesarchäologen Detlef Jantzen zur Verfügung gestellt. Jantzen werde das Geld zur Weiterbildung der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger verwenden, hieß es - beispielsweise für Exkursionen zu aktuellen archäologischen Ausstellungen.

Wirbel um Preisträger

Ursprünglich war die Gruppe der Bodendenkmalpfleger gar nicht für den Preis vorgeschlagen gewesen. Lediglich eines ihrer Mitglieder, der 13-jährige Luka Malaschnitschenko, sollte den Nachwuchspreis bekommen. Doch Ministerin Hesse hatte sich über die nicht-bindenden Jury-Vorschläge hinweggesetzt und wollte die gesamte Gruppe mit dem Hauptpreis auszeichnen. Malaschnitschenko und sein Vater werden mittlerweile nicht mehr als Mitglieder der Gruppe geführt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.09.2018 | 16:00 Uhr

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