Stand: 27.03.2020 05:20 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Datenschützer schaltet sich bei Corona-Tests in Rostock ein

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Das Testverfahren der Firma Centogene hat das Interesse des Landes-Datenschutzbeauftragten geweckt. (Archivbild)

Ein umstrittenes Corona-Testverfahren in Rostock ruft den Datenschutz-Beauftragten des Landes, Heinz Müller, auf den Plan. Müller sagte NDR 1 Radio MV, er werde Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) um Informationen zu den Tests der privaten Medizin-Firma Centogene AG aus Rostock bitten. Der Datenschutzbeauftragte schaltet sich mit einem "Auskunftsersuchen" ein, weil es offenbar von dritter Seite Bedenken gibt, was mit den Proben und den persönlichen Angaben der Getesteten geschieht.

Datenschützer: Kein Verdacht, nur Frage

Sie müssen sich online registrieren. Müller sagte, er habe keinen Verdacht und wolle nur fragen. Die börsennotierte Centogene ist nach eigenen Angaben eine der größten Firmen der Biomedizin- und Gentechnik-Branche weltweit. Ihr Schwerpunkt sind die Erforschung und Behandlungsmöglichkeiten seltener Erbkrankheiten. Auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise am 18. März ist der Centogene-Aktienkurs von 13,10 Euro auf den Rekordwert von 20,20 Euro hochgeschnellt, mittlerweile hat er sich wieder bei 14,60 Euro eingependelt.

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Centogene: Datenschutz wird eingehalten

Centogene-Chef Arndt Rolfs versicherte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV, alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen würden eingehalten. Seine Firma übernehme mit den Tests eine "gesellschaftspolitische Aufgabe" und sie sei dabei frei von wirtschaftlichen Interessen. Die Kosten für die bereits durchgeführten Tests würden niemandem in Rechnung gestellt. Es sei wichtig, so viele Menschen wie möglich zu testen und ihnen bei negativem Befund die Gewissheit zu geben, dass sie "mit höchster Wahrscheinlichkeit" nicht infiziert seien.

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Tiefere Erkenntnisse möglich

Dadurch ließen sich auch Daten über die tatsächliche Infektionsrate gewinnen. Möglicherweise könne man auf dieser "rationalen Faktenbasis" ablesen, dass sich die Krankheit regional unterschiedlich ausbreite und dass harsche Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens schneller gelockert werden könnten. Rolfs erklärte, das Landesgesundheitsamt (LaGuS) sei bereits vor zehn Tagen über das Test-Verfahren informiert worden, noch sei es von dort nicht zertifiziert worden.

RKI gegen vorsorgliche Tests

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin rät bisher von vorsorglichen Tests ab. Diese sollten nur durchgeführt werden, wenn tatsächlich typische Corona-Symptome auftreten. Ansonsten habe ein Ergebnis wenig Aussagekraft. Auf der Internet-Seite des RKI heißt es: "Wenn man gesund ist, sich aber noch in der Inkubationszeit befindet (kann bis zu 14 Tage betragen), sagt ein negativer Test auf COVID-19 nichts darüber aus, ob man doch noch krank werden kann."

Skepsis in Kommunal- und Landespolitik

Auch wegen dieser Aussagen gilt der Centogene-Test in der Kommunal- und Landespolitik als umstritten. Landräte gehen auf Abstand zu dem Rostocker Vorgehen. Hinter vorgehaltener Hand werden der Firma rein kommerzielle Interessen nachgesagt, um großflächige Tests gewinnbringend auf den Markt zu bringen. "Hier will einer mit der Katastrophe Geld verdienen", heißt es. Auch deshalb werde jetzt ein großer Druck aufgebaut, die Tests auf andere Regionen aufzuweiten. Dabei würden die Tests die Betroffenen wegen einer fehlenden Aussagekraft in eine "falsche Sicherheit wiegen". Die Landesregierung hält sich mit Unterstützung zurück. Centogene-Chef Rolfs sagte, es sei bedauerlich, dass das Projekt "politisch zerredet" werde.

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NDR 1 Radio MV | 27.03.2020 | 06:00 Uhr

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