Torsten Zarnikow © NDR

Corona und wir in MV - Was das Virus mit uns macht (4)

Stand: 27.02.2021 22:16 Uhr

Wie werden wir uns in Zukunft wohl an diese Zeit erinnern? Zweifellos hat Corona unsere gewohnte Normalität verändert, in allen Lebensbereichen. Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern erzählen, wie sie diese Bewährungsprobe erleben, was sie bewegt und worüber sie nachdenken. "Corona und wir in MV" - eine vorläufige Momentaufnahme.

3. März: Covid-19 wird zum ersten Mal bei Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Das ist der Anfang. In den Monaten darauf verändert Corona unser Leben. Wir müssen viel Neues lernen: "Lockdown" oder "Homeoffice".  Die Schutzmaßnahmen wirken. Ist das Virus bezwungen? Das hoffen viele. Es kommt anders. Im Herbst schießt die Zahl der Neuinfizierten in die Höhe, Städte und Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern werden zu Risikogebieten. Es folgt: der zweite Lockdown, erst "light", dann strenger. Das ist der Stand im Dezember 2020, am Ende eines bemerkenswerten Jahres.

Was Corona mit uns macht

Der NDR in MV hat über sie berichtet: die Krankenschwester, den Koch, den Konstrukteur der MV-Werften, die Kleinunternehmerin ebenso wie über die Künstlerin und das Kinobetreiber-Ehepaar. Aber auch über Schüler, Schulleiter, Schausteller, eine Schwester im Hospiz sowie eine Friseurin und einen Familienvater, eine Dorfladenbesitzerin, einen Geschäftsinhaber auf Rügen und eine Amtsärztin aus dem Gesundheitsamt. Was hat Corona mit ihrem Arbeitsalltag, mit ihrem Leben gemacht?

Laura Isabelle Marisken, Bürgermeisterin: "Das werden wir nie vergessen"

Mitte März 2020 sperrt Mecklenburg-Vorpommern schlagartig die Inseln für Touristen. "Der Lockdown - das werden wir nie vergessen", sagt Laura Isabelle Marisken. Die damals 31-Jährige ist erst kurz zuvor zur Bürgermeisterin des Ostseebads Heringsdorf auf Usedom gewählt worden. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich bald Verordnungen, Anfragen. Auch eine Checkliste für den Bedarf an Schutzausrüstung ist von der Verwaltung auszufüllen. "Und dann kam die Frage: Wie viele wiederverschließbare Leichensäcke möchten Sie für Ihre Gemeinde bestellen? Ich glaube, solch eine Frage möchte keiner gestellt bekommen." Noch eine Sorge: Die Pandemie reißt ein Loch in Millionenhöhe in die Gemeindekasse. Steuereinnahmen fehlen. Die Bilder der menschlenleeren Promenade im Frühjahr haben sich der jungen Bürgermeisterin eingebrannt. Im Sommer muss Marisken Urlauber aus Risikogebieten wieder nach Hause schicken. Zu 80 Prozent hängt das Seebad Heringsdorf vom Tourismus ab, normalerweise verzeichnet die Gemeinde mit 8.500 Einwohnern 3,9 Millionen Übernachtungen von Urlaubern.

Torsten Zarnikow, Familienvater: "Neuen Computer gekauft"

Und noch eine Zahl: 2.726. So viele Kinder und Jugendliche sind allein im November in Quarantäne, weil es Corona-Fälle an ihren Schulen gibt. Felix Zarnikow aus Hohen Wangelin lernt schon länger nur zu Hause, denn seine Geschwister und sein Vater gehören zur Risikogruppe. Der 14-Jährige macht Hausaufgaben allein am Computer, den der Vater neu gekauft hat.

Vater Torsten Zarnikow macht sich Sorgen. "Felix träumt ja davon, eine Lehre zu beginnen." Er hat Angst, dass seine Kinder schulisch abgehängt werden und auch sozial den Anschluss verlieren. Nachhilfe soll Abhilfe schaffen. Immerhin: "Soviel Zeit im Alltag hatten wir als Familie noch nie. Unbezahlbar."

Frida Pauline Huber, Schülersprecherin: "Wollte auf Partys gehen"

Auch Frida Huber verbringt viel Zeit mir ihrer Familie. "Das tat mir auch ganz gut." Sie ist im ersten Corona-Jahr in die 11. Klasse gekommen, 16 geworden, wäre natürlich gern mit ihrem Freund auf Partys gegangen. Dann der Einschnitt. Die Arbeit der Schülervertretung am Goethe-Gymnasium Ludwigslust ist durch die Pandemie erschwert, gleich nach dem Sommerferien müssen die Schüler wieder zu Hause lernen. In Videounterrichtsstunden lernt Frida Mitschüler ganz anders und neu kennen. Auch ein Vorteil.

Nachteile befürchtet sie aber auch: Das andere wichtige Themen nun vernachlässigt werden. Und sie braucht einen sehr gutes Abitur: Weil sie Ärztin werden will.

Daniel Seidler, Werft-Konstrukteur "Wir hoffen weiter"

2020 wollte Daniel Seidler weiter helfen, die "Global Dream" zu planen, das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Und mit der Familie eine AIDA-Kreuzfahrt machen. "Auf einmal war nichts mehr zu tun", sagt Seidler. Kurzarbeit im Frühjahr, statt Kreuzfahrt Urlaub in Sachsen. Im Dezember gibt der Finanzausschuss des Landtages erneut Sicherheitsreserven für die MV-Werften frei. 57 Millionen Euro für den Weiterbau der "Global One". Wie es mit dem  Mutterkonzern Genting weiter geht, ist ungewiss.

Und die Werftarbeiter? "Wir haben Kontakt gehalten", so Seidler, "schon um zu sehen: Da sind noch welche." Klar geworden ist ihm, wie wichtig die Werft für ihn ist und auch wie schnell eine Pandemie die ganze Welt verändern kann. Seine Hoffnung für die Zukunft: daraus zu lernen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.12.2020 | 10:00 Uhr

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