Melanie Falk © NDR

Corona und wir in MV - Was das Virus mit uns macht (3)

Stand: 27.12.2020 10:00 Uhr

Wie werden wir uns in Zukunft wohl an diese Zeit erinnern? Zweifellos hat Corona unsere gewohnte Normalität verändert, in allen Lebensbereichen. Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern erzählen, wie sie diese Bewährungsprobe erleben, was sie bewegt und worüber sie nachdenken. "Corona und wir in MV" - eine vorläufige Momentaufnahme.

3. März: Covid-19 wird zum ersten Mal bei Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Das ist der Anfang. In den Monaten darauf verändert Corona unser Leben. Wir müssen viel Neues lernen: "Lockdown" oder "Homeoffice".  Die Schutzmaßnahmen wirken. Ist das Virus bezwungen? Das hoffen viele. Es kommt anders. Im Herbst schießt die Zahl der Neuinfizierten in die Höhe, Städte und Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern werden zu Risikogebieten. Es folgt: der zweite Lockdown, erst "light", dann strenger. Das ist der Stand im Dezember 2020, am Ende eines bemerkenswerten Jahres.

Was Corona mit uns macht

Der NDR in MV hat über sie berichtet: die Krankenschwester, den Koch, den Konstrukteur der MV-Werften, die Kleinunternehmerin ebenso wie über die Künstlerin und das Kinobetreiber-Ehepaar. Aber auch über Schüler, Schulleiter, Schausteller, eine Schwester im Hospiz sowie eine Friseurin und einen Familienvater, eine Dorfladenbesitzerin, einen Geschäftsinhaber auf Rügen und eine Amtsärztin aus dem Gesundheitsamt. Was hat Corona mit ihrem Arbeitsalltag, mit ihrem Leben gemacht?

Melanie Falk, Friseurin: "Geschnattert wird wie immer"

Was ist den Menschen auch in diesen Zeiten wichtig? Eine vernünftige Frisur. Im Frühjahr bleiben die Salons sechs Wochen geschlossen. Davor und danach: Terminnot. Das NDR Nordmagazin hat Melanie Falk in ihrem Salon in Anklam durch das Jahr begleitet. Maske, Abstandsregeln, Hygienevorschriften, nicht jedem Kunden gefällt das. "Anstrengend ist das auf Dauer", sagt sie.  Kein Kaffee, keine Zeitschrift, aber: "Geschnattert wird aber wie immer". Sie freut sich, weil nun die Wertschätzung für ihr Handwerk gestiegen ist 

Als Melanie Falk zum zweiten Mal schließen muss, ist sie traurig, bei weitem nicht alle Terminwünsche erfüllen zu können, Kunden weinen am Telefon. Und nach dem Lockdown? Folgt der nächste Ansturm. Garantiert.

Miro Zahra, Künstlerin: "Hartz IV ist keine Option"

Miro Zahra leitet bis Ende 2020 das Künstlerhaus Plüschow. 2015 hat sie den Kulturpreis des Landes erhalten. Corona macht auch ihr als Künstlerin zu schaffen So, wie fast allen: Konzerte, Ausstellungen -– alles abgesagt. Gemeinsam mit anderen hat Zahra im April einen offenen Brief an die Landesregierung geschrieben und eine monatliche Unterstützung von 1.000 Euro gefordert. „Ich finde, dass die Lage dramatisch ist.“ Es gibt Überbrückungsstipendien, die Novemberhilfe des Bundes wird in Aussicht gestellt.

"Dass man tatsächlich auch in die Kunst und vor allem in ihre Akteure investieren muss, ist ist irgendwie an den Verantwortlichen vorbeigegangen", meint Miro Zahra. Doch: "Wie sollen die Menschen geistig sonst über diese Zeit kommen?"

Maik Rossow, Gastronom: "Wir wollen es schaffen"

Zehn Angestellte. Acht Aushilfen. Maik Rossow möchte keinen verlieren. Die Miete für seine "Waterkant Kitchen" in Börgerende-Rethwisch beträgt 9.000 Euro. Im Frühjahr muss er entlassen, jetzt: Kurzarbeit "Um Geld flüssig zu machen", hat er seine Eigentumswohnung verkauft, einen Foodtruck beliehen, die Miete stunden lassen. Denn die Hilfen lassen auf sich warten. "Wir wollen es schaffen", sagt er. "Und wir schaffen das auch."

Rossow liefert Essen zum Strandkorb vor der Tür, das ist noch erlaubt. Und fährt Menüs zum Kunden. Ihn ärgert es, dass seine Branche trotz Hygienkonzepten als erstes geschlossen werden, sagt aber auch: "Die Restaurants gehören jetzt auch nicht wieder voll gemacht."

Kurz vor Weihnachten 2020 müssen auch die Mehrzahl der Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern erneut schließen. Der zweite Lockdown beginnt am 16. Dezember. Nach dem ersten ist die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesunken, zum Teil auf Null. Ende Juli, Anfang August steigt die Corona-Kurve jedoch wieder. Erst kaum merklich, steigt ab Mitte Oktober auch die Zahl der Todesfälle. 

Brigitte Schnellhammer, Hospizschwester:  "Traurig, nicht umarmen zu können"

Abschied nehmen ist Alltag im Hospiz Eggesin. In Corona-Zeiten ist auch das erschwert, erzählt Brigitte Schnellhammer. Sie darf keine Angehörigen umarmen, keine Beerdigungen besuchen, muss penibel darauf achten, dass ihre "Gäste", die  aus dem Krankenhaus ins Hospiz kommen, negativ auf das Coronavirus getestet sind. "Nicht selbstverständlich", erzählt sie. Bearbeitungszeiten bei Krankenkassen, Krankenhausaufenthalte verlängern sich "aus unerklärlichen Gründen".

Brigitte Schnellhammer fragt sich, wie schnell sie und die anderen Mitarbeiter geimpft werden können, um sorgloser mit den Sterbenden umgehen zu können. Ihre Sorge: Es könne heißen, die sterben ja sowieso.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.12.2020 | 10:00 Uhr

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