Bruder von NSU-Opfer Turgut: Hoffen auf Antworten

Stand: 23.04.2021 13:39 Uhr

Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern ist der jüngere Bruder des Rostocker NSU-Opfers Mehmet Turgut angehört worden. Mustafa Turgut berichtete über die Umstände der Ermordung seines Bruders im Jahr 2004 und die nachfolgenden Ermittlungen.

Turgut sagte, sein Bruder sei aus dem Leben gerissen worden, ohne etwas getan zu haben. Er selbst sei damals 12 Jahre alt gewesen, habe mit seinen Eltern in einem Dorf in der Türkei gelebt. Nach dem Tod seines Bruders sei die Polizei fast täglich da gewesen und habe die Familie sogar verdächtigt, in den Mord verwickelt zu sein. Das sei schlimm gewesen.

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Noch viele offene Fragen

Auch 17 Jahre später seien noch viele Fragen offen, so Turgut: Wieso sei der Tatort in Toitenwinkel gewählt worden, gab es Helfer in Rostock und wirklich keine Zeugen des Mordes? Seine Familie wünsche sich Antworten. Mit der Sitzung heute soll die Beweisaufnahme des Untersuchungsausschusses beendet sein, der Bericht im Juni im Landtag beraten werden.

Forderungen nach Fortsetzung des Ausschusses

Mehrere Fraktionen wünschen sich, dass die Arbeit weitergeht. Der Respekt vor den Opfern des NSU gebiete, die Arbeit des Ausschusses in der nächsten Legislatur fortzusetzen, so der SPD-Abgeordnete Julian Barlen. Zeugen müssten noch gehört und viele Akten gelesen werden.

Die rechtsextreme Terrorgruppe "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) hat acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin in Deutschland getötet. 2011 nahmen sich von dem Kerntrio Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Leben, um der drohenden Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe wurde wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.04.2021 | 13:00 Uhr

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