Stand: 26.04.2019 06:00 Uhr

Alter Elbtunnel: 360.000 Fliesen aus Boizenburg

von Isabelle Vidos

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Mit rund 360.000 Fliesen aus Boizenburg sind die Wände der Oströhre des Alten Elbtunnels in Hamburg verkleidet.

Die Oströhre des Alten Elbtunnels wird heute nach mehr als achtjähriger Sanierung wieder für den Verkehr freigegeben. Aus der Fliesenstadt Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) stammen die Gewölbe-, Wand- und Sockelfliesen für eines der bekanntesten Hamburger Bauwerke. 426 Meter Tunnelröhren-Wand wurden damit verkleidet. Bei der Ausschreibung hatte sich das Unternehmen aus Mecklenburg gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt: In ganz Europa und Marokko hatten die Verantwortlichen aus Hamburg nach einem Betrieb gesucht, der die Fliesen originalgetreu herstellt - damit der Tunnel seinen Charme von vor über hundert Jahren behält.

Boizenburger Fliesen schmücken Alten Elbtunnel

Boizenburger Fliesen schmücken Alten Elbtunnel

Nordmagazin -

Nach langer Sanierung wurde die Oströhre des Alten Elbtunnels in Hamburg wiedereröffnet. Dass sie nun in neuem Glanz erstrahlt, ist auch Keramikern aus Boizenburg zu verdanken.

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Unperfektes Aussehen erwünscht

Besondere Härte- und Säuregrade, damit die Fliesen im Tunnel möglichst lange halten, eine Glasur mit spezieller Lichtbrechung für eine angenehme Atmosphäre und Fliesen in sieben verschiedenen Weißnuancen mussten die Boizenburger produzieren. "Es wäre einfacher für uns gewesen, wenn wir nur einen Weißton hätten produzieren müssen", sagt Andreas Bangert von Boizenburg Fliesen. "Doch der Wunsch aus Hamburg war, dass die Wand keine sterile weiße Fläche wird und ein unperfektes Aussehen, also kleine Dellen und hochstehende Ecken in den Fliesen, waren ausdrücklich erwünscht." Für die unperfekten Fliesen testeten die Keramiker monatelang Glasuren, Massen und Brenntemperaturen.

Historischer Look - aktuelle Beanspruchung

Trotz der Nostalgie: Die Fliesen müssen den heutigen Belastungen standhalten. Die Tunnelröhre wird täglich von Autos und Hunderten von Fahrradfahren genutzt. Die Sockelleisten kriegen dabei besonders viel ab: Häufig knallt ein Rad gegen die Fliesen. "Wir wurden gebeten, eine Fliese herzustellen, die auch wenn sie beschädigt wird, weiterhin schön aussieht", erklärt Bangert. Die Fachleute aus dem Fliesenwerk entwickelten deshalb eine Porphyrfliese. Diese ist durchgefärbt: Bricht ein Stück ab, erscheint dahinter nicht wie üblich brauner Ton, sondern die Fliese strahlt weiterhin grünlich-weiß, wie auf ihrer Außenhaut.

Prestigeauftrag lohnt sich nicht

Trotz der großen Aufmerksamkeit lohnt sich der Auftrag für die Firma finanziell nicht. Das Volumen des Auftrags mit rund 360.000 Fliesen ist für das Werk in Boizenburg, das hauptsächlich Fliesen für die Industriebranche produziert, minimal klein. Des Weiteren sind die Energie- und Entwicklungskosten für historische Fliesen hoch. Finanziell gerechnet hat sich der Auftrag für die Boizenburger deshalb nicht. "Wir hatten auch die Anfrage für die Produktion der Fliesen für die zweite Röhre des Elbtunnels, die ab Juni saniert werden soll, aber es scheint, als würden wir das nicht noch einmal machen", so Bangert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.04.2019 | 06:00 Uhr

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