Stand: 22.08.2018 09:52 Uhr

Äpfel, Birnen und Pflaumen für alle

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Äpfel, Birnen und Pflaumen, die an der Straße wachsen, sagen Wissenschaftler, sind kaum stärker belastet, als das Obst, das wir im Supermarkt kaufen.

Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch die Landschaft fährt, der wird es bemerken: Obstbäume in Alleen und an Straßen in Mecklenburg-Vorpommern hängen voller Früchte. Aber darf ich mich eigentlich als Bürger oder Tourist einfach so an Birnen, Pflaumen und Äpfeln bedienen?

Mundraub: Respekt und gesunder Menschenverstand

Wie in vielen Situationen des Lebens ist das eine Frage von Maß, Anstand und gesundem Menschenverstand. Das Obst an Alleen und Straßenbäumen gehört natürlich jemandem, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Aber: Wer auf der Radtour ein paar Äpfel pflückt, um daraus einen Kuchen zu backen oder ein paar Birnen einsammelt, um seinen Kindern eine Freude zu machen, der kommt damit in Mecklenburg-Vorpommern nicht in Teufels Küche.

Eigenbedarf lautet das wichtige Stichwort dabei - die Alleenexpertin des BUND, Katharina Dujesiefken: „Wenn ich dann mit Planen komme und anfange richtig zu ernten, dann sollte ich mich vorher doch mal erkundigen, den Bürgermeister fragen, ob ich das darf. Oder auch einfach mal im Amt nachfragen. Denn diese Bäume haben einen Eigentümer!“

Privatgelände bleibt tabu

Kritisch wird es, wenn ich das Obst vom Straßenrand gern weiterverkaufen, also kommerziell nutzen möchte, dann mache ich mich damit auf jeden Fall strafbar. Und auch von offensichtlich privaten Flächen, wie Plantagen und Streuobstwiesen, sollte ich mich fernhalten, wenn der Besitzer den Mundraub nicht ausdrücklich erlaubt hat.

Bäume voller Früchte im Land entdecken

Wer mit offenen Augen durch sein Umfeld zieht, der wird sicher hier und da einen prall gefüllten Apfelbaum, Walnüsse an der Straße oder Birnen im Gras entdecken. Alleenexpertin Katharina Dujesiefken hat noch ein paar Ecken in petto: „Es gibt in Nordwestmecklenburg wunderschöne Apfelbaumalleen, im Biosphärenreservat Schaalsee gibt es schöne Obstbäume. Es gibt aber auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim Pflaumen und Birnen.“ 

Man kann sich aber auch das Internet zunutze machen. Die Initiative mundraub.org hat eine interaktive Karte ins Netz gestellt, auf der Orte eingetragen sind, an denen kostenlos gepflückt werden darf. Manche Menschen finden diese Idee phantastisch, andere verstehen überhaupt nicht, was das soll – also man muss dazu sagen, dass die Website ziemlich polarisiert. Das liegt zum Beispiel daran, dass jeder, der einen Ort zum Pflücken einstellt, selbst die Verantwortung hat, zu prüfen, ob man das dort tatsächlich darf.

"Straßenobst" kaum belasteter als im Supermarkt

Laut mundraub.org haben Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin vor ein paar Jahren Proben von Obst und Gemüse an 172 Stellen in Berlin genommen und herausgefunden: Die Konzentrationen von Blei und Cadmium im Stadtobst sind oft vergleichbar oder sogar deutlich geringer als in Obst aus dem Supermarkt. Beeren speichern durchschnittlich mehr Schwermetalle als Stein- und Kernobst. Nüsse nehmen am wenigsten Schadstoffe auf. Und alles, was am Boden wächst, ist auf jeden Fall stärker belastet als Obst vom Baum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.08.2018 | 11:15 Uhr

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