Zeitzeichen

21. Mai 1690

Donnerstag, 21. Mai 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr

Der Todestag des "Indianer-Apostels" John Eliot
Ein Beitrag von Martin Herzog (WDR)

Ein "besseres England" suchte er in der Neuen Welt. Was der Puritaner John Eliot vorfand, waren die Algonquin-Indianer, die an der amerikanischen Ostküste lebten. Sein Auftrag war klar: christliche Missionierung dieser Heiden. Dabei legte Eliot allerdings eine fast moderne Offenheit an den Tag und ein Verständnis für Kulturen und Sprache, die späteren Missionaren und Siedlern gänzlich abgingen.

John Eliot ging mit großer Umsicht vor. Er lernte den lokalen Dialekt der Indianer-Stämme aus dem Gebiet von Boston, übersetzte die Bibel in ihre Sprache und gründete sogenannte "praying towns", wo nicht nur gebetet, sondern Ackerbau, Viehzucht und Fischfang betrieben wurden. Diese Gemeinden stabilisierten die ansässigen Indianerstämme, die Mitte des 17. Jahrhunderts durch eingeschleppte Krankheiten bereits stark dezimiert und abhängig vom Handel mit den Europäern waren. Anders als seine Nachfolger im 18. und 19. Jahrhundert verstand Eliot, dass es sich bei den amerikanischen Ureinwohnern nicht um Wilde handelte, die es im Zweifel mit Gewalt zu bekehren galt, sondern um eine komplexe Kultur, von der er lernen konnte. Umgekehrt waren die Algonquin-Indianer längst nicht nur passive Empfänger, sondern nutzten die Verbindungen zu den Missionaren geschickt für sich und ihre eigene Politik.

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